Thema: 20000 Kilometer mit dem Rad um die Welt 2012  (Gelesen 4665 mal)

XgErMaNwEiRdOX

« am: 12. Mai 2011, 12:32 »
Hallo Leute :),
Mein Name ist Maximilian, ich bin 19 Jahre alt und komme aus einer kleinen Stadt and der holländischen Grenze. Ich habe schon seit langem über eine Reise um die Welt nachgedacht und vor kurzem habe ich mich endlich entschlossen es umzusetzen und mir die Welt anzuschauen.
Ich habe keine Lust zu sterben, ohne die Welt bereist zu haben und mein ganzes Leben an einem Ort verbracht zu haben. Ich will die Welt sehn und diese aus eigener Kraft erkunden: Daher starte ich im Juni-August 2012 meine Reise in die große Welt und das mit dem Fahrrad.
Einmal um die Welt, 20000 Kilometer aus eigener Kraft, die Landschaften und Kulturen anderer Länder zu erleben, sich einmal überwinden den großen Schritt zu wagen, das ist mein Traum.
Von dem oben bereits erwähnten Termin aus soll es über Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal mit dem Schiff rüber in die USA gehen.
Mit ca. 4500 Kilometern werde ich dann durch die Staaten radeln und hoffentlich dort eine wunderbare Zeit verbringen.
An der Westküste angekommen geht es weiter nach Japan, dem wohl gastfreundschaftlichsten Land der Welt, mit einer Kultur, welche sich so von der europäischen unterscheidet, als fühle man sich in einer anderen Welt.
Von Japan aus geht die Reise weiter nach China. Von China weiter nach Tschadschikistan und dann über Kasachstan, Russland und Osteuropa zurück in die gute Heimat. Eventuell segele ich noch vor China nach Australien und fahre dort mit dem Fahrrad durch die australische Wüste.
Eins steht auf jeden Fall fest: Diese Reise wird im Sommer 2012 starten und zwar werde ich nicht alleine fahren. Eine perfekte Chance für dich, falls du zwischen 18 und 25 Jahre alt bist und das gleiche Verlangen wie ich besitzt die Welt zu umfahren und andere Kulturen kennenzulernen. Im Schnitt werde ich täglich 50 - 100 Kilometer fahren und somit ca 1-2 Jahre brauchen, welche ich jedoch gerne investiere um mein Ziel zu erreichen. Als Unterkunft werde ich einfach mein Zelt benutzen, da ich so der Natur ein wenig näher komme und es einfach mehr Spaß macht als immer sicher in einem Hotel oder Motel untergebracht zu sein. Eine Möglichkeit die Reise für mich und für Dich komplett umsonst zu finanzieren habe ich auch schon gefunden. Ich würde mich also sehr über Interessierte freuen, die gemeinsam mit mir den Weg bestreiten möchten.
Grüße und hoffentlich bis bald ;),
Max Müller

Near

« Antwort #1 am: 22. Mai 2011, 17:07 »
Hallo Max,
ich bin Jahrgang 93 und auch seit längerem am überlegen, wie ich die Welt anschauen kann ohne dabei vor einem Bildschirm zu sitzen. Die Idee mit dem Fahrrad gefällt mir und ich währe berreit, sofern die chemie stimmt währe ich berreit nach meinem Abitur mit zu kommen. Ich besitze (mal vom Fahrrad abgesehen) ein Zelt und währe auch nicht unglücklich wenn noch ein oder zwei erfahrene Begleiter mitkommen.

farmerjohn1

« Antwort #2 am: 22. Mai 2011, 22:28 »
Ich finde diese Idee im Grunde ganz toll, habe auch frueher Heinz Helfgen 'Mit dem Fahrrad um die Welt' verschlungen. Meine eigenen Radtouren sind aber immer nur ein paar Tage lang in Europa gewesen, die laengste war mal drei Wochen durch Mittelamerika. Sie sollte die Generalprobe fuer eine eventuelle Weltumradlung sein, aber diese Erfahrung hat mich von meinem Plan abgebracht - diese Reiseart ist wirklich nichts fuer unser Zeitalter.
1. Allgemeines:
a) Unweigerlich ist der Sport das Haupt-Thema der Reise, 'die Welt sehen' selbst rueckt in den Hintergrund.
b) Fuer das Gepaeckproblem fand ich keine vernuenftige Loesung.
c) die besten Tageszeiten bist du beim strampeln, mindestens 6 bis 8 Stunden am Tag. Du bist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nur mit Fortbewegung befasst. Wenn du  ausser Strassengraeben noch was anderes sehen willst, musst du Pausentage einlegen - diese bringen einen aus dem Tritt und werfen einen psychologisch zurueck.
2.  Epochenbedingtes. Im Gegensatz zu der Situation vor 50 Jahren ist es unglaublich teuer und wesentlich gefaehrlicher als frueher:
a) sind die Lebenshaltungskosten (Uebernachtung und Essen) sind selbst in den fuer Europaeer billigen Laendern nicht wirklich billig, und da man langsam vorwaerts kommt (selbst wenn man jeden Tag 100km schafft) zahlt man sich dumm und dusselig an den zahlreichen Uebernachtungen - auch mit dem Zelt, weil man aus Sicherheitsgruenden nicht einfach am Autobahnrand schlafen kann/darf, sondern Campingplatz zahlt. Der Bauer, wo man auch umsonst in der Scheune schlafen koennte, wohnt - wo es ihn heute noch gibt - so weit von den Hauptverbindungsstrassen ab, dass man ihn einen halben Tag lang suchen muss und das Fahrrad auf dem Ruecken durch die Wildnis hin- und zuruecktragen muss.
b) Die Anzahl der KFZs pro Einwohner und damit die Anzahl der Wahnsinnigen am Steuer ist sehr hoch, und als Radfahrer besteht hohe Verletzungsgefahr.
c) Die Urbanisierung der Welt ist unheimlich weit fortgeschritten, und zwar nicht im Hinblick auf  'Schoener Wohnen' , sondern in Form von graesslichen Vorstaedten, die die Groesse des Zentrums um das hundertfache uebersteigen und oft von sozialen Problemen gepraegt sind. Um nur in Europa zu bleiben: man kann zum Beispiel vom Zentrum Madrid raus zum Flughafen Barajas  ueberhaupt nur noch mit dem Auto kommen, wenn man ein Fahrrad bei sich hat: bei der U-Bahn lassen sie dich nicht durch die Sperre, ein Taxi nimmt einen nicht mit, und eine normale Strasse gibt es nicht mehr - nur noch Autobahnen, auf denen Radfahrer verboten sind und durch deren ausschliessliche Existenz schwere Bussgelder bis hin zur Abnahme des Fueherscheins die Folge eines Verstosses sind.
d) die Volkshelden sind nicht mehr, wie vor 30 oder 40 Jahren, einsame und charakterstarke Einzelkaempfer, die mit verfuegbaren Mitteln gegen eine ungerecht handelnde Uebermacht unter Erbringung von Opfern ihre Vorstellung von Gerechtigkeit durchsetzen und am Ende vielleicht durch Liebe belohnt werden, sondern kraftstrotzende Opportunisten, die ihre egoistischen, kurzfristigen Ziele (einen Koffer voll Geld und/oder einen lang ersehnten Fick) mit potenten Motoren, Betrug, Kugelhagel und Gewalt erreichen. Das hat bei den meisten Leuten auch Auswirkungen auf die Art und Weise, wie sie einen oder zwei radelnde Weltreisende wahrnehmen und behandeln.
Fazit: mit Bus und Bahn um die Welt wird die Haelfte kosten und du wirst mehr sehen - leider.

Skraal

« Antwort #3 am: 23. Mai 2011, 10:54 »
Ach Quatsch.
Sean aus Schottland iſt auch ſchon eine ganze Weile unterwegs und hat mittlerweile fast 28.000 km zurückgelegt. Ich habe ihn in Kolkata getroffen und das einzige Problem das er in den Vorstädten der ach ſo ſchrecklich urbaniſierten Welt hatte, war, daß die Leute ihn ſtändig mit dem Handy photographieren wollten und er deſhalb nicht vorwärts kam. Und das in ſo böſen Slum-Städten wie Kolkata oder Dhaka.
Für mich wäre radeln auch nichts, aber das hat was mit mir und nicht mit einem ominöſen Zeitalter oder einer noch ominöſeren „Geſellſchaft“ zu tun.

RudyRestless

« Antwort #4 am: 23. Mai 2011, 12:50 »
Ich muss farmerjohn ebenfalls widersprechen. Es gibt Tausende, die auf diese Weise die Welt erkunden, die Argumentation ist schon sehr befremdlich!!

a) Das Sport das Wichtigste wird, ist kompletter Käse. Kein Mensch zwingt dich, jeden Tag in den Sattel zu steigen oder alle 4000-er Pässe mitm Rad zu erklimmen.
b) Also wenn man auf dem Fahrrad nicht genug Platz fürs Gepäck hat, dann weiß ich auch nicht, vielleicht probierst du es mit dem Wohnmobil ::). Es gibt Leute, die mit 50kg-Gepäck Ihre Radtour angehen, bei mir werden es für Lateinamerika für ein Jahr ca. 15-20 kg sein.
c) Was bitte ist daran teuer? Du sparst dir die Bus- oder Flugkosten. Sicherlich gibt es sehr einsame Gegenden, aber in dem Fall kann man ja notfalls auch von einem netten LKW-Fahrer mitgenommen werden. Für viele ist aber der Weg das Ziel und wild Zelten kostet meines Wissens nichts ;). Bleibt also nur das Essen als Kostenfaktor!

Es gibt eine Frau um die 50, die allein und mit Fahrrad vor kurzem durch Südamerika geradelt ist, inklusive Buenos Aires und Rio und den ganzen bösen Vororten – ihr ist nichts passiert. Leider fällt mir ihr Name nicht mehr ein, aber sie hat eine homepage darüber…
Du hast bei keiner anderen Fortbewegungs-Art ein intensiveres Reiseerlebnis als mit dem Rad. Du kommst überall in Kontakt mit den Einheimischen und erlebst ungefiltert die Natur. Für mich das Allerwichtigste: du bist wirklich frei und von keinen öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig und du hast vor Ort immer einen fahrbaren Untersatz und brauchst nicht Kohle für Busse und Taxis auszugeben. Was ich in 3 Wochen in Brasilien für Taxis ausgegeben habe, war nicht mehr normal-leider hatte ich meinen Drahtesel damals nicht dabei :(.

Zum Plan von Max: ich denke, das werden deutlich mehr als 20 Tkm am Ende, die Routenwahl ist sicherlich Geschmackssache (sehr viele einsame/ monotone Gebiete auf der geplanten Route). Mich würde echt interessieren, was du für eine Möglichkeit zur Finanzierung gefunden hast ?! Jedenfalls wirst du eine Menge erleben. Falls du es noch nicht kennst: im Rad-Forum (Punkt de) gibt es einen Haufen von weltreisenden Radlern. Viel Spaß :)!

Bella

« Antwort #5 am: 23. Mai 2011, 14:31 »
Ich schließe mich meinen beiden Vorrednern an: Lass dich nicht beirren!! Ich finde deinen Plan bewundernswert, auch wenn es für mich persönlich nichts wäre.

Jens

« Antwort #6 am: 23. Mai 2011, 14:58 »
Also die Bücher die ich gelesen habe, wo Leute mit dem Rad um die Welt sind haben da etwas anderes Beschrieben wie Farmerjohn1 hier wieder gibt! Klar ist es anstrengend, aber das wisst ihr jetzt schon und kotzen werdet ihr auch öfters, als die, die 10 Stunden in einem Bus sitzen!

Übrigens übernachtet haben die meisten Radler immer im Zelt etwas abseits der Straße und daher haben sie dafür recht wenig ausgegeben...

Lest euch in das Thema gut ein und macht es wenn es euch spßa macht!

dirtsA

« Antwort #7 am: 23. Mai 2011, 18:46 »
Ich finde die Idee auch super, auch wenn es für mich persönlich nichts wäre ;)

Wichtig finde ich 2 Sachen:
1. Dass du zeitlich wirklich komplett flexibel bist (nach hinten offen), damit du auch wie schon erwähnt auch "Ruhetage" bzw "Besichtigungstage" einlegen kannst und nicht immer nur fahren musst. Deine Planung klingt aber eh danach...
2. Dass du nicht mit zu niedrigem Budget startest, damit du dir z.B. so Sachen leisten kannst, wie: Reparatur, evtl. komplett neues Fahrrad wenn Reparatur nicht möglich, Essen+Trinken, Zeltplätze (wie willst du sonst in gewissen Ländern duschen!? bzw gibts ja auch Länder, in denen wild campen VERBOTEN ist), die Schiff-Transfers (hast du mal gecheckt, wie hoch die Chancen sind, auf den Strecken was einigermaßen leistbares zu finden?), auch mal andere Transfers wenn es dir a) nicht gut geht b) du einfach mal das Fahrrad "satt hast" c) du mal in einer unsicheren Gegend bist und einfach so schnell wie möglich weg möchtest (dass EINER Frau nichts passiert ist, heißt ja nichts, dass generell nichts passiert - finde die Aussagen meiner Vorredner da ehrlich gesagt ein bissl blauäugig) etc. etc. etc. Es gibt hunderte Möglichkeiten, wo du wahrscheinlich Geld brauchen wirst, an die jetzt bestimmt nicht denkst. Ich schreibe das nur, weil hier schon öfter Planungen dieser Art aufgetaucht sind, wo dann das Budget lächerlich/naiv gering war... Sorry, falls das bei dir nicht der Fall ist ;)

Ein Problem beim wild campen sehe ich darin (wurde selbst in einem anderen Thread darauf hingewiesen), dass du nichts absperren kannst und daher bei allen Besichtigungen etc. immer den ganzen Kram mitschleppen musst, der dir wertvoll ist. Auch ein Zelt oder ein guter Schlafsack werden ja in manchen Ländern geschätzt und dann möglicherweise verschwinden...

Ich denke es ist möglich, aber mit viel Planung und viel Recherche - und nicht zu viel Naivität ;)

Flynn

« Antwort #8 am: 24. Mai 2011, 05:35 »
Mein Tipp lautet: mach eine Generalprobe im kleinen Maßstab und schau ob deine Strategie aufgeht. Bei solchen Vorhaben ist es doch nahezu unmöglich vorher einzuschätzen auf was du dich da einlässt...

Auf der Reise nur auf dem Zahnfleisch zu laufen (oder zu radeln in deinem Falle) ist nicht sonderlich befriedigend. Viele Probleme die du haben wirst, bekommst du in verminderter Form auch in so einer Probe zu spüren und kannst danach realistischer planen.

Tags: