Thema: Was haltet ihr von unserer Route? Habt ihr Tipps zur Fahrradmitnahme?  (Gelesen 830 mal)

veraundtom

Hallo zusammen,

nachdem wir viele Ideen wieder verworfen haben sieht unsere Traumroute nun so aus:

Ende September/Anfang Oktober 2011 von D nach Nepal

Anfang November weiter nach Neuseeland

Mitte Januar weiter über Santiago de Chile nach Patagonien

auf dem Landweg nach Peru

Ende Mai von Lima nach D


In Nepal und Neuseeland hätten wir gerne die Räder dabei, in Südamerika wohl eher nicht, da wir uns dort mit Bussen fortbewegen wollen.



Unsere Fragen sind jetzt noch:


Ist der Preis von etwa 2700 ,- € für ein RTW aus eurer Sicht okay?

Ist es nach eurer Erfahrung möglich, Räder in Nepal in einem Hostel auch für zwei, drei Wochen unterzustellen, z.B. während einer Trekkingtour oder würdet ihr da eher abraten?

Wie können wir die Räder möglichst günstig von Neuseeland nach D zurückschicken?

Werden Räder in Chile, Peru in der Regel von Bussen mitgenommen? Wie sieht das preislich aus?

Schon einmal ganz vielen Dank und viele Grüße!

tom und vera
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farmerjohn1

Zum Fahrradtransport: das ist meistens schwierig. Fragt mal bei einer Uebersee-Spedition mit den betreffenden Laendern, und zusaetzlich bei einer Airline, was das kostet. Vergleicht die Angebote mit denen fuer einen Neukauf der Fahrraeder in Nepal und  Neusseland, es kann sogar sein, dass es guenstiger ist, zweimal neue Fahhraeder zu kaufen und sie hinterher zu verschenken/zu verkaufen, als die Transporte zu bezahlen.
Ich habe einmal per Fahrrad eine Mittelamerika-Tour gemacht, da war es kein Problem, das Fahrrad im Flugzeug ohne Aufpreis im Flach-Karton (Pedale und Lenker abgebaut, Luft aus dem Schlauch raus) als zweites Gepaeckstueck mitzunehmen. ABER: die Orte zum Uebernachten waren meistens etwa 80, in Einzelfaellen 120km auseinander, das ist ein ganz schoen heftiges Tagespensum! Ausserdem hat ein Fahrrad hohle Roehren, und aus Furcht, auf dem Ruecktransport als unwissender Drogenschmuggler missbraucht zu werden, habe ich es zurueckgelassen und mein Fahrrad wird vmtl. noch heute irgendwo in Mexiko herumfahren, bzw. im Schuppen stehen... Zumindest im Fall von Nepal besteht eine aehnliche Situation.
Uebrigens: weshalb denn gerade Nepal mit dem Fahrrad? Den Karten nach sind dort viele Gummibeineberge... Neusseeland per Fahhrad halte ich hingegen fuer eine gute Idee, wenngleich man wahrscheinlich auch dort ein bisschen auf die Entfernungen zwischen den Schlafmoeglichkeiten achten muss.
Die Mitnahme des Fahrrads in Reisebussen war in Mexiko, Guatemala und Belize kein Thema, selten wurden 2 Dollar Aufpreis dafuer verlangt. Kein Problem, wenn man von der unvorsichtigen Handhabung im Gepaeckraum mal absieht. Wie das in Chile und Peru ist, weiss ich nicht, aber vermutlich aehnlich.
Nur ist Suedamerika fuer Radfahrer nicht gerade ein Paradies: die asphaltierten Strassen sind oft voll mit Autos und stinkenden alten LKWs, die Fahrweise und der technische Standard wenig vorausschauend, die weniger befahrenen Nebenstrecken oft Schotterpisten mit Waschbrettwellen, Matsch und fliegenden Steinen, die Berge steil, lang und haeufig an der Zahl, die Entfernungen zwischen den Orten lang, das wilde campen unsicher (Ueberfaelle, wilde Tiere, Hunde mit Tollwut, etc.). Was man gut machen kann: in irgendein Dorf fahren und vom Hotel/Landhotel  aus mit dem Fahrrad Tagesausfluege machen. Viele Suedamerikaner schwoeren statt aufs Fahrrad auf das Motorrad, aber meiner Meinung nach ist das am besten geeignete Transportmittel - das Pferd.
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farmerjohn1

Zu Eurem Suedamerika-Vorhaben:
Peru ist natuerlich v.a. im Hinblick auf die archaeologischen Ausgrabungen unschlagbar und hochinteressant. Ausserdem sind Lima und einige andere Staedte (aber v.a. Lima) geschichtlich eng mit dem spanischen Vizekoenigtum bzw. mit der Unabhaengigkeit Anfang des 19. Jhd. verknuepft, und Lima hat neben bitterer Armut auch wunderschoene Teile mit kunstvollen Bauten, luxurioesen Restaurants und Leben in Saus und Braus.
Andererseits kann eine Reise durch Peru (i.V. mit Chile/Patagonien) nicht als alleinige Grundlage dienen, um sich ein besonders vielseitiges Bild des heutigen Suedamerika zu formen. Landschaftlich ist Peru hauptsaechlich wuestenartig (alles zwischen Altiplano und der Kueste) bzw. Amazonas-Regenwald. Chile erinnert eher an die Landschaft Kastiliens um Madrid herum, bzw. an Deutschland und die norwegische Fjordlandschaft, bzw. ist Wueste, und kulturell an Nordwestspanien, bzw. an nord- und mitteleuropaeische Kultur. Jene nahezu paradiesisch fruchtbaren und exotischen Landstriche, wie man sie in Brasilien, Ekuador, Kolumbien, Venezuela, den weniger hoch gelegenen Teilen Boliviens und in Mittelamerika (jeweils etwa zwischen 0 und 2000m ueber NN) zu Gesicht bekommt, mit denen auch ein buntes Voelkergemsich, ausgelassene Lebensfreude und der froehlich, sogar lieblich stimmende Ueberfluss tropischen Klimas einhergehen, wird man auf Eurer Rute nur eingeschraenkt erleben koennen. Das finde ich ein bisschen schade, denn der Eindruck der Hochlandindianer des Altiplano ist doch oft ein ernster, gedrueckter, von Menschen, die wenig lachen, viel leiden und ausserdem in der Tradition einer eher archaischen, machtbewussten und strengen Kultur stehen (waehrend die Indianerkulturen in anderen Teilen Sued- und Mittelamerikas durchaus einen zugaenglicheren Eindruck vermitteln), die darueber hinaus von einer anderen sehr strengen und in Peru sehr praesenten Tradition, naemlich der des spanischen, von inquisitorischen Einfluessen gepraegten Mittelalters, ueberzogen ist. Ausserdem werdet Ihr ja nach Neuseeland schon einen betraechtlichen Teil der suedlichen Landmasse der Suedhalbkugel kennengelernt haben, daher koenntet ihr meiner Meinung nach durchaus Patagonien auslassen und die Zeit/das Budget fuer andere Bereiche des Kontinents verwenden.
Falls Ihr nach Kolumbien wollt (was sehr zu empfehlen ist, u.a. weil es touristisch noch nicht stark ausgebeutet ist) - da kann ich Euch genauer beraten. Suedamerika ist abseits der Touristenrouten nicht immer einfach zu bereisen, oft fehlt es an Infrastruktur, die Lebensverhaeltnisse sind oft sehr einfach, und nicht ueberall ist es sicher. Aber meiner Meinung nach kann man seine Reiseerlebnisse nur dann  richtig einordnen, wenn man die wirklichen Verhaeltnisse erlebt hat.
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