Thema: Coartem als nachtraegliche Malaria-Profylaxe  (Gelesen 6644 mal)

reisende

« am: 14. Februar 2011, 10:14 »
Hallo,

mir wurde mehrfach empfohlen anstelle einer Malaria-Profylaxe waehrend des Aufenthaltes in einem Malaria-Gebiet nachtraeglich die Medizin gegen Malaria zu nehmen, wenn ich das Land verlasse. Quasi als nachtraegliche Profylaxe. Drei Tage einnehmen als ob ich es haette.
Nun frage ich mich, ob das wirklich eine gute Idee ist. Nicht dass der Parasit etwa resistent gegen das Medikament wird, bevor er sich so richtig ausbreiten konnte.

Wer hat eine Meinung dazu?

die reisende
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Jens

« Antwort #1 am: 14. Februar 2011, 11:11 »
Hallo Reisende,

du hast ja Sachen am Start!  ;) Warum sollst du jetzt eine nachträgliche Propfylaxe nehmen, wenn du keine Anzeichen für malaria hast? Hey, das verstehe ich nicht! Dann hättest du lariam oder Malarone schon die ganze Zeit nehmen sollen, denn die musst du auch noch eine Woche nach Austritt einer malariazone nehmen! Also, wenn du keine Malariasymtome hast, dann würd eich es nicht nehmen!

PS, bin aber KEIN Arzt!!
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reisende

« Antwort #2 am: 14. Februar 2011, 11:23 »
Warum? Ganz einfach: Malaria ist etwas, was man auch noch 1 Jahr spaeter nach Ausreise aus dem Malaria-Land bekommen kann. Und wenn man sich dann gerade irgendwo befindet, wo es keine Medizin dagegen gibt, ist das ein lebensgefaehrliches Problem. Daher die Frage, ob nachtraegliche Profylaxe ueberhaupt hilft.
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Jens

« Antwort #3 am: 14. Februar 2011, 11:35 »
Naja, also ich war so in Afrika und weis, dass du es noch bekommen kannst, aber das kannst du auch mit deiner Profylaxe! Wenn es in der einen Woche nicht ausbricht, dann halt später! Auch kommt hinzu, dass du dich mit Malarone und Co. so gegen 80.000 Stämme/Arten schützen kannst, aber es gibt ca. 350.000 stämme von Malaria.

Wo fliegt du jetzt hin?? Doha und dann?? Aber eine Frage noch, warum hast du nicht gleich Malarone genommen und machst es nachträglich? Ich verstehe das nicht ganz so. Oder du kaufst dir jetzt noch eine packung Malarone und nimmst die wenn du Anzeichen von Malaria bekommst! Achte aber in Mosambik darauf, dass du ein Original bekommst und keine Samrties! Es gibt dort öfters Plazebos!
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reisende

« Antwort #4 am: 14. Februar 2011, 11:47 »
Ich habe Malarone aus Deutschland als Stand by Mittel dabei. Habe aber gehoert, dass es keine gute Idee ist, das als Medizin zu nehmen bei einem Ausbruch (wirklich nur als Stand by), weil der Parasit im Blut bleiben kann und man es spaeter wieder bekommen kann. Ausserdem dauert es mit Malarone 4 Tage bis man sich wieder fit fuehlt und mit Coartem nur 3, und dann ist der Erreger wirklich tot.
Ich meine, ich koennte auch einen Malaria Test kaufen und Coartem und im Fall dass ich mich irgendwo in einem anderen Land mit schlechter Medizinischer Versorgung auf dem Land befinde es dann nehmen. Aber dann kann ich es ja auch gleich  nehmen, profylaktisch eben.
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Jens

« Antwort #5 am: 14. Februar 2011, 12:10 »
bei einem Ausbruch (wirklich nur als Stand by), weil der Parasit im Blut bleiben kann und man es spaeter wieder bekommen kann.
Einmal Malaria immer Malaria!

und mit Coartem nur 3, und dann ist der Erreger wirklich tot.
WOW, wenn das so wäre, dann würde sich Afrika freuen und es würden keine Menschen mehr sterben. Wer hat dir das erzählt??!! Wenn du Malaria hast, dann hast du es! Ich habe eine Freundin in Garmisch, die hat es in tanzania bekommen, weil sie dort arbeitete und nicht über ein jahr Tabletten schlucken konnte und wollte! Die gehen nämlich auf die Leber und sind auch nicht so gesund!

Ich habe Malarone aus Deutschland als Stand by Mittel dabei. Habe aber gehoert, dass es keine gute Idee ist, das als Medizin zu nehmen bei einem Ausbruch (wirklich nur als Stand by),
Hmm, das nenne ich mal Standby! Oder wann möchtest du es sonst nehmen???

Es gibt Leute die dann sagen, dass der genaue Erreger nicht mehr festgestellt werden kann, vielleicht meinst du das damit.
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Jens

« Antwort #6 am: 14. Februar 2011, 14:47 »
Also jetzt hat es mich doch noch mal interessiert und ich habe mal bei Novartis vorbeigesehen:

Zitat von: Novartis International AG | Basel Auszug aus einer PDF (Jahr2005)
Über Coartem
Coartem ist ein hoch wirksames und gut verträgliches Antimalariamedikament, mit welchem
Heilungsraten von bis zu 95% erzielt werden. Dies trifft selbst auf Gebiete zu, wo bereits
Mehrfachresistenzen vorkommen. Das Produkt ist indiziert für die Behandlung der durch
Plasmodium falciparum verursachten Malaria, der gefährlichsten Malariaform. Coartem ist
die einzige qualifizierte Fixkombination des Artemisinin-Derivats Artemether mit Lumefantrin.
Diese Fixkombination ist für die Patienten mit deutlichen Vorteilen verbunden, da sie die
Behandlungsdisziplin fördert und die optimale klinische Wirkung unterstützt.
Artemisinin ist ein Wirkstoff, der aus der Pflanze mit dem Namen „einjähriger
Beifuss“ gewonnen und seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin zur
Behandlung von Fieber eingesetzt wird. Eine auf Artemisinin basierende Kombinationstherapie
ist eine Kombination von zwei oder mehr Medikamenten (von welchen eines ein Artemisinin-
Derivat ist), welche verschiedene Wirkmechanismen und therapeutische Ansatzpunkte
aufweisen. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von zwei oder mehr Medikamenten
die Möglichkeit bietet, die Entwicklung von Resistenzen in Gebieten mit langsamer
Übertragung hinauszuzögern. Insbesondere auf Artemisinin basierende Kombinationstherapien
haben sich als äusserst wirksame Behandlungsoption gegen Malaria erwiesen. Ihr Potenzial,
das Auftreten von Resistenzen in Gebieten mit hohen Übertragungsraten hinauszuzögern, wird
gegenwärtig untersucht.
Coartem wurde von Novartis in Zusammenarbeit mit chinesischen Partnerunternehmen
entwickelt, die auch die Wirkstoffe (Artemisinin und Lumefantrin) liefern. Die Tabletten von
Coartem werden von Novartis in China produziert. Coartem ist zurzeit in 79 Ländern der
Welt zugelassen. Mehr als sechs Millionen Patienten konnten seit der Erstregistrierung im
Oktober 1998 von dieser innovativen Behandlungsmethode profitieren. Coartem wurde in
umfangreichen klinischen Multicenter-Studien mit über 3 000 Patienten eingehend untersucht.

Hier geht es zur PDF

 
und dann ist der Erreger wirklich tot.
Und auch sonst wo habe ich nicht gelesen, dass die Malariaerreger abgetötet werden. Ich denke, dass du dann mit deiner Malarone gut versorgt bist und wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann zum Arzt/Krankenhaus fahren und denen Mitteilen, dass du in einem Malariagebiet warst. Falls du wirklich soviel angst haben solltest, dann mach einfah den Schnelltest in Mosambik!
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karoshi

« Antwort #7 am: 14. Februar 2011, 16:57 »
Hallo reisende,

wenn ich Aussagen lese wie "mir wurde mehrfach empfohlen" oder "habe aber gehört", dann stelle ich mir die Frage, ob Du schon mal mit einem Experten (=Arzt) drüber gesprochen hast. Das solltest Du nämlich, wenn es um eine so wichtige Frage geht.

Ich bin selbst kein Arzt, aber eins weiß ich sicher: So etwas wie eine "nachträgliche Prophylaxe" gibt es nicht. Du sprichst hier eigentlich über eine Eigenbehandlung auf Verdacht, ohne Symptome zu haben, und wahrscheinlich auch ohne die Krankheit zu haben. Das dreitägige Einnahmeschema ist für die Behandlung der akuten Malaria gedacht. Coartem ist nicht für die Vorbeugung gegen Malaria indiziert (und auch zur Behandlung nur in bestimmten Fällen).

Ein Standby-Mittel ist schon mal nicht schlecht, aber selbst wenn Du Symptome verspürst, solltest Du das nicht einfach so einwerfen. Jeder Arzt wird Dir sagen, dass eine Behandlung ohne Diagnose Blödsinn ist. Wenn Du die Malariamittel nimmst, und in Wirklichkeit Denguefieber hast, dann hast Du hinterher beides: Die (heftigen) Nebenwirkungen der Malariabehandlung und ein unbehandeltes Denguefieber. Ganz großes Kino.

Die erste Priorität muss immer sein, schnell eine gesicherte Diagnose zu bekommen. Also ab in die nächste Klinik! Wenn Du befürchtest, dass Du das nicht schaffst (oder der Klinik nicht traust), nimm einen Malaria-Schnelltest mit. Aber einfach so die Pillen schlucken... ich weiß ja nicht.

LG, Karoshi
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reisende

« Antwort #8 am: 28. Februar 2011, 05:23 »
So, ich muss mich jetzt noch mal zurueckmelden, weil ich das Geruecht "Einmal Malaria - immer Malaria" so nicht stehen lassen konnte.

Zum ersten habe ich mit zahlreichen Afrikanern gesprochen, die schon mal Malaria hatten. Ausnahmslos hatten alle, die in malariafreie Gebiete umgezogen sind, nie wieder Malaria. Die Malaria tropica scheint nicht wiederkehrend zu sein.

Ich habe mit einer Aerztin gesprochen, die in der Forschung arbeitet. Diese sagte mir, dass 5% der Malariavorkommnisse wiederkehrend sind. Man hat also eine 95% Chance, eine "Einmal-Malaria" erwischt zu haben, falls man es bekommt.

"Einmal Malaria - immer Malaria" stimmt also nicht so ganz.

By the way: Ich habe das mit dem Coartem als nachtraegliche Profylaxe sein lassen. Bin jetzt in Indien, wo sich die Aerzte mit Malaria hoffentlich auskennen muessten. Zumindest im Sueden des Landes kommt ebenfalls Malaria tropica vor (und anderes Malaria).

Gruesse von der reisenden

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reisende

« Antwort #9 am: 28. Februar 2011, 05:27 »
Und noch mal an Jens zum Thema Malarone als Standby: Das wird eingesetzt, solange ich keinen Arzt finde, der mir die richtige Medizin gibt. Also z.B. ein oder zwei Tage lang. Dann kommt die richtige Medizin. Habe einen Erfahrungsbericht gelesen, wo Malarone zwar die Symptome beseitigt hat, aber das Malaria dann wieder kam. Das passiert mit Coartem nicht (bei Malaria tropica).
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