Thema: "travel-burn-out" - Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?  (Gelesen 2406 mal)

Lia

Hallo zusammen,

man hört von fast jedem der länger auf reisen war dass man mal an dne punkt kommt wo man einfach ausgebrannt ist, keine lust zum 1000. mal dem neuen bettnachbarn im hostel seine geschichte zu erzählen, wo man auch einfach keine blick mehr hat für den ort an dem man sich gerade befindet und man fürchterlich heimweh hat.

ich wollte fragen wann das ca. bei euch eingesetzt hat und wie lange diese phase angedauert hat.

[ich plane meine reise bewusst nicht ein ganzes jahr, weil ich für mich weiß dass das zu lange wäre ohne meine freunde und familie. (hab schon mal länger im ausland gewohnt und bin nach 9 monaten das erste mal auf heimatbesuch gefahren, das war mir zu lange.) daher plane ich so ca. 6-7 monate.]

lg, lia

lucke99

« Antwort #1 am: 03. Februar 2011, 22:39 »
Also von direkten Erfahrungswerten kann ich nicht mitreden :-)

aber ich lese hier immer wieder man soll auf jeden fall mal ne woche zwischendurch Urlaub vom Urlaub nehmen
Wir haben nun geplant für ein Jahr Reise... einen Urlaub in Thailand/ Indonesien  Cook-Island / Thaiti Zentralamerika... vermutlich San Blas oder so

Gruß

lucke99
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Nausikaa

« Antwort #2 am: 03. Februar 2011, 23:18 »
Hm, das kommt sehr darauf an, wo man ist und mit wem. Wenn Du einen oder mehrere Reisepartner findest, die Freunde für Dich werden, und durch Länder reist, in denen Du Dich wohl fühlst, wird diese Phase bestimmt später einsetzen, als wenn Du alleine bist, Du Dich in den Reiseländern ständig belästigt oder einsam fühlst und dann vielleicht auch noch Weihnachten oder Dein Geburtstag ist. Wenn Du die Landessprache so gut sprichst, dass Du ganze Tage mit Einheimischen verbringen kannst, ohne von der ständigen Verstehensanstrengung müde zu werden, hast Du auch bessere Chancen, als wenn Du Dich wochenlang nur mit Zeichensprache verständigen kannst.

Das ist jedenfalls der Schluss, den ich aus meinen Reise- und Auslandserfahrung ziehe. Eine Woche Ciao-bella-Rom alleine hat mir echt gereicht, und in drei Monaten Rundreise zu und mit Freunden durch Westeuropa hatte ich auch mal nen Punkt, an dem ich gerne mal nen Tag im eigenen Bett und ohne Französisch oder Spanisch verstehen und sprechen zu müssen verbracht hätte. Aber mit der netten Truppe, die ich in Indien gefunden hab, wäre ich gerne länger gereist als nur ein paar Wochen, und in meinem Auslandsjahr hatte ich bloß im Advent ein bisschen Heimweh. Allerdings hatte ich da auch viel Telefonkontakt und ein paar Mal Besuch, was ja auf ner Weltreise wegfällt. Ein Jahr oder mehr ohne Besuch und ganz weit weg wäre für mich auch nicht das Richtige.

Dass Du auf Deine eigene Einschätzung hörst und Deine Reise deswegen entsprechend begrenzt, finde ich gut! Man muss ja nicht unbedingt ein ganzes Jahr am Stück wegfahren, nur weil das der "Weltreisenstandard" zu sein scheint.  ;D Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass es Dir auch leicht fallen wird, rechtzeitig die Bremse anzuziehen und ein bisschen Psychohygiene zu betreiben, weil Du ja jetzt schon wach bist für die Problematik und die Zeichen so vielleicht schneller erkennst und ernster nimmst als manche andere. Karoshi hat ja auch schon ein paar Tipps in seinen Infos zusammengestellt, was man dagegen machen kann. Die werde ich mir auch zu Herzen nehmen! :)
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lillysun

« Antwort #3 am: 18. April 2011, 15:22 »
also ich bin gerade ein halbes jahr auf weltreise und davon liegen noch 4 monate vor mir.

die phase von der du sprichst, habe ich staendig. aber immer nur kurz. manchmal wochenlang gar nicht und dann mal wieder in einer woche mehrere stunden am tag. aber so schnell das kommt, desto schneller vergeht das auch wieder...
ich denke das gehoert dazu  :) ist denk ich nur menschlich, dass man nicht staendig in bester laune alles um sich herum geniessen kann!!

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Niels

« Antwort #4 am: 19. April 2011, 12:03 »
Hey Lia, ich war rund 10 Monate unterwegs und hatte zwischendurch immer wieder mal kurz das Gefühl eine "Pause" zu brauchen. Heimweh hatte ich dabei aber nie.

Ich habe mich bspw. nach rund 4 Monaten für 2-3 Wochen in Cusco einquartiert und viel Fussball-WM im Hostel geschaut und dabei gleichzeitig die Zeit bis zum Sonnenfest überbrückt.
Es ist zwischendurch toll einfach mal 1-3 Wochen an einem Ort zu sein, diesen kennenzulernen und einen fast normalen Alltag zu leben. Das Gefühl regelmäßig zum gleichen Supermarkt, oder Bäcker zu gehen, die gleichen Leute zu sehen (und mal etwas tiefergehende Gespräche zu führen) und mal kein Sightseeing zu machen hatte für mich immer etwas von einer "Normalität" die man sonst vermisst.
Nach einer bst. Zeit hat man dann auch wieder richtig Lust weiterzureisen.

Habe dies später immer mal wieder wiederholt und war bspw. einige Zeit in B.A. und auch in Auckland. Glaube das hat einem echten Burnout vorgebeugt.
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ChrisNoc

« Antwort #5 am: 11. Mai 2011, 23:21 »
Auch wenn sich meine längste Reisezeit auf "nur" 3 Monate beschränkt, muss ich doch auch mal meinen Senf abgeben..  ;)

Würd mich im Wesentlichen Niels anschließen. Ich denke, ganz wichtig ist es immer wieder zwischendurch das Tempo rauszunehmen, und eine Art Alltag zu entwickeln.
So kommst du gar nicht erst in die Burn-Out Situation. 3 Monate Vollgas geben, und dann die Psyche komplett vollgeladen zu haben, sodaß man eigentlich mehrere Wochen Reise-Üause braucht, ist meiner Meinung nach falsch.
1-2 Wochen irgendwo richtig einnisten, eine Routine entwickeln, das normale Leben dort mit den Einheimischen "mitleben" ist genau das Richtige.
Ich hab zB in San Francisco die ersten Tage das übliche Touristen/Reise-Ding gemacht, und danach eigentlich mehr in der Stadt gelebt, als sie zu bereisen.
Eigentlich sollte man sogar eine Ganze (Langzeit-) Reise so gestalten. Den Ort angucken, sightseeing machen, aber dann eben den Ort auch erleben und wirklich einsteigen. Ein Land, eine Stadt, einen Ort muss man wirklich erleben, und nicht nur besichtigen.
Wenn ich von irgendwo weg bin, hab ich immer das Gefühl gehabt, dort eine ganz kurze Zeit gelebt zu haben. Ist zumindest meine Einstellung zum Reisen...  :D
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Martini

« Antwort #6 am: 12. Mai 2011, 02:43 »
Hey
bei mir kam diese Phase nach fünf Monaten. Da brauchte ich erst mal ein bisschen Zeit für mich, habe mir in Santiago de Chile ein Zimmer gemietet und bin da die erste Woche auch fast nicht raus gegangen. Das brauchte ich einfach mal. Danach war es echt total schön, jedesmal beim gleichen Bäcker das Brot zu kaufen und die im Supermarkt kannten mich auch schon, da ich der Einzige war, der keine Plastiktüte wollte :-) Das Wichtige dabei war für mich, dass ich einen "normalen" Alltag hatte und Pause machte vom Sightseeing und den üblichen Tourigesprächen.
Jetzt bin ich seid fast einer Woche wieder unterwegs und ich muss sagen, es macht wieder genau so Spass wie am Anfang.
Ich finde das aber nicht schlimm. Es gehört irgendwie dazu. Von dem her würde ich persönlich meine Reise nie nur deswegen auf eine bestimmte Zeit begrenzen. Lediglich darauf achten, dass man im Falle des Falles so Flexibel ist, dass man solch eine Pause einbauen kann.
Ich hoffe ich konnte dir helfen.
Ps. Heimweh hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. :-)
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lillki

« Antwort #7 am: 12. Mai 2011, 14:22 »
Hi zusammen,

bei mir wars nach 6 Monaten in Japan soweit. Und ich war echt wütend. Dachte: na toll endlich mal wieder ein land, wo du dich ein bisschen besser "bewegen" kannst (essen, trinken, hygiene, etc) und jetzt hast du keine Lust mehr. Nach Indien und SOA war das aber wahrscheinlich auch ein bisschen die Anspannung die weg war.
Ich wollte mal wieder mit Freunden reden, bekannte Gesichter sehen und wie Niels schrieb: Normalität.

Nach 2 Wochen gings dann aber wieder. Dass ich nicht alleine war und meine Mann "das auch alles verstehen" konnte, hat mir denke ich sehr geholfen.

Grüße
lillki
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