Thema: Reaktionen auf die Nationalität?  (Gelesen 7051 mal)

jules

« am: 28. April 2010, 23:19 »
Einfach mal rein aus Interesse - ich habe schon des öfteren die Erfahrung machen müssen, dass man z.B. als Deutsche nicht überall mit Freude empfangen wird. In Amerika z.B. waren viele total begeistert "German? Cooooool", erschreckend viele andere wollten mich dagegen nur über den 2. Weltkrieg ausfragen und mir sagen, wie arrogant wir Deutschen doch sind und dass wir ja nur Kriege führen wollen (bitte was?). In Neuseeland haben viele andere Backpacker (keine Neuseeländer), egal welcher Nationalität, sehr abweisend reagiert, als sie gemerkt haben - "Oh, eine Deutsche". Oftmals haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Wort wechseln können, und ich möchte mal behaupten, das ich nicht unfreundlich zu den Menschen war oder das Bild einer eingebildeten Deutschen vermittle. Manchmal hat lediglich die Tatsache, das ich blonde Haare und blaue Augen habe (und damit für manche "typisch deutsch" aussehe) schon ausgereicht, um irgendwelche seltsamen Kommentare zu ernten. Es kann einem teilweise schon den Spaß an einer Reise nehmen, wenn man sich ständig gegen dieses "Weltbild des seltsamen Deutschen" behaupten muss. Natürlich ist das nicht überall und immer der Fall - trotzdem meine Frage, wie geht ihr damit um, wenn es dann dochmal passiert?  
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bruce

« Antwort #1 am: 28. April 2010, 23:41 »
hallo

ich bin zwar schweizer, werde aber auch regelmässig angefragt ob ich deutscher sei. Diese Frage kommt meistens sehr abschätzig und die Leute werden sehr schnell freundlich wenn ich sie korrigiere und sage dass ich Schweizer bin.

Ich habe mich auch schon gefragt, weshalb gewisse Leute bei gewissen Nationen ein solchen "Gschiss" machen können.
auch das mit dem WWII habe ich schon mehrmals gehört.

Ich denke das beste wird sein, sich möglichst nicht provozieren lassen und eine Diskussion vermeiden.
sollte sich eine Diskussion aber nicht verhindern lassen, ist es am besten darauf hinzuweisen, dass die heutigen jungen überhaupt nichts dafür können.

nicht den spass verlieren

gruess bruce
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rosabcn

« Antwort #2 am: 29. April 2010, 01:32 »
Echt? Da bin ich ja jetzt regelrecht schockiert. Ich bin zwar nicht blond und blauäuig, sondern schön unauffällig (was ich auf Reisen immer mehr als Geschenk ansehe), noch dazu ziemlich klein geraten, so dass ich auch in Asien nur wenige Leute überrage. Aber ich habe noch nie eine negative Reaktion erlebt, auch nicht in Israel, wenn ich gesagt habe, dass ich Deutsche bin.

Oder sollte es daran liegen, das ich zu "schmmerzfrei" bin???
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Jens

« Antwort #3 am: 29. April 2010, 05:54 »
Ich habe n Afrika nie solche Probleme gehabt, das ich mich für den WWII rechtfertigen, oder auch irgendwas erklären musste. Die Leute waren immer nett und liesen mich auch spüren, dass ich nichts für den WWII konnte. Des weitern ist nach der WM 2006 das Bild des Deutschen nochmals gestiegen, da seit dem das Ausland noch eine bessere Meinung von uns.
Aber genau das merken die Amerikaner seit Bush auch, dass sie dumm angesehen werden. Das Bild ändert sich mit Obama natürlich wieder. Ich würde auf solche Diskussionen nicht eingehen, da die auch nichts bringen. Lade sie lieber mal nach Deutschland ein, dann können sie sich selber überzeugen, wie wir sind!
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Stecki

« Antwort #4 am: 29. April 2010, 12:51 »
Also als Schweizer hatten wir nie Probleme, ausser das wir meistens mit Schweden verwechselt wurden oder halt einfach als reich angesehen wurden. Unser Land kennt man sowieso selten, da hilft es oft wenn wir sagen dass es neben Deutschland liegt.

Auch mein Kollege, der als Doppelbürger mit dem Deutschen Pass unterwegs war hatte deswegen nie Probleme. Das Deutsche nicht überall sehr beliebt sein sollen kann ich mir dadurch erklären dass gewisse Regionen (Neuseeland, Ostküste Australien etc.) ganz einfach von Deutschen überlaufen sind. Wir hatten auch ab und zu mal Deutsche Mitreisende, von denen habe ich jetzt auch nie gehört dass sie wegen Ihrer Nationalität angemacht wurden.

Anders schauts bei Israelis aus: In Thailand beispielsweise sind Israelis verhasst wie die Pest. Es gibt viele Resorts die keine Israelis mehr aufnehmen, da sie sich angeblich benehmen wie der letzte Dreck und nicht selten ohne zu bezahlen verschwinden. Das ist nicht meine persönliche Meinung, wir wurden halt nur des öfteren gefragt ob wir Israelis seien und als wir verneinten wurde drauflosgeflucht.

In einem Interrail-Bericht habe ich mal gelesen dass sich viele Amerikaner eine Kanadische Flagge auf den Rucksack nähen, weil Kanadier allgemein beliebter seien als Amerikaner.

Grundsätzlich bleibt zu sagen: Es gibt von jeder Nationalität nette Leute und Arschlöcher.
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karoshi

« Antwort #5 am: 29. April 2010, 14:27 »
Was die Menschen nun mal am schnellsten und leichtesten miteinander verbindet, ist gemeinsam zu lachen und Spaß zu haben. Als Deutscher bekomme ich öfters automatisch eine gewisse Steifheit und Humorlosigkeit unterstellt -- in der Regel von Leuten, die sich mit mir nur in ihrer eigenen Muttersprache (=Englisch) unterhalten können und ihrerseits keineswegs in der Lage wären, feinen deutschen Humor ;) in meiner Sprache zu verstehen, geschweige denn von sich zu geben. Denen ist es auch manchmal einfach zu anstrengend, etwas zweimal sagen zu müssen, weil ich beim ersten Mal eine umgangssprachliche Redewendung oder seltene Vokabel nicht verstanden habe. Dass es für mich auch anstrengend sein könnte, mich den ganzen Tag in einer Fremdsprache zu unterhalten (besonders nach Sonnenuntergang), wird nicht von allen gesehen. Manchmal schalte ich dann demonstrativ auf Deutsch um. ;D

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei den Einheimischen in den meisten Ländern (außerhalb Europas) sehr positiv aufgenommen wird. Das hat zum einen mit gewissen Dingen zu tun, für die Deutschland in der Welt bekannt ist (Fußball, Autos), zum anderen aber auch damit, dass Deutschland seit dem ersten Weltkrieg keine Kolonien mehr hatte und es nach dem zweiten Weltkrieg im Gegensatz zu der einen oder anderen Supermacht lange vermieden hat, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen und z.B. schnell mal eine demokratisch gewählte Regierung in Lateinamerika wegputschen zu lassen, um die eigenen Wirtschaftsinteressen zu schützen. Deutsche sind außerdem dafür bekannt, dass sie nicht sehr hart feilschen und Geld zum Ausgeben haben, sie sind also gern gesehene Kunden.

LG, Karoshi
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der_dicke82

« Antwort #6 am: 29. April 2010, 15:13 »
Hey ihr,

Deutschland wurde doch vor kurzem erst zum dritten mal in Folge zum beliebtesten Land gewählt, höchstpunkte gab es aus Frankreich und Süd Korea :-) Also meine Erfahrungen sind auch ähnlich, wirklich unfreundlich war zu mir bislang niemand. Gerade in Nordafrika und im nahen Osten sind Deutsche eigentlich sogar sehr sehr beliebt, dort galten die Deutschen im WW2 ja auch als "Befreier"

Geschichtlich bedingte Fragen gab es zwar auch ab und zu, brachten mich aber meistens zum Lachen *gg* Beim Ersatzteile bestellen wurde ich gleich mal gefrag ob ich aus West- oder Ostdeutschland komme. "Hmm? West." "Ah a good one." ich musste gut lachen, aber vielleicht fällt auch bald der Eisernevorhang in Neuseeland*gg*

Also nochmal, ich habe wirklich keine schlechte Erfahrungen gemacht als Deutscher, eigentlich immer eher im Gegenteil.

Gruß, Stefan
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Stecki

« Antwort #7 am: 29. April 2010, 15:48 »
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei den Einheimischen in den meisten Ländern (außerhalb Europas) sehr positiv aufgenommen wird. Das hat zum einen mit gewissen Dingen zu tun, für die Deutschland in der Welt bekannt ist (Fußball, Autos)...

Das äussert sich unter anderem darin dass ein Vietnamesischer Vermieter einem aus dem Schlaf reisst, in die Küche schleppt und auf einen Fernseher deutet in dem ein Fussballspiel zwischen einer Englischen und einer Bulgarischen Mannschaft läuft und dazu laut schreit: "Jormany football, Jormany, football..."  ;D
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farmerjohn1

« Antwort #8 am: 29. April 2010, 20:14 »
Ja, gelegendlich habe ich solche Erfahrungen auch gemacht. Es gibt ausserhab Deutschlands und in Abhaengigkeit von dem Land, das man bereist, tief sitzende und vielleicht nicht in jeder Hinsicht ganz von der Hand zu weisende Vorurteile gegenueber Deutschen, die - egal ob als Montageteams, Manager, Lehrer, Entwicklungshelfer oder Touristen - auffallen, weil sie im Vergleich zur lokalen Bevoelkerung streng, genau und 'pushy' wirken, oft auch dogmatisch, selbst bei Freizeitaktivitaeten. Ich glaube, dass man damit leben kann, ist ja auch weiter nicht schlimm. In warmen Laendern mit viel Landwirtschaft versuche ich den Leuten dann immer klarzumachen, dass es in Deutschland so wenig Bodenschaetze gibt und so schlechtes Wetter herrscht, dass man maximal eine, und nicht zwei oder drei Ernten im Jahr hat, und dass man deshalb ohne Industrie mit rigoroser Zeit- und Arbeitsplanung bitter arm waere, nichts zu essen haette und im Winter erfrieren wuerde.

Uebel und fuer die Nachgeborenen ungerecht wird das ganze erst durch 'Adolf Nazi' und dessen Praesenz in vielen Fernsehsendern der Welt, wo Deutschland oft auf diese Katastrophe reduziert wird. Daran kann man als Einzelner - ausser sich anstaendig zu benehmen und in Gespraechen mehr ueber die weit laengeren und zivilisierteren Abschnitte deutscher Geschichte zu  erzaehlen - wenig oder nichts aendern, das muss man also ertragen. Vielleicht koennte kluge deutsche Aussenpolitik da helfen.

Zum Trost: andere haben auch mit Klischees zu kaempfen.      


  
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Skraal

« Antwort #9 am: 30. April 2010, 08:40 »
Die negativſte Erfahrung als Deutſcher, die ich je gemacht habe, war, daß eine Engländerin meinte, daß mein Dalek-T-Shirt zu mir als Deutſchem paſſe, das war's aber auch ſchon.

Anſonſten waren die Reaktionen eher ſchon zu poſitiv, denn wie der_dicke82 ſchon ſchrieb, hat das Tauſendjährige Reich gegen die Kolonialmächte gekämpft, und damit eine ziemlich poſitive Rolle in vielen Ländern (Marokko, Ägypten, Indien).
Zumindeſt ſieht das die „einfache Landbevölkerung“ ſo, die von Hitler ſo viel weiß, wie der Durchſchnittsdeutſche über Bose. Letzterer war ſogar mit Hilter verbündet und hat die indiſche Legion mitgegründet.

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Jens

« Antwort #10 am: 30. April 2010, 12:25 »
Vielleicht koennte kluge deutsche Aussenpolitik da helfen.
Na wenn ich da unsere Politiker sehe........ und gerade unseren Außenminister ::) ::) oder besser  :'(
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Angel

« Antwort #11 am: 30. April 2010, 19:44 »
ich muss sagen als Österreicherin hatte ich doch auch einige Vorurteile über Deutsche.
Aber gerade unterwegs waren es immer sehr nette Begegnungen, die das alles aufgehoben haben.
Außerdem ist mein Freund ein Bayer, das gehört auch irgendwie zu Deutschland dazu  ;)

Als Österreicher wird man nur ständig mit Australier verwechselt, ich weiß nicht wie oft ich in Südamerika die Leute korrigiert habe  :)
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jules

« Antwort #12 am: 03. Mai 2010, 10:01 »

Geschichtlich bedingte Fragen gab es zwar auch ab und zu, brachten mich aber meistens zum Lachen *gg* Beim Ersatzteile bestellen wurde ich gleich mal gefrag ob ich aus West- oder Ostdeutschland komme. "Hmm? West." "Ah a good one." ich musste gut lachen, aber vielleicht fällt auch bald der Eisernevorhang in Neuseeland*gg*



oh..zum Lachen gab's auch einiges - meine Lieblingsfragen aus Amerika sind immer noch ob es bei uns Spülmaschinen gibt (gestellt von einer stolzen Besitzerin einer Bauknecht) und ob wir immer fließend Wasser haben. Das sind dann wieder lustige Erfahrungen..stimmt schon...
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tinibini

« Antwort #13 am: 03. Mai 2010, 15:15 »
oh..zum Lachen gab's auch einiges - meine Lieblingsfragen aus Amerika sind immer noch ob es bei uns Spülmaschinen gibt (gestellt von einer stolzen Besitzerin einer Bauknecht) und ob wir immer fließend Wasser haben. Das sind dann wieder lustige Erfahrungen..stimmt schon...

Oh ja, oder wenn Dir ein Amerikaner erzählt, dass bei ihm zu Haus im Supermarkt die Türen ELEKTRISCH öffnen!  ;D

Aber im Ernst, wir sind doch alle quasi Botschafter für unser Land und beeinflussen beim Reisen, wie man die Deutschen im Ausland sieht. Ich habe schon oft gehört, dass Leute denken wir Deutschen seien humorlos und "cold", aber dass ich ja dem Klischee gar nicht entspräche.
Wobei ich "humorlos und cold" jetzt auch nicht sooo negativ finde - für ´nen Nazi hat mich jedenfalls noch niemand gehalten!! Im Gegenteil; in Israel haben sich meine Gastgeber schon fast darüber lustig gemacht, dass so viele Deutsche in ihr Land kommen um dort Freiwilligenarbeit zu leisten. "Die denken wohl, sie müssten etwas wieder gut machen". DIE sahen das jedenfalls nicht so.

Klar haben die Deutschen sich im letzten Jahrhundert nicht sonderlich beliebt gemacht in der Welt - aber wir sind jetzt eben die Generation, die losziehen und ein neues, positives Bild verbreiten kann. (Nächste Chance auf jeden Fall bei der WM. Da können unsere Landsleute mal zeigen, dass wir nicht nur gute Gastgeber sind, sondern auch gute Gäste. Na,  hoffentlich geht das gut!  ;) )
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lillki

« Antwort #14 am: 13. Mai 2010, 13:09 »
Hallo zusammen,

das einzige Mal, dass ich schlucken musste war in Indien.... da passte das Photo von Skraal ganz gut "Ahh you're german, you're friends with Hitler"

In SOA nur positive Reaktionen, grade in Kambodscha oder auch Vietnam wurde gesagt: ihr habt ja auch so etwas Schreckliches im Krieg erlebt. Wer Opfer und wer Taeter war, war dann egal.

Ehrlich gesagt ist es manchmal am schlimmsten mit seltsamen Deutschen, die darauf bestehen aus Gruenden der Internationaelitaet mit mir Englisch zu reden. Wenn man sich zu zweit unterhaelt, ohne dass jemand, der kein Englisch kann, daneben steht und sich komisch fuehlt, sehe ich naemlich keinen Grund fuer den Gebrauch der englischer Sprache.  ???
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