Thema: DW-TV | Von Feuerland nach Tijuana  (Gelesen 770 mal)

Jens

« am: 05. April 2010, 14:17 »
Hallo Zusammen,

da ich ein Fan der Deutschen Welle bin habe ich gerade ein tolles Spezial zu Südamerika dort gefunden. Es sind jeweils kleine Berichte, die von Feuerland bis Tijuana gehen. Ich habe mir schon ein paar angesehen und fide sie super.

Viel Spaß!  ;)
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farmerjohn1

« Antwort #1 am: 05. April 2010, 16:56 »
Habe den Link mal aufgerufen und kurz ein paar Artikel und Blogs ueberflogen. Da muss man etwas  differenzieren,  was es nun sein soll:  eine allgemein gehaltene  Informationsreihe mit interessanten Anregungen? Ok, dann ist es gut - wie eben eine Zusammenfassung von Reisefuehrern, angereichert mit ein paar Videos, eben gut ist. 
 
Ich finde es aber insgesamt als redliche Berichterstattung nicht gelungen, dafuer gehen die Verantwortlichen viel zu sehr auf die Suche nach Bestaetigungen fuer ihre (moeglicherweise 'politisch korrekten') Vorurteile und machen sich dann auch noch auf schnodderige Weise ueber sich selbst lustig, das soll wohl witzig und zeitgemaess sein.

Ich meine z.B. die zahlreichen Fokussierungen auf den Standkunkt der 'Opfer-Indios' seien ziemliche Sackgassen. Die meisten Menschen in Lateinamerika sind ja doch  eine - verschieden stark graduierte - Mischung aus Indios und Europaern bzw. Afrikanern, kulturell und genetisch. Die indianische Lebenseinstellung ist ziemlich naturverbunden. Geschaffen in einer und fuer eine Welt ohne Industrie, mit einer allbeherrschenden, ueppigen Natur, unbegrenzt Platz und ganz wenig Menschen.

Das Problem der Armut kommt manchmal auch davon, dass Kleinbauern wilkuerlich vertrieben, bedroht, gedemuetigt und betrogen werden. Mehrheitlich aber nicht. Sondern die meisten von denen, die seit 20 Jahren nichts anderes tun als taeglich Landarbeit zu verrichten, sind nicht in der Lage, einzuschaetzen, ob sie fuer das Maehen von 2000 Quadratmeter Gras mit Freischneider zwei oder acht Tage brauchen, ob sie 50 oder 300 Loecher am Tag graben koennen, ob ein Pflanzenschaedling eine Milbe oder ein Pilz ist. Sie sehen nicht ein, dass es einen Unterschied (fuer ihren eigenen Geldbeutel) macht, mit wieviel Aufwand ein Ziel erreicht wird, und ob Fehler durch einfaches Nachpruefen (Internetcafes gibt's zu Hauf), Nachdenken und ein paar Tropfen Alkohol weniger vermeidbar sind. Ob man wegen eines Vulkanausbruchs oder Krieg ins Elend gestuerzt wird, oder weil man seine Rinderfarm versoffen, verhurt und im Suff das Haus angesteckt hat, oder die ernte bei auf den ersten Bick dubiosen Geldanlagen verzockt hat - da sehen die meisten keinen moralischen Unterschied. Alles ist gleichermassen unabwendbares Schicksal.

Um das ein wenig anders zu gestalten, muss man sich einfach ein bisschen Muehe geben, man muss kein promovierter Agrarwissenschaftler, BWLer oder Philosoph sein, kein seltenes Genie und auch kein Kroesus. DAS ist die Haupt-Ursache fuer viele Probleme Lateinamerikas, sehr viel mehr als irgendwelche laengst verblichenen Spanier,  entrechtete oder bestens emanzipierte Volksgruppen, aggierende Politiker oder soziale Verhaeltnisse.
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