Thema: Unfallversicherung nötig?  (Gelesen 5926 mal)

tosh

« am: 11. Februar 2010, 09:48 »
Hallo,

ich frage mich ob eine Unfallversicherung extra für die Reise notwendig ist?

Meines Wissens bringt die Unfallversicherung eine finanzielle Absicherung im Falle einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit als Unfallfolge (Invalidität).
Dass ich mal krank werden kann, sehe ich ein. Den Invaliditätsfall sehe ich eher als unwahrscheinlich an. Deswegen habe ich auch in Deutschland keine Unfallversicherung. (Aber Haftpflicht)
Jetzt birgt eine Reise aber natürlich mehr Gefahren. (Sonderaktivitäten, andere Verkehrssituation, etc)

Im Reisebüro wurde mir gesagt, dass sie noch nie gehört hat, das jemand eine Unfallversicherung für eine Urlaubsreise abgeschlossen hat. Nur eine Auslands-Krankenversicherung.
Auf Weltreise-Info.de steht die Unfallversicherung aber unter notwendigen Versicherungen.

Ich bin diesbezüglich jetzt etwas verunsichert. (schönes Wort an der Stelle :) )

Ich werde 6 Monate in SOA unterwegs sein und wollte lediglich die Auslandskrankenversicherung der HanseMerkur abschließen.

Danke für eine Antwort


Grüße
 Tosh




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TravelBugs

« Antwort #1 am: 11. Februar 2010, 20:44 »
Hi!

Bei der Unfallversicherung ist es so wie mit jeder anderen Versicherung: Wie viel ist einem die Absicherung einer evtl. drohenden Gefahr (hier Unfallereigniss mit dauernden Beeinträchtigung) selbst wert?! Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Dass die Unfallverischerung alls notwendig betrachtet wird ist meiner Meinung nach vollkommen richtig - und das nicht nur auf Reise! Wenn man sich überlegt, welche Kosten auf einen zukommen könnten, wenn man z.B. durch einen Unfall im Rollstuhl sitzt, dann kommen da schnell mal einige tausende wenn nicht sogar eher mehrere zehntausende Euronen zusammen.
Klar, nicht jeder (zum Glück) kommt in eine solche Lage, aber was wenn doch????
Aber wie gesagt, dass muss jeder für sich selbst entscheiden.

Beim Abschluss einer Unfallversicherung sollte beachtet werden, dass man Wert auf die Höhe der Invaliditäts-Summe legt - die anderen zusätlich abgedeckten Posten (Unfall-Todessumme, Krankenhaustagegeld, Genesungsgeld...) kann man ruhig so niedrig wie möglich ansetzen, diese Zusätze treiben den Beitrag nur unnötig in die Höhe.

Also entscheide für dich, wie du dich ab- besser gesagt VERsichern willst.
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Jens

« Antwort #2 am: 11. Februar 2010, 20:51 »
Mit dem Thema habe ich mich noch nicht beschäftigt. hat jemand zwei, drei Versicherung, die ein gutes Angebot haben???
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TravelBugs

« Antwort #3 am: 11. Februar 2010, 20:59 »
Ich glaube ein gutes Angebot zu finden, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen.

Es gibt soooo viele Anbieter und jeder Anbieter hat natürlich mehrere unterschiedliche Tarife und dann kommts immer noch darauf an welche Summen gewünscht sind und welche Zusätze man versichert haben will ..... Allein diese Vielfalt macht es ziemlich schwer Angebote miteinander zu vergleichen und sagen zu können, das eine ist besser als das andere.
Da ist der Vergleich der KFZ-Versicherung schon einfacher ;)

Wenn jemand weiß wie man diese NADEL schneller finden kann, wäre ich auch dankbar!
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Soxa

« Antwort #4 am: 11. Februar 2010, 21:24 »
Ich hab vor einigen Wochen auch eine Unfallversicherung abgeschlossen und es gibt wirklich zig verschiedene Anbieter und noch mehr unterschiedliche Konditionen. Ich hab mir dann den Test bei Stiftung Warentest dazu genommen und kann das nur empfehlen, um ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen. So kann man zumindestens einige Anbieter gleich ausschließen und sich dann die Test"besten" näher anschauen.
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TravelBugs

« Antwort #5 am: 11. Februar 2010, 21:43 »
Hi Soxa!

Wer waren denn dei Test'besten'????
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Soxa

« Antwort #6 am: 11. Februar 2010, 22:10 »
Asstel und NV, NV mit verschiedenen Tarifen. Googel mal nach "Unfallversicherung Test" dann kommt direkt die test.de Seite.
Der Test ist zwar leider schon aus 2005, aber die grundlegenden Unterschiede werden wie ich finde super erklärt und ich hab mich dann letzendlich für einen Tarif der NV entschieden. Im Test gibt es auch Checklisten, Ergebnistabellen usw.
Hoffe, damit konnte ich nen bisschen weiterhelfen.
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tanileha

« Antwort #7 am: 14. Februar 2010, 01:30 »
Also ich persönlich hatte und habe IMMER eine Unfallversicherung, würde nie OHNE leben wollen. Dies aber eventuell auch nur, weil wir Schweizer so erzogen sind und uns sowieso alles versichern lassen was nur möglich ist :P

Aber ich würde wie gesagt NIE ohne aus dem Hause gehen, wie schon besprochen, es kann einem immer etwas mehr passieren und wenn ich dann nicht versichert bin und im Rollstuhl lande, tja, dann habe ich echt ein Problem. Und von wegen mehreren Tausend Euro, spricht besser mal von mehreren Hundertausend Euro! Schon alleine die Rehabilitation kostet ein Vermögen, welches niemand hat...ich z.B. bin beim Paraplegikerzentrum Nottwil (CH) Mitglied und wenn es mich treffen würde habe ich sofortige Hilfe in der Höhe von Fr. 200'000.00!!!! Das ist aber nur ein Bruchteil was die Rehabilitation und das Leben danach kostet...Überleg dir das mal...du läufst in Südostasien über die sehr enge und dicht besiedelte Strasse und dann überfährt dich ein Auto...wie schnell ist das passiert?

Ich will euch keine Angst einjagen aber ohne Unfallversicherung zu leben käme für mich wirklich nie in den Sinn...so das wärs, jetzt hab ich's ein paar Mal gesagt...

Viel Spass beim abklären...frag doch mal in die Runde bei deinen Freunden und Verwandten, was die dazu sagen.
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Der Bommel

« Antwort #8 am: 14. Februar 2010, 12:26 »
Es ist natürlich schwierig, die Versicherungen auszusuchen, die man für wirklich „notwendig“ hält. Wenn man nach der Meinung der meisten Versicherungsmakler geht, muss man nahezu jede Versicherung haben und kann wahrscheinlich nichts mehr für die Reise sparen ;-)  Die Vergleichbarkeit ist gerade bei Versicherungen, bei denen sich die Versicherungsleistungen in so vielen Bereichen unterscheiden können (Höhe der Rente bei Invaliditätsstufe ab z.B. 50%; Gliedertaxe, d.h. welche Einmalzahlung erhalte ich für einen verlorenen Daumen oder ein Fuß; Progressionsstufen, d.h. ab welcher Invaliditätsstufe bekommt man Aufschläge auf die Einmalzahlung der Versicherung usw. usw.) Vergleichbarkeit ist für den Normalverbraucher einfach nicht gegeben (es sei denn man will sich wochenlang nur mit Unfallversicherungen beschäftigen), man muss sich mehr oder weniger auf Testberichte oder (noch kritischer) auf Versicherungsberater verlassen.

Wie viel Sicherheit man haben will, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Wenn du dich ohne Unfallversicherung aber unwohl fühlst, weil man im Fall der Fälle, bei Invalidität, finanziell eben doch sehr schlecht dastehen könnte, würde ich diese Versicherung evtl. schon abschließen. Unfallversicherungen bekommt man schon relativ „günstig“, wenn man die Versicherungssumme nicht allzu hoch schraubt (z.B. nicht vergleichbar mit der relativ teuren Berufsunfähigkeitsversicherung).

Im Fall einer Weltreise würde ich (ganz persönlich) definitiv eine private Unfallversicherung abschließen, da man aus der gesetzlichen Versicherung meines Wissens KEINE Leistungen erhält (siehe http://www.dguv.de/inhalt/leistungen/verspers/index.jsp). Wenn du also in Südostasien aufgrund eines Unfalls gelähmt bist oder sonst was, fällst du erstmal in ALG I und anschließend Hartz IV (wenn du deine Arbeit nicht mehr ausüben kannst). Das Risiko hierfür wäre mir persönlich zu hoch.
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karoshi

« Antwort #9 am: 14. Februar 2010, 13:20 »
Im Fall einer Weltreise würde ich (ganz persönlich) definitiv eine private Unfallversicherung abschließen, da man aus der gesetzlichen Versicherung meines Wissens KEINE Leistungen erhält (siehe http://www.dguv.de/inhalt/leistungen/verspers/index.jsp). Wenn du also in Südostasien aufgrund eines Unfalls gelähmt bist oder sonst was, fällst du erstmal in ALG I und anschließend Hartz IV (wenn du deine Arbeit nicht mehr ausüben kannst). Das Risiko hierfür wäre mir persönlich zu hoch.
Stimmt, die gesetzliche Unfallversicherung gilt nur für Arbeitsunfälle, nicht für den Freizeitbereich. Für eine Weltreise also definitiv nicht.

Es ist aber nicht richtig, dass man auf ALG I und dann Hartz IV zurückfällt, wenn man z.B. wegen einer Lähmung arbeitsunfähig ist. Man bekommt weder das eine noch das andere, sondern Sozialhilfe. Natürlich erst dann, wenn das eigene Vermögen bis auf das Schonvermögen aufgebraucht ist, was allerdings bei einer Invalidität extrem schnell gehen kann.

LG, Karoshi
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Der Bommel

« Antwort #10 am: 14. Februar 2010, 13:48 »
Oh ja, da habe ich mich vertan... Ich habe einen Bekannten, dem in seiner Freizeit ein (nicht haftpflichtversichertes) Pferd ins Auto gelaufen ist, woraufhin er gelähmt war. Er bezieht jetzt Sozialhilfe. Die Höhe der Leistung kenne ich nicht, es ist aber auf jeden Fall ein sehr sehr bescheidenes Einkommen.
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karoshi

« Antwort #11 am: 14. Februar 2010, 14:27 »
Das tut mir sehr leid für Deinen Bekannten, da ist er ja gleich doppelt gestraft.

Auch wenn es off topic ist, möchte ich darauf hinweisen, dass es bei den meisten Anbietern möglich ist, im Rahmen der eigenen Haftpflichtversicherung die Option der Forderungsausfallversicherung abzuschließen (gilt leider nicht im Ausland), das kostet nur ein paar Euro pro Jahr mehr und schützt genau gegen solche Fälle (nicht versicherter Schadensverursacher). Ist übrigens gar nicht so selten, wie man denkt. Ich hatte so etwas selbst auch schon bei einem schweren Fahrradunfall, zum Glück ohne bleibende Schäden.

LG, Karoshi
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tosh

« Antwort #12 am: 14. Februar 2010, 15:06 »
Danke für eure Antworten.
Ich habe mich auch nochmal bei Bekannten um gehört. Die meisten haben keine Unfallversicherung. Und diejenigen, die eine haben, sagen, man muss auf jeden Fall eine haben.
Sieht so aus als muss es wirklich jeder für sich selber entscheiden.
Ich denke mittlerweile auch, dass es Sinn macht. Vor allem wenn ich jetzt in unbekannten Gebieten unterwegs bin, da kann ja schneller mal was passieren. Werde mir also vor Abreise noch eine zulegen.

OffTopic:
Interessant wie sehr man sich schon bei der Reiseplanung verändert bzw. entwickelt. Mit dem Thema Versicherungen hätte ich mich bestimmt erst in ein paar Jahren näher beschäftigt...


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Angel

« Antwort #13 am: 16. Februar 2010, 12:44 »
blöde Frage
die private  Unfallversicherung ist somit für den Fall, dass ich auf der Reise einen Unfall habe oder schwer erkranke - der Rücktransport wird natürlich über die Reiseversicherung abgedeckt, aber die Kosten hier in AT/DE werden dann von der Unfallvers. übernommen?
stimmt das so?


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karoshi

« Antwort #14 am: 16. Februar 2010, 13:32 »
Die Kosten der ärztlichen Behandlung übernimmt in jedem Fall die Krankenkasse. Aber daneben fallen bei Invalidität in der Regel hohe Folgekosten an, die von der KK nicht übernommen werden. Beispiel: den Rollstuhl zahlt die Krankenkasse, aber den rollstuhlgerechten Umbau des Hauses nicht.

LG, Karoshi
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