Thema: Mit dem Fahrrad von München nach Singapur  (Gelesen 1722 mal)

What-a-Trip

« am: 21. Dezember 2009, 16:56 »
Die meisten haben mich für verrückt erklärt, als ich von meinen Plänen erzählt habe, dass ich alleine und auf dem Fahrrad von München nach Singapur fahren will. Und nicht nur das, ich wollte auch noch einen Dokumentarfilm über meine Reise drehen. Spätestens an diesem Punkt hat mir jeder gesagt, dass so etwas nicht möglich sei.

Ich wollte es trotzdem versuchen. Ich nahm mir neun Monate Zeit für die Vorbereitung. Ich habe mich um Sponsoren gekümmert, viel mit Kameramännern und Filmemachern gesprochen, wie man solch eine Dokumentation realisieren kann und bin am 2. Mai 2008 dann endlich losgefahren. Los ging es im Münchener Hofgarten. Ich hatte für die Reise nicht trainiert und so waren die ersten Tage, in denen mich meine Freundin Marion und Hund Alfie begleiteten, sehr anstrengend und mühselig. Wir schafften im Durchschnitt knapp 35km pro Tag. Nach zwei Wochen kehrten Marion und Alfie zurück nach München und ich war alleine unterwegs. Da war ich bereits in der Tschechischen Republik. Von dort aus ging es weiter nach Polen und dann in die Ukraine.

Die Ukraine war das erste Land außerhalb der EU und die Anspannung dementsprechend groß. Gerade in den ersten Tagen hatte ich sehr mit der Einsamkeit und dem Kulturschock zu kämpfen. Doch das änderte sich bald, genauso wie meine Kondition. Nach über einen Monat schaffte ich es das erste Mal über 100 km zu fahren.
Ich verbrachte einen Monat in der Ukraine und reiste am 1. Juli nach Russland ein. Ich hatte nur ein 30 Tagevisum bekommen und musste in diesen 30 Tagen knapp 2500km zurück legen. Mit dem gemütlichen fahren war es erst mal vorbei. Jeden Tag musste ich meine 100 km schaffen.

Nebenbei musste ich natürlich auch immer an meine Dokumentation denken und Filmmaterial sammeln. Da ich kein begleitendes Kamerateam dabei hatte, musste ich alle Aufnahmen selbst durchführen. Ich kam also an einer landschaftlich schönen Stelle vorbei, musste anhalten, die Kamera aufbauen, zurück zu meinem Fahrrad laufen, durchs Bild fahren, wieder anhalten die Kamera einpacken und wieder weiterfahren. Das ganze dann so drei, vier Mal pro Tag. Auch musste ich die Leute filmen, denen ich so begegnet bin und natürlich mich selbst und dabei erzählen wie es mir so geht. Mit der Zeit wurde die Kamera zu einer Art gutem Freund, dem ich jedem Abend von meinen schönen Momenten des Tages, aber auch meinen Sorgen erzählte.

Nach der anstrengenden Überquerung des Ural Gebirges hatte ich es geschafft und erreichte am letzten Tag meines Visums die Grenze zu Kasachstan, dem nächsten Land meiner Reise.
In Kasachstan nahm die Bevölkerungsdichte immer weiter ab und schon bald fand ich mich in der Steppe wieder. Es gab keine Bäume mehr und das Land war bretteben. Nur der Wind war immer da, es gab ja auch nichts das ihn hätte stoppen können. Wenn der Wind von hinten kam, flog ich mit knapp 35km/h durch die Steppe. Wenn er von der Seite kam musste ich aufpassen nicht von der Strasse geweht zu werden und bei Gegenwind war ich mit laufen genauso schnell wie beim fahren.
Es war mittlerweile August und die Temperaturen klettern auf über 42 Grad jeden Tag. Oftmals waren es über 100 km bis zum nächsten Haus an dem ich mein Wasser auffüllen konnte. Ich musste also neben rund 40kg Gepäck auch noch 10 Liter Wasser mit mir transportieren.

Nach 92 Tage erreichte ich Astana, die Hauptstadt Kasachstans. Hier wollte ich mein Chinavisum beantragen. In China liefen gerade die Olympischen Spiele und daher wollten die wohl keinen Radfahrer mit Videokamera quer durch ihr Land fahren sehen und haben mir kurzerhand kein Visum gegeben. Rückblickend war das mit Sicherheit der Tiefpunkt meiner Reise.
Ich wollte aber trotzdem weiter nach Singapur und kaufte mir ein Flugticket von Almaty nach Bangkok. Es lagen noch mal anstrengende 1200 km durch die Wüste vor mir, für die ich wieder nur 11 Tage Zeit hatte. Aber ich erreichte Almaty rechtzeitig und flog über China hinweg nach Thailand.

Ich tauschte die trocken heiße Wüstenluft, gegen die feucht heiße Tropenluft ein. Es herrschte immer noch der Monsun in Süd-Ost-Asien und so waren heftige Regenschauer an der Tagesordnung. Trotzdem war das Radfahren nun wieder wesentlich einfacher. Es gab alle paar Kilometer einen Essenstand an der Straße, wo ich für wenige Cent eine warme Malzeit bekam. Auch im Zelt habe ich nicht mehr übernachtet, da Hotelzimmer nur wenige Euros kosten. Da China ausgefallen ist, machte ich noch einen Abstecher nach Kambodscha. Besuchte die Hauptstadt Siam Reap und die berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat, bevor es wieder zurück nach Thailand ging. Immer der Küste entlang ging es weiter Richtung Süden. Ich fuhr noch für einen Monat durch Malaysia, bevor ich nach 211 Tagen und
13500 km mein persönliches Ende der Welt, Singapur, erreichte.

Ich kehrte im Dezember zurück nach München und machte mich an die Arbeit meinen Film zu schneiden. Ich hatte 65 Stunden Rohmaterial gesammelt und das dauert noch mal fast sieben Monate bis der Film fertig war.
Am 09. Juli hatte mein Film „What a Trip – mit 15km/h bis ans Ende der Welt“ dann in einem Münchener Kino vor 200 Zuschauern Premiere. Was niemand für möglich gehalten hatte, war geschafft.

Mehr Infos über meine Reise gibt es auf meiner HP (www.what-a-trip.de)

tanileha

« Antwort #1 am: 22. Dezember 2009, 04:20 »
Cool, mega cool :-) Wenn ich nicht in Kanada wäre würde ich die DVD kaufen...bringt mir aber im Moment nichts :-) Viel Spass weiterhin... :)

steelydan

« Antwort #2 am: 22. Dezember 2009, 09:21 »
Eine echte Mammut-Tour, sicherlich eine ausgesprochen beachtliche körperliche Leistung – aber was soll das? Hast Du von den Ländern, durch die Du gestrampelt bist, überhaupt irgendetwas mitbekommen? Oder wolltest Du nur Dir selbst und noch viel mehr allen anderen beweisen, dass Du es schaffst? Im Endeffekt unterscheidet sich diese Art zu reisen nicht großartig von einer straff organisierten Pauschalreise. Wenn ich mich durch eine monotone Knochenmühle schinden will, kann ich das auch zu Hause tun!

SD

Tom

« Antwort #3 am: 22. Dezember 2009, 09:55 »
Bin schonmal auf deine Website gestoßen, hab auch den Trailer zum Film schon gesehen ;D
Mich persönlich hätte es mehr gereizt den Weg durch die Türkei und den Iran zu nehmen.
Tom.