Thema: Tipps zu den europäischen Zwergstaaten (Andorra, Monaco, San Marino, etc.)  (Gelesen 4478 mal)

GschamsterDiener

Kurzer Andorra-Bericht:

Mit dem Mietwagen bin ich am Freitag Nachmittag zunächst mal in die Nähe des Klosters Montserrat bei Barcelona gefahren. Es war verlängertes Wochenende, halb Spanien auf Achse, schwierig was Gutes und Günstiges zum Übernachten zu finden. Ich kam dann bei einer Katzenlady im Nirgendwo unter. Am nächsten morgen Fahrt zum Kloster, das ich noch rechtzeitig vor dem Hauptansturm von Gleichgesinnten erreiche. Insgesamt ein sehr schönes Zusammenspiel von Natur und Architektur, dazu gibt es mehrere Wanderwege mit zusätzlichen Ausblicken. Bin dann von dort 200km in den Norden bis kurz vor die Grenze nach Andorra gefahren. Wegen des verlängerten WEs habe ich nur eine Übernachtungsmöglichkeit in Spanien gefunden, die dafür in fast jeglicher Hinsicht herausragend war. Weniger super war, dass ich in dieses enge Minidorf unbedingt hineinfahren musste, um dann mühsamst und nicht ohne Kratzer im Rückwärtsgang bergauf herauszufahren, wobei ich die Kupplung geschliffen habe, bis weißer Rauch aufstieg. Der Wagen war dann in Folge sehr schwachbrüstig unterwegs. ;) Am nächsten Tag dann ein rascher Hüpfer nach Andorra. Gebirgig: Ja. Aber auch stark urbanisiert. Man fährt quasi die halbe Zeit durch uniforme, wiewohl nicht ganz unhübsche, letztlich aber doch nur zweckmäßige Touristendörfer. Bin dann in Richtung Frankreich gefahren, eine landschaftlich schöne Strecke (sanfte, grüne Hügel) - und dann wieder zurück, wobei sich die Rückfahrt aufgrund von Staus deutlich verzögert hat.

Wichtig bei Andorra ist: Darauf achten, wie man fährt, denn manche Strecken kosten einiges. Auf dem Weg nach Frankreich gilt es einen Pass zu überqueren, es gibt aber auch einen teuren Tunnel, in den ich mich natürlich (danke, Navi) mal reinmanövriert habe. Auf der anderen Seite befindet sich ein absurdes Duty Free-Dorf und die französische Grenze. Zurück ging es über den schönen und kostenlosen Pass. Von Andorra zurück nach Barcelona gibt es auch mehrere Fahrmöglichkeiten inklusive 11 EUR teurem Tunnel, den habe ich natürlich auch gleich mitgenommen. Günstiger ist es in diesem Fall über Manresa zu fahren. Andorra war jetzt auch nur Husch-Pfusch, insofern kann ich hier kein Urteil fällen, bin aber auch nicht wirklich motiviert, mich hier zu vertiefen.

Nächstes Ziel könnte Luxemburg werden, vielleicht aber auch nicht. 
1

Stecki

Zu Monaco: Als Alternative kann man auch das Tagesticket am Flughafen in Nizza lösen, das kostet nicht viel mehr als 6 Euro. Damit kann man den Bus vom Flughafen in die City (nicht den Expressbus) und mit dem Bus bis zur letzte Haltestelle vor der Grenze zu Monaco fahren. Die befindet sich nahe des Stadions von Monaco. Die Erfahrungen beruhen sich allerdings auf 2012.
0

Kama aina

Und haste mittlerweile noch paar Zwergenstaaten abgegrast? :-)
0

GschamsterDiener

Leider berufsbedingt total im Stress, wodurch die Wochenenden fürs Arbeiten zweckentfremdet werden. Mit Andorra habe ich mein 80. Land besucht, da ist dann die Motivation auf abgefuckte Wochenendabhetze etwas abgesunken. Luxemburg und San Marino böten sich als nächste Destinationen an, wobei ich Luxemburg mit etwas Bauernschläue mit einer Dienstreise kombinieren könnte. Mein Boss kaut mir ja eh das Ohr ab, dass ich noch so viel Urlaub wegkonsumieren muss, im gleichen Atemzug schaufelt er mir aber mein Grab mit noch mehr Arbeit, wodurch sich leider nur für mich ein gewisses paradoxes Momentum offenbart.
2

GschamsterDiener

Ein kurzer Bericht zu Luxemburg:

Ich nutzte dieses Wochenende für einen Ausritt nach Luxemburg. Freitag Abend per Mietwagen bis Trier vorgearbeitet. Trier hat 2 imposante Kirchen mit wunderbarem Kreuzgang, einen pittoresken, herausgeputzten Hauptplatz und unwürdig eingerüstete römische Überbleibsel zu bieten. Der Rest ist dann klassischer Deutscher urbaner Mittelstand, insgesamt weit davon entfernt, mich zu einer Wiederkehr zu ermuntern.

Von Trier nach Luxemburg sind es 30 Autominuten auf perfekten Straßen. Übers Wochenende sind die teuren Business-Hotels günstiger, für den gepflegten Backpacker aber immer noch zum Haareraufen - aber ich bin ja jetzt reich, folglich nächtigen wir für 100 EUR (es wären aber auch 70 am Flughafen gegangen) außerhalb der Stadt und nehmen die sehr gute Busverbindung (4 EUR für das Tagesticket) ins Zentrum. Dort wird es auch günstigere Möglichkeiten (AirBnB, Couchsurfing - und ein Hostel gibt es wohl auch) geben. Luxemburg ist nicht Indien, aber bei 3% MwSt. muss man sich nicht vor Schweizer Verhältnissen fürchten. Die Preise für Lebensmittel sind vielleicht 10-20% höher als in Deutschland. Auch der Sparenot wird nicht hungern müssen.

Ich habe mir von Luxemburg ein wenig was erwartet, die Erwartungen wurden aber deutlich übertroffen. Die Hauptstadt selbst bietet bereits wunderbare Panoramen und Aussichten ins Tal (es gibt eine Ober- und eine Unterstadt). Es gibt ein Hybridmuseum (Archäologie und Kunst) mit Gratiseintritt, das zwar nicht die allertollsten Exponate führt, aber architektonisch überragend neu mit alt verbindet - und das über 8 Stockwerke.

Wenn man mal in Luxemburg ist, böte sich ein Ausflug ins 60km südlich gelegene französische Metz an. Das haben wir aber aus Zeitgründen ausgelassen und wollten stattdessen unter Einbeziehung von 1-3 luxemburgischen Zielen am Nachmittag in Aachen ankommen und dort das Wichtigste mitnehmen. Tja, das fiel uns zeitlich etwas schwer vor lauter Schauen.

Wir nahmen drei Stationen mit:
1. Burgruine in Fels: Die Ruine (ca. 25km nördlich der Hauptstadt) ist recht photogen (man kann von einer Plattform gegenüber gute Photos schießen), hat aber abseits der Fassade wenig zu bieten und ist kein Muss.

2. Burg Burscheid: Gut erhalten und bei Besuchern deutlich populärer als die Ruine in Fels. Es gibt eine Audioguide-Führung. Man kann den obersten Turm erklimmen und hat von dort herrliche Ausblicke auf die Umgebung (Wälder, Dörfer, hufeisenförmige Flussbiegung). Ist jetzt nicht die Alhambra, aber ein Besuch lohnt sich. Wer schöne Photos von den Burg schießen möchte, sollte ins Nachbardorf runter fahren (ca. bis zur Bahnstation).

3. Clerf: Ein Muss für jeden Besucher von Luxemburg. Man nähert sich dem Dorf über langgezogene Serpentinen. Die Aussicht auf Kirche, Burg, Kloster und die Umgebung ist großartig. Dazu kommt, dass es in der Burg die Foto-Ausstellung "The Family of Man" gibt, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Man sieht selten so viel S/W-Foto-Qualität auf einem Fleck und es sind alle großen Namen (Cartier Bresson, Capa, Brassai, etc.) vertreten. Der Eintritt beträgt 6 EUR (Eintritte in LUX sind irgendwie immer 4-6 EUR), rund um die Burg gibt es einige gar nicht so teure Restaurants. Wir waren in einem großen Steakhouse, wo aber eigentlich alle nur Pizza aßen. Eine gute, riesige Pizza kostete 12 EUR, der Service war herausragend schnell. Man kann sich hier echt nicht beschweren.

Allgemein muss dazu gesagt werden: Wir hatten großes Glück mit dem Wetter (Sonnenschein, keine Wolke am Himmel), die Laubfärbung war quasi auf ihrem Höhepunkt. Da machte es großen Spaß den sanften Hügeln des Landes entlang zu kurven. Ansonsten: Sprachlich meistens kein Problem, die Luxemburger können perfekt deutsch. Die französischen Gastarbeiter sprechen dagegen nur Französisch, aber diese Problematik ist uns Weltreisenden ja nicht fremd, man kommt letztlich irgendwie durch.
2

dirtsA

Auch ich kann nun kurz etwas zu Luxemburg berichten! :)

Uns hat die Stadt selbst nicht so vom Hocker gehauen. Klar, die Ausblicke sind ganz nett, über die verschiedenen Täler und auf die ganzen Brücken. Und die Kathedrale ist auch sehr schön. Aber das war es dann für uns auch schon - nach 2h waren wir "durch" damit. Kasematten haben wir gerade vor einem Jahr ausführlich in Maastricht angeschaut und es wirkte auf den Fotos sehr ähnlich - haben wir daher ausgelassen. Auch ins Museum sind wir nicht, da ich meinen Freund in keins rein bekomme ;) (vielleicht ändert sich das im Alter ja noch... )
Genächtigt haben wir um ca. 70 Euro/DZ/Nacht etwas außerhalb in Strassen, was aber sehr ok war. Einige gute Restaurants in der Nähe. Man kann also wirklich auch günstig bzw. normal vom Preis übernachten. Der Bus in die Stadt war am Wochenende kostenlos. Das Essen in der Stadt empfand ich schon als teuer, bzw. als etwas teurer als Amsterdam, jedoch günstiger als Zürich oder Oslo. So zur Einordnung. Aber min. 40 Euro ist man für ein Abendessen zu 2. ohne groß was dazu, schon los.

Das Land an sich hat mich viel mehr überzeugt! Wir haben uns noch folgende Orte angeschaut:
Esch-Sauer: Wirklich süßer kleiner Ort, in einer Fluss-Schleife gelegen, von den Burgruinen hat man eine schöne Aussicht.
Bourscheid: Burg im Nirgendwo, ganz nett, aber nicht spektakulär.
Vianden: Wie es so heißt, die schönste aller Burgen in Luxemburg und wir können dem nur beipflichten! Allerdings nur von außen, denn im Winter schließt die Burg schon um 16 Uhr. Aber uns gefallen Burgen von außen eh besser, als von innen.
Tal der 7 Schlösser: Gleich in der Nähe von Luxemburg Stadt, leicht in einer Stunde abfahrbar. Die Burgen sind allerdings alle eher so lala, keine herausragend. Manche auch halb verfallen bzw. Bauruine mit Gerüst herum. Anschauen konnte man von innen keine. Kann man auslassen...
Müllerthal: Hier haben wir den Wanderweg von Echternach nach Berdorf und zurück gemacht. Gibt da eine sehr nette Runde, und die Landschaft ist spektakulär!! Tolle Felsformationen, durch die man direkt durch wandert. War unser Highlight! Man kann auch von Berdorf den Bus zurücknehmen, dann muss man nicht die ganze Runde laufen. Dazu war der Rückweg eher unspektakulär, kann man auslassen. Unbedingt den Teil wandern, wo die Wolfschlucht dabei ist!
Im Müllerthal gäbe es noch viel mehr Wanderrouten, ist auch alles sehr gut Online mit Karten zu finden. Man könnte da auch ein paar Tage herumwandern - aber gut, so viel Zeit nehmen sich wohl nicht viele für Luxemburg ;)

Das war's von mir! Mehr davon inklusive Fotos gibts dann bald in meinem Blog.


1

Kama aina

Auch ich kann nun kurz etwas zu Luxemburg berichten! :)

Uns hat die Stadt selbst nicht so vom Hocker gehauen. ...

Wie unterschiedliche da echt immer die Auffassungen sind! :-)
Wie war denn das Wetter bei euch?

Wieviel Zeit braucht man für die Wanderung, die ihr gemacht habt?
0

dirtsA

Ja stimmt :) Wir hatten echt Glück mit dem Wetter: Es war zwar winterlich kalt, aber immer wieder Sonne. Die ganze Landschaft im Norden von Luxemburg war unter einer schönen Schneedecke :)

Die Wanderung dauert etwa 3-4h (komplette Runde), kommt natürlich sehr darauf an, wie viel Zeit man sich lasst. Wir haben keine Pausen gemacht, da ja alle Bänke etc. verschneit waren, aber dafür immer wieder mal Foto-Stopps.
0

Kama aina

Dann freu ich mich schon auf deine Fotos im Blog!
Vielleicht lag es auch am Winterwetter, dass euch Luxemburg Stadt nicht so "begeistert" hat!?

Werde aber auch nochmal dahin müssen. Nen Kumpel von mir war noch nicht da und so kann ich mir dann im Norden des Landes noch was ansehen! :-)
0

dirtsA

Hmm, ich denke eigentlich nicht. Es ist ja sehr überschaubar alles und man ist alles sehr schnell abgelaufen. Fand die Gebäude auch echt nicht so schön, wie in vielen anderen europäischen Städten. Was uns auch gefehlt hat, waren ein paar nette Cafes/Bars, da mussten wir wirklich suchen um überhaupt etwas zu finden. War alles nur gleich Restaurant und sonst nix.

Aber es war ja schön für uns. Vom Hocker gehauen hat es uns halt nicht, aber das wird ja mit der Zeit auch immer schwieriger, wenn man einige Städtetrips hinter sich hat ;)
0

Kama aina

Ja das stimmt! Je mehr man gesehen hat desto ehr vergleicht man Orte miteinander.
Ich fand gerade der Bereich in den Tälern sehr schön und urig, schön verwinkelt.
Die Oberstadt war tatsächlich nicht übermäßig schön! Aber sie hat in der Gesamtheit schön gepasst.

Das schöne an den Kasematten in Luxemburg ist halt, dass sie fast komplett in den Naturstein gehauen worden sind und man von dort aus tolle Ausblicke auf die Unterstadt hat! In Maastricht die hatten bei meinem Besuch leider nicht auf!
0

dirtsA

Ja bzw. man lasst auch mal Sachen aus, weil man nicht mehr "alles" sehen muss. So geht es uns zumindest. Wir müssen nicht mehr in jede einzelne Kirche reinlaufen oder über jede einzelne Brücke (oder was auch immer ;) ).

Die Kasematten in Maastricht sind auch toll, v.a. wegen den Malereien! Vielleicht schaffst du es ja nochmal hin :)
1

dirtsA

So, für alle, die noch an Details + Fotos zu Luxemburg Interesse haben: Mein Blogartikel und Foto-Album sind jetzt endlich online: https://singahitam.wordpress.com/2017/02/01/winter-wochenende-in-luxemburg/
0

Kama aina

Na endlich! ;-)
0

Kama aina

Mal wieder ein schöner Blog Eintrag! :-)
Aber ich kann jetzt verstehen warum ihr nicht so überschwänglich von Luxemburg-Stadt begeistert wart!
Ich war im Hochsommer bei strahlendem Grün und vor allem strahlendem Sonnenschein da!
Das ist tatsächlich ein extrem anderes Luxemburg was auf euren Bildern ist.
Vielleicht führ es euch ja nochmal im Sommer dahin, wenn ihr zum Beispiel auf dem Weg nach Südfrankreich seid! ;-)
0

Tags: