Thema: Familie und Freunde können sich nicht für einen freuen  (Gelesen 1057 mal)

Binarina

Wie geht ihr damit um, wenn sich Familienangehörige nicht für einen freuen können, weil sie
traurig sind und nicht wollen, dass man für längere Zeit weg ist??

In der engeren Familie wird teilweise selten über unsere Reise gesprochen. Es wird selten etwas gefragt und wenn wir irgendwas über unsere Vorbereitungen erzählen, wird das fast nicht beachtet.
Selbst im Freundeskreis wird das teilweise nicht zu wichtig genommen und einfach nicht darüber gesprochen.
Wir nehmen uns natürlich nicht zu wichtig und verstehen das, dass das Leben unserer Familien und Freunde sich eben nicht nur noch um unsere Reise drehen kann, aber ein bisschen mehr Interesse wäre schon nett oder wie seht ihr das?

Ist die Enttäuschung wirklich so groß, dass man darüber nicht spricht?
Wir wissen selbst nicht so genau, wie wir das ansprechen sollen…

Es gibt natürlich auch noch die andere Seite, die sich sehr für uns freuen und alles ganz genau wissen möchten. Das gibt uns dann wieder Kraft und Mut. :)

Hat jemand Tipps oder habt ihr selbst Erfahrungen gemacht??

Liebe Grüße
Sabrina
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jukian (ejurgal)

« Antwort #1 am: 26. Juli 2016, 13:44 »
Hallo Binarina,

es tut mir leid zu hören, dass es dir so geht. Ich habe in meiner Familie eigentlich recht viel Unterstützung erhalten und auch die von dir angesprochene Freude.
Mit den Freunden ist es schwierig (hinterher noch viel mehr, als vorher). Anfangs war das Interesse sehr groß, an unseren Planungsfortschritten und "neuesten Überlegungen" war im Detail kaum noch jemand interessiert... Verständlicherweise. Wenn ein Freund von mir überlegt, ob er sich einen neues Auto kaufen will, interessiert es mich noch welches und warum, aber die Details seiner Recherche muss ich mir dann auch nicht anhören.

Letztendlich ist so eine Weltreise sicher ein spannendes Hobby, das viele Menschen fasziniert. Aber man muss auch akzeptieren können, wenn jemanden das nicht so interessiert.

Gleichzeitig sollte ein gewisses Interesse an dem was euch so bewegt und einen zentraler Aspekt eures Lebens schon bei Familie und Freunden vorhanden sein.
So wie Du dieses Desinteresse beschreibst, finde ich es schon recht merkwürdig.

Vielleicht spielt bei einigen Freunden auch eine Rolle, dass sie selber nicht so zufrieden sind mit ihrem Leben, aber sich nicht trauen, selber so einen mutigen Schritt zu gehen...


Ich denke, wie so oft ist der richtige Weg die goldene Mitte: Die Menschen in eurem Umfeld sollten schon ein gewisses Interesse an Dingen die für euch so wichtig sind haben und auch zeigen (können). Umgekehrt müsst ihr natürlich auch verstehen, dass ihr manchmal mehr im Kopf habt, als zu erzählen angebracht wäre.

Persönlich spreche ich solche Dinge bei Menschen denen ich vertraue gern direkt an, aber da müsst ihr euren eigenen Weg finden.

Viel Glück und Erfolg dabei!
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Binarina

« Antwort #2 am: 26. Juli 2016, 14:02 »
Hi Ejurgal,

danke für deine Meinung!
Vorab sollte ich noch mal erwähnen, dass wir nicht nur auf Desinteresse stoßen, aber das Desinteresse, welches ich erfahre, stimmt mich schon etwas nachdenklich.

Das mit dem Autokauf ist ein gutes Beispiel und das verstehe ich auch vollkommen. Ist bei mir ja auch nicht anders.

Zitat
Vielleicht spielt bei einigen Freunden auch eine Rolle, dass sie selber nicht so zufrieden sind mit ihrem Leben, aber sich nicht trauen, selber so einen mutigen Schritt zu gehen...

Ja das kann sein, wir haben schon mal eine Aussage in der Familie gehört "Und was habe ich in meinem Leben erreicht?"
Da spricht die eigene Unzufriedenheit wohl aus einem.
Ist halt dann etwas schwierig damit umzugehen.

Wenn man das anspricht mit "ich habe das Gefühl, dass du zu wenig Interesse zeigst", nimmt man sich doch auch ein bisschen zu wichtig oder?

Klar dreht sich nun mal nicht alles um uns und unsere Reise. Ich denke, das muss man eben so hin nehmen, dass sich der eine mehr und der andere weniger dafür interessiert. Aber gerade in der Familie fällt das eben schwer.
Vielleicht will man nicht darüber reden, weil man so seine "Traurigkeit" verdrängt?


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tanileha

« Antwort #3 am: 26. Juli 2016, 16:10 »
Ich persönlich musste in den letzten Jahren feststellen, dass Desinteresse besteht, wenn die Personen einfach auch etwas neidisch / eifersüchtig darauf sind. Und das egal um was es geht, sei es dass ich einen neuen Freund habe und total verliebt bin (und die gegenüber Person eben nicht und mir das auch nicht gönnen mag) oder dass ich nach grossem Sparen endlich ein Auto kaufen konnte (und andere eben nicht) etc. etc. Genau dasselbe damals bei der Reise. Viele waren sehr interessiert, andere nicht. Du (also ich) sehe es den Leuten immer schon am Gesichtsausdruck an ob sie es einem gönnen oder ob sie eben lieber selber gehen würden, jedoch NIE das Geld dafür hätten etc. Da sage ich dann auch schon mal du, ich geh dafür nicht mehr weg, kaufe mir keine neuen Klamotten, dann geht das schon!

Da wir nicht nachgefragt oder sogar wenn man anfängt zu erzählen gleich ein anderes Thema angeschnitten.

Ob Familie oder im Freundeskreis, beides ist in beide Richtungen möglich. Damit muss man wohl fast einfach leben lernen...

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gismarett

« Antwort #4 am: 28. Juli 2016, 22:19 »
Hey  ;)

Ich befinde mich seit einiger Zeit in der Reiseplanung und kann dir meine Erfahrungen berichten. Von meiner Familie werde ich komplett unterstützt. Wir reden auch ab und zu drüber und teilweise auch sehr tiefgehend. Liegt vermutlich auch daran das meine Mutter genau wissen möchte was ich da machen. Bei ihr liegen wechselseitige Gefühle vor. Auf der einen Seite ist sie sehr interessiert und motiviert mich immer die Reise auch umzusetzen ;D. Auf der anderen Seite sagt sie mir aber auch immer das ich aufpassen soll und wieder heimkommen muss  ;D

Im Freundeskreis ist das Interesse divergent. Einige Freunde fragen ab und zu mal nache und teilweise haben wir auch mal ein paar Stunden drüber gesprochen (meist Kommilitonen). Andere haben allerdings gar kein Interesse, da es nicht ihre Welt darstellt. Meist sind sie bereits eher am Bauen/Renovieren etc., haben also ein sehr gefestigtes normales Leben. Man kann das Interesse zwar nicht an Studium/Ausbildung fest machen aber ich persönlich merke da trotzdem einen deutlichen Unterschied in meinem Bekanntenkreis. Die Studenten sind häufig weltoffener und waren auch teilweise schon im Ausland.

Mit fremden rede ich merkwürdiger weise sehr viel über die Reiseplanung. Treffe ich beispielsweise jemand auf nem Geburtstag dann kommt im Smaltalk irgendwann mal der Begriff Weltreise. Oft ist Reisen und meine Planung dann ein sehr großes Thema. Teilweise werde ich dann beneidet. Wie bereits von meinen Vorrednern erwähnt sind auch viele Personen neidisch, da sie es nicht geschaft haben Geld wegzusparen und dann den Schritt zu wagen. Das damit auch sehr viel Arbeit verbunden war und ich mich teilweise in einer 70 Stundenwoche gequalt habe (Studium + Erwerbstätigkeit) sehen sie nicht. Diese Personengruppe versucht nach den allgemeinen Fragen zur Reise schnell das Thema zu wechseln. Kann ich auch vollkommen verstehen.

Habe allerdings sehr häufig gehört das es nach der Reise deutlich schlimmer ist. Man möchte die unendlich vielen Eindrücke einfach kommunizieren und für die Details haben die meisten Personen auch gar kein Interesse.
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jukian (ejurgal)

« Antwort #5 am: 29. Juli 2016, 09:27 »
Ich nochmal... Ich finde Gismarett hat es ganz gut auf den Punkt gebracht, wobei ich diese klare Trennung Ausbildung / Studium so nicht sehe. Sondern eher zwischen weltoffenen Menschen und solchen mit weniger weitem Horizont. Da ist in meinem Freundeskreis zum Glück kein Trend nach Abschluss zu erkennen und ich denke auch, dass das Allgemein nicht so der Fall ist.

Aber zurück zu Binarinas eigentlichem Problem: Bei den Menschen die dir wirklich nahestehen würde ich es schon in einer ruhigen Minute, wenn ihr unter euch seid, ansprechen. Vielleicht ist es deiner Familie / manchen Freunden auch gar nicht so bewusst, was das für ein wichtiges Thema ist.
Und wenn du das ansprichst und es wird einfach darüber hinweg gegangen und versucht das Thema zu ignorieren, dann ist es nicht nur nicht einfühlsam, sondern schlicht unhöflich.
Natürlich muss man verstehen und akzeptieren, das niemand permanent über deine Reise reden will... ABER du machst nicht den Eindruck, als würdest du dir Gedanken darüber machen, wie viel angebracht ist und auch versuchen Rücksicht zu nehmen, aber einfach so gut wie gar nichts zurückkriegen. Das ist nicht fair.  Bei Bekannten kann und muss man das vermutlich akzeptieren. Bei guten Freunden und der Familie nicht.

Um das Beispiel mit dem Freund und den Autos nochmal aufzugreifen:
Natürlich würde man mit diesem Freund nicht unentwegt nur über seine Leidenschaft reden, aber es doch auch nicht ignorieren, wenn er sich ein neues Auto kauft und aufgeregt davon erzählen möchte.

Wie gesagt ist ein Mittelweg vermutlich die richtige Lösung, dieser Weg setzt aber Gesprächs- und Kompromißbereitschaft von beiden Seiten voraus! Deinem Post nach zu urteilen ist diese Bereitschaft allerdings zur Zeit nur bei dir vorhanden. Deswegen: Rede mit den Leuten!
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pawl

« Antwort #6 am: 29. Juli 2016, 10:11 »
Vorher war das interesse, sagen wir gering. Immer mal freundlicher neid, aber die wenigstens konnten überhaupt passende Fragen stellen. Während der Reise gab es ein paar sehr interessierte z.B. meine Oma, aber nicht wirklich viele.

Nach der Rese kam vielleicht ein "wie wars?" und darauf kann man kaum antworten...

Also insgesamt muss man sagen: Du machst das nur für dich.
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Vombatus

« Antwort #7 am: 29. Juli 2016, 11:09 »
Natürlich ist es immer leichter gesagt als getan … aber ich kann den Rat von „pawl“ 100% unterstreichen. Mach die Reise für dich. Kümmere dich nicht um die Bedenken der Anderen. Zeigen nahen Angehörigen, engen Freunden die Möglichkeit digital mit dir in Kontakt zu bleiben. Fertig.

Natürlich haben Verwandte und Freunde Ängste, Unsicherheiten, Vorurteile gegen alles was mit Langzeitreisen (und dem Drumherum) zu tun hat. Das ist aber nicht bösartig oder unbedingt „neidig“ gemeint, sondern resultiert an magelnden Wissen und Selbsterfahrung.

Du führst aber dein eigenverantwortliches Leben und ich bin mir sicher, dass alle die dich lieben, dir alles Glück und Freude der Welt wünschen und sich für dich freuen, wenn du glücklich bist. Keiner wümscht dir etwas schlechtes. Und wenn wenig Feedback kommt, dann aus unsicherheit oder weil sie halt ein anderes Lebensmodel haben.

Du hast dich entschieden die Komfortzone mal zu verlassen und du wirst davon profitieren. Aber solltest du dich jetzt nur mit den Verhalten und den Reaktionen deiner Umgebung beschäftigen und (ab)lenken lassen? Nein. Hab ein offenes Ohr und sei gesprächsbereit falls der Wunsch da ist, erwarte es aber nicht. Wie du selbst schreibst, einige sind da, die sich mitfreuen und dir Mut machen. Super!

Eigenerfahrung: Alle die mich kannten freuten sich für mich. Leicht blöde „Weltreise-Sprüche“ waren eher versteckte Bewunderung mit positiven Neid verbunden. Es gab zwar auch Stimmen, dass „sie das nie selbst machen könnten“ (Arbeit, Wohnung aufgeben), aber das wurde nie negativ auf mich übertragen.

Ja, das Interesse nach der Reise war eher Bescheiden und schnell befriedigt. Und immer nach den gleichem Muster:
„Wo und wie lange warst du? Was war das Beste? Was war das … xyz? Ich kenne jemand, der war auch dort und dort. Warst du auch dort? Und wenn man mich besser kannte, kam auch die Frage nach dem Geld/Kosten.“

Und jetzt, nach längerer Zeit, wenn man mit Leuten und "Mitwissern" zusammen sitzt und das Gespräch irgendwann auf das Reisen kommt: "Er war schon mal auf Weltreise" gefolgt von jemand anderen: "Ich kenne auch jemand, der macht/ist/war dies und jenes".

Fazit:
Also insgesamt muss man sagen: Du machst das nur für dich.
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dumbo

« Antwort #8 am: 29. Juli 2016, 12:13 »
Bin jetzt auch sieben Wochen zurück nach meiner 15 Monatigen Reise.

Vor der Reise und während der Reise fragten ab und zu mal Freunde wo wir sind. Die Eltern wollten es eigentlich alle 2 Wochen wissen. Zuhause wollten viele wissen wo wir waren und was am besten war. Aber nach den ersten Gesprächen ist das Thema vorbei.

Und wie schon geschrieben. Du machst das für dich und nicht für andere!
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jukian (ejurgal)

« Antwort #9 am: 29. Juli 2016, 12:26 »
Ich finde beachtenswert, dass ihr so mit allgemeingültigen Sätzen um sich geschmissen wird.
So wie jede Reise anders ist, wird sicher auch jeder Freundeskreis und jede Familie eine andere Dynamik besitzen.

Klar sollte man sich auch bewusst machen, dass eine Weltreise meist etwas sehr egozentrisches ist. Aber Binarinas Bedenken bzgl. des Verhaltens der Familie einfach vom Tisch fegt, indem ihr - durch die Blume gesprochen sagt - das ist so, lern damit umzugehen, halte ich für den falschen Weg.

Es ist natürlich schwer die Situation einzuschätzen, wie dramatisch oder locker es wirklich ist. Aber wenn jemand sich in einer Situation so unwohl fühlt, dass er ein Forum aufsucht und dort um Rat fragt, wird an dem Problem schon etwas dran sein.

Natürlich habt ihr Recht, man macht die Reise nicht, damit es anderen gefällt, aber ich finde das Problem zu salopp weggewischt.
Es geht ja auch nicht darum, ein riesen Fass aufzumachen, weil jemand sich nicht so sehr für das Thema interessiert.
Aber wenn Menschen die mir besonders nahe stehen derartiges Desinteresse zeigen, dass es mich in Kummer versetzt und dazu bringt mein Problem in einem Forum zum Thema zu machen, würde ich sagen, da gibt es Gesprächsbedarf.
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Binarina

« Antwort #10 am: 30. Juli 2016, 13:16 »
Wow, vielen Dank für eure vielen Gedanken und Antworten!  :-*

Ich bin jetzt nicht tief im Kummer versetzt, ich habe mir nur Gedanken darüber gemacht, warum der eine oder andere so reagiert oder eben nicht reagiert und wollte wissen wie das bei euch ist und wie ihr damit umgeht.

Im Prinzip hat Vombatus und Pawl schon recht. Man macht die Reise für sich selbst und soll sich von den Menschen, die es nicht verstehen und evtl. es einem auch ausreden wollen nicht entmutigen lassen.

Auf der anderen Seite wünscht man sich aber dennoch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit in der Familie. Mein Freund (mit dem ich die Reise mache) und ich, denken, dass z.B. seine Mama sich mit unserer Entscheidung noch nicht abfinden kann. Die Großeltern finden das eh nicht gut, weil sie sich zuuuuu viele Sorgen machen, wie Großeltern halt sind   :-X
Wir wollen mal abwarten, wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt, da wir erst im Januar starten. Vielleicht denken sie auch einfach, dass die Reise noch sooo weit weg ist??
Wir werden es ansprechen, wenn sich nichts „ändert“!

Und was die Freunde angeht … damit müssen und können wir auch leben!
Viele können unsere Entscheidung nicht verstehen und verhalten sich vielleicht auch deswegen distanziert zu diesem Thema. Aber es ist ja UNSERE Entscheidung und wenn es jemand nicht verstehen kann, dann ist das eben so!

@ Gismarett
Die Erfahrung mach ich auch immer wieder. Viele Fremde bzw. entfernte Bekannte interessieren sich richtig für die Reise und fragen nach, wollen alles ganz genau wissen. Haben hier und dort Bekannte wo man unterkommen könnte und bieten den Kontakt an.

...Manchmal braucht man einfach einen Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten (Findet im Herbst wieder ein Treffen in München statt?)
DANKE euch dafür!


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michelaufreise

« Antwort #11 am: 31. Juli 2016, 04:11 »
Fragesteller mir geht es genau wie dir.kein Interesse an meinem planen. Die einzige Frage die kommt ist es nicht gefährlich.
Pawl hat es gut beschrieben.
Ich denke die Menschen in eurem Umfeld können einfach mit der Situation nicht umgehen weil es eine Situation ist die Himmel weit entfernt von deren Vorstellungskraft ist.
Geniest eure Reise. 
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n_rtw

« Antwort #12 am: 31. Juli 2016, 08:26 »
Ich hatte damals gar nicht versucht, alle ständig über meine Planungen zu informieren. Gerade die Eltern, weil sie es eben auch dann nicht verstanden haetten, warum wieso weshalb. Daher hab ich auf Fragen nach der Sicherheit reagiert, aber sonst kaum etwas. Da ich aber die Reise selbst auch kaum geplant habe sondern nur den ganzen Admin-Kram hier - Arbeitslosmeldung, Krankenkasse, Wohnung leer raeumen und Sachen unterstellen - das fand ich dann auch wirklich unspektakulaer. Aber zum eigentlichen Thema: Meine Eltern, obwohl sie vor der Reise das Thema gemieden haben wie die Pest, waren währenddessen doch unglaublich stolz. Nicht dass sie mir das so gesagt haetten, aber jeder im Dorf - in dem ich keinen kenne, weil ich auszog, bevor sie dahin zogen - und saemtliche nahe und ferne Bekannten wussten von meiner Reise gleich einer Heldentat und sprachen mich bei meiner Rueckkehr - nun lebe ich für den Übergang mit im Dorf - darauf an, also mir fremde Menschen...  Also gebt eurer Familie Zeit, sich an den Gedanken zu gewoehnen. Überfallt sie nicht mit zu vielen Informationen über Dinge, die sie nicht einordnen können und haltet sie insbesondere auf der Reise auf dem Laufenden.
Und geniesst die Zeit vorher mit eurer Familie und Freunden, gebt ihnen Zeit mit euch.
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farmerjohn1

« Antwort #13 am: 01. August 2016, 13:29 »
Wer ja immer schoen was zu aussergewoehnlichen Unternehmungen sagt und, wie ich finde soweit ich es beurteilen kann, oft den Nagel auf den Kopf trifft, ist Reinhold Messner. Fuer ihn sind es Berge und Polargebiete ohne viel technische Hilfsmittel gewesen, und das was er in hoeherem Alter davon in Ideen, Museen und Oekologie umsetzt. Fuer andere ist es halt was anderes, eine andere zur eigenen Individualitaet gewaehlte Herausforderung ausserhalb der allgemeinen, von gesellschaftlichen Vorgaben gepraegten Anforderungen. Eben auch Nutzloses erobern um Sinn zu schaffen. Das Koennen ist des Duerfens Mass. Die Evolution hat dazu gefuehrt dass der Mensch jeden Tag mehr Sicherheit bekommt und dafuer jeden Tag ein Stueckchen Freiheit und Verantwortung mehr (an Institutionen) abgibt. Und so wird es kommen dass unsere Gesellschaften eines Tages vollkommene Gefaengnisse sein werden, deren Insassen immer geschulter und immer perfekter auf bestimmte Signale hin bestimmte Modellvorstellungen haben und daher algorithmisch strukturierte Handlungen begehen - aber andererseits immer weniger normunabhaengige Vorstellungskraft, Faehigkeiten und Fertigkeiten entwickeln werden. Das empfindet manche/r als unertraeglich, fuer einen bzw eine andere/n ist das gar das Paradies, und dem/der Dritten faellt das zwar auf aber er bzw. sie sieht sich nicht stoerend eingeschraenkt. Sensibilitaeten und Beduerfnisse sind halt individuell unterschiedlich.
Entkommen kann man dem als lebender Mensch gar nicht, und immer weniger - nur zeitweise durch Abenteuer, indem man sich (Todes)Gefahren aussetzt, um Selbsterfahrung zu machen, besonders dahingehend wie man darin, bzw. in der Tatsachenwelt der Wildnis ausserhalb der  gewohnten von Menschen erdachten Umgebung, ueberlebt. Was auch danebengehen kann. Je nach individuellen Eigenschaften fallen diese Abenteuer extremer oder moderater aus - also jetzt im Bezug auf den Abstand vom durchschnittlichen Menschenleben. 
Mal ganz abgesehen davon dass die meisten Reisen eben doch Wiederholungen sind von dem was andere schon gemacht haben, sind eben auch die wenigsten Reisen ganz und gar alltaeglich. Deswegen sind auch viele (und das ist nicht ganz von der Hand zu weisen) der Meinung, Unternehmungen mit denen man sich ausserhalb der Norm stellt seien verantwortungslos und anmassend.
Gerade deshalb kan man einfach nicht davon ausgehen dass andere Verstaendnis oder Interesse dafuer entwickeln. Das ist eine unrealistische Erwartung;  dass andere weniger beruehrt oder begeistert sind musst du einfach hinnehmen.
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Jenny_far_away

« Antwort #14 am: 16. August 2016, 19:58 »
Hey,
ich hab sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich glaube einfach, dass gerade die Personen, die uns Nahe stehen auch am meisten "verlieren", wenn wir gehen. Viele blenden daher lieber aus, dass man bald geht anstatt sich genau über die Reise zu erkundigen. Meine Mutter hat sich solche Sorgen gemacht, dass Sie immer den Raum verlassen hat, wenn ich etwas von meinen Plänen erzählt habe.
Jetzt bin ich fast drei Jahre zurück...Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Meine neuen Kollegen waren anfangs noch wahnsinnig interessiert und neue Freunde genauso. Inzwischen wundert sich niemand mehr über meine Reisepläne. Als es neulich nach Georgien ging, meinte meine Mutter auch nur "joa sterben kann man überall"  :P
Ich kann dir nur raten die Reise für dich zu machen und niemand anderen. Du wirst noch über Jahre von den Erlebnissen zehren und genügend Gelegenheiten auch mal die ein oder andere Anekdote zu erzählen wird es auch geben. Ich habe gerade an einem Nachwuchsführungskräfte Programm teilgenommen und die beiden Personalerinnen fanden meine Reise so spannend, dass wir wahnsinnig viel über meine Erlebnisse gesprochen haben. Jetzt hab ich wieder Fernweh  ;D obwohl "wieder" ist falsch, das bleibt einem erhalten.
Aber ich kann dich verstehen, dass es die Stimmung etwas trübt. Mein Freund hat sich nie wirklich für meine Weltreise interessiert. Daran musste ich mich auch erstmal gewöhnen.

Liebe Grüße,
Jenny
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