Thema: Lebenstraum Weltreise, aber Partner möchte nicht – was tun?!  (Gelesen 1980 mal)

Katja86

Es war schon immer ein Herzenswunsch von mir, mal eine Weltreise zu machen, am liebsten 9 oder 12 Monate lang. Schon wenn ich daran denke, dieses unbeschreibliche Freiheitsgefühl erleben zu können, bekomme ich so ein richtiges Kribbeln im Bauch! Ich habe seit 2 Jahren gespart und habe auch bei meinem Arbeitgeber schonmal vorsichtig angefragt, ob eine Freistellung möglich wäre (ob das klappt steht noch auf einem anderen Blatt...).

Am liebsten wäre mir natürlich, wenn mein Freund mitkommt (wir sind jetzt seit 10 Jahren zusammen). Aber das ist sehr schwierig, ich versuche nun schon bestimmt seit 2 Jahren, mit ihm darüber zu reden und eine Lösung zu finden, aber irgendwie kommen wir einfach nicht weiter.
Das Problem ist erstens, dass er diesen Wunsch nach einer längeren Reise leider nicht nachvollziehen kann, für ihn würden auch 2 Wochen Jahresurlaub reichen. Er sieht so eine lange Reise eher als "Zeit- und Geldverschwendung". Er würde viel lieber sparen und möglichst bald ein Haus kaufen (er ist jetzt 29, ich 28 Jahre alt). Das ist mir aber im Moment noch garnicht so wichtig, ich finde, damit kann man doch dann auch einfach noch ein paar Jahre warten!
Dazu kommt noch, dass er seine aktuelle Stelle kündigen und danach einen neuen Job suchen müsste (ob er dort wieder eingestellt wird kann man jetzt noch nicht wissen).

Alleine 9 Monate zu verreisen kommt für mich eigentlich auch nicht in Frage, da man sich dabei bestimmt ziemlich auseinanderlebt und in unterschiedliche Richtungen entwickelt (Ich möchte die Reise ja u.a. auch machen, um mich persönlich weiterzuentwickeln). Er möchte auch nicht, dass ich so lange allein fahre. Also habe ich ihm als Kompromiss vorgeschlagen, dass ich z.B. erst 3 Monate allein reisen könnte und wir im Anschluss noch 6 Monate zusammen reisen. Oder aber alternativ: Er besucht mich öfters zwischendurch für mehrere Wochen (mit seinem Jahresurlaub). Aber auch da hat er komplett abgeblockt und meinte, so eine halbe Sache würde er auf garkeinen Fall machen. Aber selbst "nur" 6 Monate zusammen zu reisen geht ja auch schon nicht, weil er dann kündigen müsste!

Ich kann ja auch verstehen, dass das ein Gegenargument ist und möchte ihm auch nicht MEINEN Traum aufdrängen, durch den er vielleicht später berufliche Nachteile hat :( Ich möchte aber auch nicht durch eine lange Reise ohne ihn die Beziehung kaputt machen, ich kann mir ein Leben ohne ihn garnicht mehr vorstellen. Andererseits würde ich mich auf jeden Fall später einmal ärgern, die Reise nicht gemacht zu haben! Was soll ich nur tun?! Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und könnt mir vielleicht irgendwelche Ratschläge geben?
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Blume

Alleine 9 Monate zu verreisen kommt für mich eigentlich auch nicht in Frage, da man sich dabei bestimmt ziemlich auseinanderlebt und in unterschiedliche Richtungen entwickelt

Ich habe den Eindruck, dass ihr euch jetzt schon in unterschiedliche Richtungen entwickelt habt.
Du hast deinen Reisetraum, hast aber Verständnis dafür, dass dein Freund andere Prioritäten setzt und hast jede Menge Kompromisse vorgeschlagen, um seine Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dass er noch nicht mal das Modell "Du reist und er besucht dich immer wieder in seinem Jahresurlaub" akzeptiert, zeugt von keiner Kompromissbereitschaft seinerseits. Was hat er denn für Vorschläge, in denen auch deine Träume zumindest etwas Platz hätten? Oder muss seins zu 100% gelten?
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bluebody

Also ich habe selbst erlebt, jemanden vom Reisen zu überzeugen der gar keinen Bezug zu sowas hat ist genauso wie mit einer Wand zu reden, da diese auch keine Kompromisse eingeht.
Ich bin 2008 während einer längeren Beziehung alleine nach Australien gereist für 10 Wochen, und naja, dann hat die Beziehung noch knapp 6 Monate gehalten...
Ich will natürlich nicht den Teufel an die Wand malen, aber dies sind nur meine PERSÖNLICHE Erfahrungen!

Ich würde dir raten mit deinem Partner noch einmal das Gespräch suchen, selbst Gedanken machen was du willst, und dann ihn auch mit deiner Entscheidung welche du getroffen hast bzw treffen möchtest konfrontieren. Nimm dir noch einmal Zeit für dich selbst um genau darüber nachzudenken!
Ich drücke dir die Daumen das es so ausgeht wie du es dir wünschst!
Zieh dein Ding durch, du lebst nur einmal, genieße es!

bluebody
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michelaufreise

Interessante Diskussion.
Bei mir sind zwei Beziehungen kaputt gegangen. Eine davon war meine traumfrau der ich 2 Jahre hinter her gejagt bin bevor ich sie hatte.
Und ganz ehrlich ich bereue keine Sekunde das ich auf reisen gegangen bin.
Du musst eine Entscheidung treffen. Dein Freund hat seine getroffen. 
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Frank!

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und war in einer ähnlichen Situation wie du.
Ich habe meine Frau zwar überzeugen können, alles in Deutschland zurückzulassen um ein Jahr oder länger zu reisen, allerdings stellte sich unterwegs heraus, dass sie es nicht so genießen konnte wie ich und sie wollte zurück.
Es ist also durchaus mit Vorsicht zu genießen, wenn einer "Feuer und Flamme" ist und der andere es nur dem Partner zuliebe macht.
Die Zeit nach dem Reiseabruch war sehr schwierig für uns und wir mussten beide kämpfen und Kompromisse eingehen um unsere 11-jährige Beziehung nicht zu zerstören.
Das Zauberwort ist "Kompromisse". In einer langen Beziehung ändern sich beide Partner zwangsläufig über die Jahre, Interessen ändern sich, Träume, Perspektiven etc., auch ohne dass einer von beiden auf Reisen geht. Deshalb sehe ich die Sache weit weniger fatal wie michel und denke du solltest auf jeden Fall noch mal das Gespräch mit deinem Partner suchen.
Letztendlich möchte man doch in einer Beziehung auch den Partner glücklich machen und wenn es dazugehört, dass man dafür selbst etwas zurückstecken muss, dann sollte es einem auch wert sein wenn man die Beziehung erhalten will.
Wir sind beide Kompromisse eingegangen, haben einige Trips zusammen gemacht und einige Gebiete habe ich alleine bereist, wobei ich immer nach ein paar Monaten erst mal wieder zurück nach Deutschland kam und dann wieder los bin.
Ich bin sehr froh, dass wir einen Kompromiss finden konnten und ich meine Beziehung nicht dem Reisefieber opfern musste oder andersherum und ich kann dir nur raten für beides zu kämpfen... ;)

Gruß

Frank
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dirtsA

Ich war während meiner Reiseplanung 2008-2010 in einer sehr ähnlichen Situation. In einer Beziehung, Partner nur am Jahresurlaub interessiert, auf keinen Fall längere Reise = Geldverschwendung. Besser in ein Haus investieren. Allerdings lag das bei uns auch sehr stark an der Grundeinstellung zum Leben. Und die kann keiner wirklich ändern, Kompromisse sind schwierig. Bei uns ist die Beziehung schon vor der Reise in die Brüche gegangen und ich bin mir sicher, dass es ansonsten während der Reise passiert wäre. Er wäre auf keinen Fall mitgekommen, also wäre ich wohl entweder allein los oder er hätte mich unterwegs besucht.

Hatte ihm damals auch alle möglichen Kompromisse vorgeschlagen und von seiner Seite kam rein gar nichts. Das finde ich aber absolut inakzeptabel in einer Beziehung! Es geht um Kompromisse. Klar, wenn ich total egoistisch sage, dass ich ohne zeitliche Einschränkung los will und mir egal ist, was er macht, ist das nicht fair. Jedoch wenn man schon alles Mögliche vorschlagt von kürzerer Reise zusammen, kurzer Reise alleine, Reise mit Besuchen vom anderen,... mehr Optionen gibt es nun ja wirklich nicht.

Ich würde ihm die Optionen nochmal klar machen und nochmal ernst mit ihm sprechen, wie wichtig dir dieser Traum ist. Wenn er dich wirklich liebt, wird er dich in deinem Traum unterstützen wollen. Ein paar Monate nicht sehen MUSS eine bereits 10-jährige Beziehung aushalten, sonst ist das ohnehin nichts fürs Leben (meine Meinung).

Ne Freundin von mir ist gerade 8 Monate in Südamerika, ohne Freund. Er hat sie am Anfang mal besucht und gegen Ende nochmal, sodass sie sich jetzt 5 Monate nicht gesehen haben. Sie wäre auf jeden Fall los, auch wenn er auf stur geschaltet hätte. Dann hätte sie sich getrennt.

Falls er wirklich auf stur stellt und keinen Kompromiss eingehen will, musst du so hart es ist eben die Entscheidung treffen: Reise oder Er. Dabei kann dir hier keiner helfen, da niemand euch und eure Beziehung kennt. Auch für mich klingt es momentan so, als wäre bei ihm die Entscheidung schon gefallen: Er will dich scheinbar nur ohne deine Reise "behalten". Aber vielleicht kam das in deiner Beschreibung auch nur falsch rüber, es klingt aber so.

Dass man jemand, der Reisen nicht mag, nicht auf eine monatelange Reise "mitschleppt" sollte klar sein. Das wäre ein Zwang mit dem niemand glücklich wird. Ein halbes Jahr Trennung und/oder alle paar Monate Besuche sollte jedoch JEDER akzeptieren können. Meine Meinung :)
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Claudia-to-go

Hi Jeany,

ich finde es schwierig dass du offenbar bereits mehrere Kompromiss-Angebote gemacht hast, er aber auf keinen davon eingegangen ist.

Habt ihr mal überlegt, mit dem Thema zu einer Paarberatung zu gehen, also mit einer außenstehenden Person, die "auf niemandens Seite" steht, darüber zu sprechen? Möglicherweise hilft euch das dabei, klarer zu formulieren worum es euch geht und einen Kompromiss in dieser Sache zu finden?

Wie hier bereits angesprochen wurde geht es ja nicht nur um die Reise, sondern um generelle Erwartungen, die Vorstellung vom gemeinsamen Leben, die man jeweils hat.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr eine gemeinsame Lösung finden könnt.

Claudia
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Vombatus

Solltest du unglücklich (Liebeskummer, Streit, Zweifel) auf die Reise gehen besteht die Gefahr, dass dich das runterzieht und du die Reise nicht genießen kannst. Kann natürlich auch sein, dass du gut abgelenkt bist und dir keine Gedanken machst, nach einer 10-jährigen Beziehung dürfte das aber nicht so leicht sein.

Du solltest auch nicht zu hohe Erwartungen (Stichwort Lebenstraum) an die Reise haben. Es ist nicht immer alles so, wie man sich es vorstellt.

Wie sieht eure Beziehung denn im Moment aus? Passt sonst alles? Ist das eine „echte“ Partnerschaft, wohnt ihr zusammen, habt ihr Zukunftspläne, seid ihr beide Glücklich, besteht genügend Vertrauen, wirklich ehrlich mit sich und dem Gegenüber zu sein? 

Würde die Möglichkeit bestehen, dass es ohnehin in absehbarer Zeit zu einer Krise kommt? Würde das zusammen Reisen funktionieren, wenn er mitkommen würde? Du kannst dir ein Leben ohne Ihn nicht vorstellen, sieht er es genauso?

Was würde er sagen, wenn du allein los ziehst? Wäre das okay? Hättest du ein schlechtes Gewissen? Könntest du dann die Reise genießen? Würde die Reise (Auszeit) gerade gut in deinen Lebensumstände passen?

Wichtig ist halt, dass ihr ehrlich seid miteinander, nicht dass sich was reinfrisst und aufstaut.

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Katja86

Wow, erstmal vielen Dank für die vielen ausführlichen Antworten in so kurzer Zeit!! Es beruhigt mich ja schonmal ein bisschen, dass ich anscheinend nicht allein mit dem Thema dastehe...bei mir im direkten Umfeld hat noch nie jemand ein Weltreise gemacht, sodass es immer so "verrückt" erscheint. Manchmal kommt mir das so unwirklich vor und ich frage mich, ob ich das tatsächlich durchziehen soll, ob es das wirklich wert ist, sich seit so langer Zeit immer wieder mit Auseinandersetzungen zu konfrontieren. Aber dann denke ich mir wieder, dass man doch nur dieses eine Leben hat, und es doch zu schade wäre, einem Traum nicht nachzugehen, nur weil er nicht "normal" erscheint.

@Frank: Ich bin wirklich froh, zu sehen, dass es auch klappen bzw. zumindest einen guten Ausgang nehmen kann. Das stimmt, Menschen verändern sich sowieso immer im Laufe der Zeit. Ich denke nur, dass sich das auf Reisen sogar noch verstärkt, weil man einfach so viele Erfahrungen macht und vielleicht andere Einstellungen entwickelt, die der andere anschließend nicht nachvollziehen kann, oder? Zumindest hab ich das so erlebt, als ich vor einigen Jahren für 6 Monate ein Auslandssemester gemacht habe, und wir uns nur alle 2 Monate gesehen haben. Anschließend war es schon schwierig. Und während einer Weltreise erlebt man ja noch viel mehr, da man ständig den Ort wechselt..

Deshalb wollte ich gern, dass er mitkommt, und in meiner "Idealvorstellung" reisen wir beide durch die Welt und er versteht endlich, warum ich das so toll finde. Aber das ist wohl Wunschdenken von mir. Es haben ja anscheinend auch schon viele die Erfahrung gemacht, dass es nichts bringt, jemanden, der absolut keine Lust hat, auf eine mehrmonatige Reise "mitzuschleppen". Wir waren zwar schon auf einer 2,5-wöchigen Reise in Südamerika, zu der ich ihn auch überreden musste und die er aber trotzdem nachher toll fand, aber das kann man wahrscheinlich nicht mit mehreren Monaten vergleichen. Er meinte auch schon, dass ihn die Reiseziele, die mir so vorschweben, garnicht reizen.

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es ja das Beste, wenn ich allein reise und er mich besuchen kommt, oder ich sogar mal zwischendurch nach Deutschland zurückkomme, so wie du es gemacht hast, Frank. Wenn man zwischendurch ein paar Wochen miteinander reist, wirkt das hoffentlich zumindest ein bisschen dem "Auseinanderleben" entgegen. Fandest du das war bei euch so? Oder war es trotzdem anschließend sehr schwer, wieder eine gemeinsame Linie zu finden?

Aber leider war das mit dem Alleinreisen und Besuchen ja die Variante, bei der er besonders abgeblockt hat, weil er "keine halben Sachen" machen will. Das kann ich einfach nicht verstehen und er kann oder möchte es mir auch nicht erklären. Eigentlich läuft unsere Beziehung ansonsten sehr gut, wir wohnen auch zusammen, und unternehmen viel zusammen. An sich denke ich, dass Paare nie komplett die gleichen Meinungen und Einstellungen haben können, und manchmal gehen sie stärker auseinander. Aber solange alles andere stimmt, lohnt es sich denke ich, trotzdem zusammen zu bleiben und zu versuchen, in diesen Punkten Kompromisse zu finden.
Also zumindest denke ich das, und ich bin schon enttäuscht, dass er da so garnicht drauf eingeht. Er meinte, meine Vorschläge seien für ihn keine Kompromisse. Für ihn wäre es ein Kompromiss, sich jedes Jahr in 2 oder 3 Wochen Urlaub was von der Welt anzugucken. Er versteht einfach nicht, dass das für mich etwas völlig anderes ist!!

Damals bei meinem Auslandssemester hat er sehr darunter gelitten, dass wir uns solange nicht gesehen haben. Ich denke, aus dem Grund möchte er jetzt nicht nochmal so eine lange Trennung. Und vielleicht hofft er einfach, dass ich garnicht fahre, wenn er sich querstellt. (Was natürlich schon egoistisch ist...) Dass er nur ohne Reise mit mir zusammen bleiben möchte und sich ansonsten von mir trennt, kann ich mir deshalb nicht vorstellen. Aber einfach fahren ohne das geklärt zu haben möchte ich auch nicht, da ich dann - wie vombatus sagt – bestimmt sowieso unglücklich wäre und die Reise nicht genießen könnte :(
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Felicos

Hallo Jeany,

ich sehe das etwas wie "Blume". Eure Vorstellungen davon, wie die nächsten Jahre aussehen, haben sich voneinander entfernt. Er will anscheinend jetzt schon das Modell -sicherer Job, Haus, Hund, Garten, Kind- und du willst den sicheren Hafen verlassen, hinterfragst das Leben, suchst nach dem "Mehr", oder willst dich einfach persönlich weiter entwickeln und etwas von der Welt sehen.

Die Optionen du reist alleine und er besucht dich unterwegs - davon abgesehen, dass er es nicht will - ist nicht Ideal. Eine Freundin hat es ähnlich mit ihrem Partner gemacht und hat ihn bei seinen Besuchen ein wenig als "Fremdkörper" empfunden. Er passte nicht in ihre momentane Welt, kam in der kurzen Zeit nicht mit ihr auf eine Wellenlänge und das alles unter den Vorzeichen, dass er eh in zwei, drei Wochen wieder weg muss. So eine Situation stelle ich mir sehr traurig vor.

Also bleiben eigentlich nur drei Möglichkeiten.
1. Du beendest die Beziehung, deinem Traum zu liebe
2. Du bleibst daheim, deinem Traum zum Trotz
3. Du schaffst es ihn zu begeistern

1. ist keine richtige Option, du sagst schließlich du willst dir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen
2. ist auch keine Option, denn wenn du die Reise nicht machst, steht es immer zwischen euch und wird dich und euch unterschwellig belasten. Und ja, vermutlich wirst du dich später mal ärgern es nicht gemacht zu haben
3. scheint nach dem was du schreibst schwierig oder kaum machbar, aber versuch es trotzdem weiter und eindringlicher. Du kannst ihm sagen, dass er der Mann deines Lebens ist und du genau das mit ihm möchtest, eine Zukunft, ein Haus, Kinder, dem steht ja nichts im Wege, außer, dass ihr es vielleicht 1-2 Jahre nach hinten schieben würdet. Karriere kann er danach noch genauso gut machen. So eine Reise ist kein Knick im Lebenslauf, im Gegenteil!


Wenn ihn die Reiseziele, die dir vorschweben, nicht reizen, dann setz doch dort an bei deinem Kompromiss. Du wirst dich besser mit anderen Reisezielen arrangieren können, als mit gar keinem Reiseziel. Und wenn das am Ende dafür sorgt, dass er sich so ein Vorhaben besser vorstellen kann als jetzt, dann hilft es vielleicht ihm entgegen zu kommen. Unterwegs sieht es vermutlich eh alles noch mal anders aus und die Route kann sich noch zehn mal ändern.

Und wenn er den Urlaub in Südamerika erst nicht wollte und es dann am Ende cool fand, dann kann ich mir gut vorstellen, dass es bei der Reise genau so wäre und es jetzt nur die Ängste sind, die ihn alles ablehnen lassen. Vor allem offensichtlich Angst dich und euer derzeitiges Leben zu verlieren. Der Plan ein Haus zu bauen ist ja nichts anderes als der Plan den jetzigen Zustand zu festigen und die Beziehung verbindlicher zu machen. Mach ihm klar, dass die Reise euch zehn mal mehr zusammen schweißen wird, als hundert Häuser ;)

Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass ihr einen gemeinsamen Weg findet!!

Viele Grüße
Felix



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Dear New York

Da ich gerade das zweifelhafte Glück habe auf mein Visum warten zu müssen schreib ich dir meine Gedanken und Sicht der Dinge. 
Wie du ja geschrieben hast, hast du selber schon die Vermutung, dass dein Freund indirekt versucht dich von deinem Vorhaben abzubringen indem er sich querstellt. Da würde ich mir gut überlegen ob ich meinen Traum für jemanden aufgebe der seinerseits nicht den kleinsten Kompromiss für mich eingeht. Ich persönlich würde aber auch sofort in den nächsten Minibus steigen, wenn mir meine Partnerin sagen würde, dass sie lieber auf ein Haus spart anstatt das Geld für das Leben meiner Träume zu verschwenden. Egal ob meine oder ihre Träume, wenn nur einer glücklich ist, hat man das Ziel einer Beziehung ja irgendwie verfehlt. Klar, soll man sich nicht zu etwas zwingen was man nicht will, aber zumindest einen Kompromiss eingehen ist doch das Mindeste.
Durch meinen Zivildienst habe ich viel mit alten Leuten gesprochen, wenn man ein bisschen nett ist und sich interessiert werden die "grantigen Opas" plötzlich ganz offen und gesprächig. Viele von ihnen sind so geworden weil sie irgendwann mal in ihrem Leben Entscheidungen getroffen haben, mit denen sie im nachhinein nicht glücklich sind. Wenn man dann mal im Altersheim ist weiß man ja, dass das sozusagen die "Endstation" ist und plötzlich hat man alle Zeit der Welt um über sein Leben nachzudenken und alles entweder noch einmal zu genießen oder bitter zu bereuen. Das ist eigentlich auch schon was ich sagen will, stell dir vor wie du in einem Schaukelstuhl sitzt und über dein Leben nachdenkst. Ich möchte mich nicht jeden Tag ärgern müssen. Das gibt zumindest mir den Mut mir meine Träume zu erfüllen auch wenn das bedeutet die angenehme Sicherheit aufzugeben.
Ich könnt jetzt noch viel schreiben, aber im Endeffekt musst du selber wissen was für dich wichtiger ist. ICH würde es auf jeden Fall machen. Wenn eine 10 jährige Beziehung das nicht überlebt, frage ich mich ob es nicht besser ist, wenn sie beendet wird...

Liebe Grüße aus Penang
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Frank!


@Frank: Ich bin wirklich froh, zu sehen, dass es auch klappen bzw. zumindest einen guten Ausgang nehmen kann. Das stimmt, Menschen verändern sich sowieso immer im Laufe der Zeit. Ich denke nur, dass sich das auf Reisen sogar noch verstärkt, weil man einfach so viele Erfahrungen macht und vielleicht andere Einstellungen entwickelt, die der andere anschließend nicht nachvollziehen kann, oder? Zumindest hab ich das so erlebt, als ich vor einigen Jahren für 6 Monate ein Auslandssemester gemacht habe, und wir uns nur alle 2 Monate gesehen haben. Anschließend war es schon schwierig. Und während einer Weltreise erlebt man ja noch viel mehr, da man ständig den Ort wechselt..

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es ja das Beste, wenn ich allein reise und er mich besuchen kommt, oder ich sogar mal zwischendurch nach Deutschland zurückkomme, so wie du es gemacht hast, Frank. Wenn man zwischendurch ein paar Wochen miteinander reist, wirkt das hoffentlich zumindest ein bisschen dem "Auseinanderleben" entgegen. Fandest du das war bei euch so? Oder war es trotzdem anschließend sehr schwer, wieder eine gemeinsame Linie zu finden?



Natürlich ändert man sich und seine Einstellungen zum Leben vielleicht noch etwas mehr wenn man unterwegs ist, aber letztendlich hat diese Veränderung ja schon begonnen als du angefangen hast, den Traum "Weltreise" so langsam in die Tat umsetzen zu wollen. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass es eine gefestigte Beziehung negativ beeinflussen muss wenn ein Partner diese Reiseerfahrung macht und der andere nicht. Du kannst dich genauso zu Hause auseinanderleben, unterschiedliche Interessen entwickeln etc. Ich finde sogar, dass die Erfahrungen, auch wenn sie nur einer von beiden macht, eine Beziehung bereichern können wenn der Partner Interesse an den Erlebnissen und dem Alltag des jeweils anderen zeigt.

Es war zwar schwierig und es gab sehr viel Diskussionsbedarf, aber wir haben die Spielregeln und Vorgehensweise vorher ziemlich genau festgelegt, so dass jeder wusste worauf er sich einlässt und auch verlassen kann. Nichtsdestotrotz war es natürlich immer wieder sehr schwierig Abschied zu nehmen. Aber es hat sich gelohnt.

Wenn man eine Zeit lang voneinander getrennt ist, weiß man einfach die Beziehung auch wieder mehr zu schätzen und so haben wir uns immer gefreut über die Zeit zwischen den Reisen, die wir gemeinsam verbringen konnten. Auch unterwegs waren wir fast täglich via Skype oder whatsapp in Kontakt, so dass jeder an den Erlebnissen des anderen teilhaben konnte. Ich weiß, dass viele der Meinung sind, dass man nicht völlig in die Reise eintauchen kann, wenn man ständig Kontakt nach Hause hat, aber dass war eben auch teil unseres Kompromisses und hat ganz gut funktioniert.

Letztendlich hat bei uns auch jeder darauf gepocht seine Interessen umzusetzen und weil wir wussten, dass wir den jeweils anderen nicht umstimmen können, war ein Kompromiss der einzige Weg.
Deshalb denke ich, dass du deinem Freund einfach absolut klar machen musst, dass für dich die Reise ein extrem wichtiger Punkt in deinem Leben ist und du nicht von der Idee ablassen wirst.
Weiß dein Freund wirklich wie wichtig dir die Reise ist? Kann er mit der Schuld leben, dir einen Lebenstraum zerstört zu haben? Würde er wirklich eine Trennung einem Kompromiss vorziehen?

Ich wünsche dir viel Kraft, Ausdauer und Glück und hoffe, dass ihr eine Lösung finden könnt.  ;)
 
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Degna

Hey Jeany,
wenn ich das alles so lese,drängt sich einfach bei mir der Verdacht auf,dass dein Freund ziemlich dominant ist und zumindest versucht dich auf seinen Kurs zu bringen.

Ich bin fast 50,habe zig Beziehungen hinter mir und bin ,für mich,zu der Erkenntnis gekommen,dass es in einer Beziehung fast immer darum geht,wer langfristig  besser seine Interessen durchsetzt.Letztendlich ist jeder,wie er ist und wenn der Taumel der großen Liebe,mal nach 2,5-3J rum ist und man auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist,kommen die innersten Bedürfnisse,die man immer so gehabt hat und aus Liebe zurück gestellt hat,wieder durch.
Wenn du eigentlich Haus,Familie und Kinder auf deiner Prioritätenliste nicht ganz oben stehen hast,wird diese Beziehung,auch wenn du dich noch so daran klammerst,in die Brüche gehen.

Versuche dich doch mal unabhängig von dieser Reise hinzusetzen und dir zu überlegen,wie du dir eigentlich dein Leben vorstellst: bieder,ausgeflippt,aussergewöhnlich,elegant,mit-oder ohne Kinder,......?????
Und dann überlegst du,ob dieser Mann langfristig in dieses Bild passt.

Ich erinner mich,ich war mal in einer Beziehung,wo ich in jedem meiner Gedanken über Zukunft stets alleine war. Komisch,wo immer ich dran dachte,was in 5,10,oder 15J passieren könnte,war Ken nicht dabei,.........als mir das dann glasklar bewußt wurde,war ich länger in Indonesien,bin mir mal wieder ganz klar über MEINE Wünsche u. Zile klargeworden,......tja und danach kam gleich die Trennung.

Wenn es dir wirklich wichtig ist,mache was du für richtig hälst,heute ist es eine Reise ,die ihm nicht passt,nächstes Jahr will er Stoffcouch und du eine Ledercouch,.... und immer klein beigebn macht unzufrieden.
Lass es knallen,.....genieß das Leben.

Lg Claudia
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weltentdecker

habe zig Beziehungen hinter mir und bin ,für mich,zu der Erkenntnis gekommen,dass es in einer Beziehung fast immer darum geht,wer langfristig  besser seine Interessen durchsetzt.

Also das finde ich überhaupt nicht!! In einer Beziehung geht es eher darum, Kompromisse zu finden, und nicht dass einer dominant seine Interessen durchsetzt. Aber wenn du schon zig Beziehungen hattest, warst du vielleicht selbst auch nicht kompromissbereit.

In einer Beziehung sollten natürlich immer beide Partner auch mal Kompromisse eingehen und oft wächst man auch daran und entwickelt sich weiter, wenn man sich vielleicht mal auf etwas einlässt, was man nicht im Vorhin sooo toll fand. Ich würde definitiv eine 10-jährige (!) Beziehung nicht einfach wegwerfen, weil der Partner keine Lust auf eine Weltreise hat (sollte das der einzige Grund sein). Natürlich würde ich den Traum auch nicht einfach aufgeben, aber versuchen, darauf hinzuarbeiten, dass ich alleine fahren könnte und man sich zwischendurch besucht. Du schreibst ja auch nicht, dass du kein Haus und Kinder willst, sondern nur einfach jetzt noch nicht, was ja auch verständlich ist. D.h. im späteren Leben decken sich eure Erwartungen dann ja auch wieder.

Ich würde also weiter in Ruhe mit ihm sprechen, welchen Kompromiss ihr finden könnt. Die beste Möglichkeit ist wirklich alleine zu reisen und sich zwischendurch zu besuchen.

Und es ist ja nicht selten, dass der Reisewunsch bei einem Partner vielleicht etwas größer ist als beim anderen. Man ist ja nicht geklont und hat immer exakt die gleichen Vorstellungen, das wär ja auch langweilig. Bei mir und meinem Mann bin auch eher ich diejenige, die den größeren Reisewunsch hatte. Mein Mann reist auch gerne, aber von alleine wäre er nicht auf die Idee einer Weltreise gekommen.
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Jessy83

Hey Jeany,
Falls du es in nicht schon in einem anderen Thread gelesen hast, erzähl ich dir hier nochmal wie es bei mir war.

Die Situation war deiner sehr sehr ähnlich. Der wunsch eine längere Reise zu machen, hat schon seit Jahren in mir geschlummert. Das ganze allein zu machen, war irgendwie nie eine echte option für mich. Das habe ich mir nicht zugetraut, habe in meinem Umfeld auch niemanden gekannt, der so was mal gemacht hat. Und mein Freund, der zwar prinzipiell dem Reisen gegenüber nicht abgeneigt war, hat bei dem Thema Langzeitreise immer komplett zugemacht. Wann immer ich das Thema angesprochen hatte über die Jahre, war die Antwort, dass das nicht so leicht sei, wie ich es mir vorstelle, und dass man mal schauen muss usw. 2013 im Sommer war ich dann mit meinem Studium fertig und er fast parallel mit seiner Doktorarbeit. Für mich ein nahezu perfekter Zeitpunkt für beide. Aber je öfter ich das Thema angesprochen hatte, desto mehr hat er zugemacht. Kein Geld, lücke im Lebenslauf, Karriere wichtiger usw. Auch besuchen und teile zusammen reisen war für ihn keine option. Ich konnte da überhaupt nicht an ihn rankommen.
 Irgendwann hatte ich mich dann entschieden alleine liszuziehen. Als Kompromiss zu ihm nur 6 Monate. Wir waren da knapp 7 jahre zusammen. Von dem Zeitpunkt ab, wurde die Beziehung sehr schwierig. Er hat keinen Anteil an meiner Reise genommen und auch keinerlei interesse gezeigt, war ganz klar dagegen, dass ich alleine losziehe. Die Reise wurde regelrecht zum tabuthema, was soweit ging, dass ich Reiseführer und anderen kram jedesmal schnell verschwinden ließ, wem er nach hause kam, weil sonst die eh schon angespannte Stimmung zu eskalieren gedroht hätte. Gleichzeitig war ich natürlich gedanklich völlig von den Vorbereitungen vereinnahmt. Und das ist für eine Beziehung natürlich sehr schwierig und das war auch schon der Punkt, wo wir uns auseinander gelebt haben, nicht erst als ich dann weg war.
Ich hatte das ganz lange nicht wahrhaben wollen, und mir immer eingeredet, dass es so gut gehen würde. Das er es schon noch verstehen würde. Das war aber nicht der Fall. Als ich dann los bin, ging es in den ersten Wochen im Kontakt immer darum wie schlecht es ihm ging, und wie allein er ist. Da war wie zuvor null Interesse am dem was ich so erlebte. Obwohl ich jetzt auf Reisen war, war die Reise immernoch ein Tabu. Nach ca 3 Monaten hat er die Beziehung beendet. Ich war völlig circa dem kopf gestoßen, bin nach hause geflogen und habe mehrere Wochen gebraucht, um mich zu sammeln und mir darüber klar zu werden, was ich jetzt will. Um ihn kämpfen oder weiter reisen?
Letztlich kam ich zum selben Schluss, wie schon vor der Reise: wenn ich es seinetwegen nicht tue und daheim bleibe, dann habe ich die Beziehung für den Moment gerettet. Aber ich wusste auch, dass ich es ihm vorgejalten hätte. Dass ich seinetwegen auf meinen Traum verzichtet habe. Vermutlich hätte ich früher oder später dasselbe von ihm erwartet.
also habe ich zum zweiten Mal fürs Reisen entschieden und bin wieder los. Ohne Zeitlimit diesmal.
Ich muss sagen, dass es in dieser Zeit nicht immer einfach war. Sehr oft habe ich mich gefragt, ob ich das richtige getan habe. Ich habe mich auch oft unglücklich und allein gefühlt, Liebeskummer lässt sich nicht einfach "wegreisen". Insgesamt war ich dann aber 21 monate unterwegs. Zuhause habe ich mich mit meinem exfreund bereits ein paar mal wieder getroffen. Die Reise isz immer noch ein tabuthema. ... er kann damit nicht umgehen.
Doch egal wie schwer es war, und obwohl ich auxh gezweifelt habe: etwas in mir wusste, dass es richtig war, zu gehen. Ich Frage mich heute noch manchmal, ob ich jetzt schon Kinder hätte und verheiratet wäre, wenn ich nicht gegangen wäre. Vielleicht. Vielleicht aber auxh nicht. Entscheidend ist, dass ich keine Minute betreue, dass ich mich fürs Reisen entschieden habe (bin jetzt seit 9 Monaten wieder zurück). Ich habe Viel aufs Spiel gesetzt und auch viel verloren und sehr zu kämpfen gehabt. Aber ich habe auxh so unendlich viel gewonnen in dieser Zeit. An Eindrücken, Erfahrungen, Freunden und Begegnungen und vor allem an persönlicher Entwicklung.

So wie du deine Situation schilderst, ist diese Reise dein Traum. In einer guten, tragfähigen Beziehung sollte Raum und Vertrauen sein für persönliche Weiterentwicklung und das Verwirklichen von Träumen. Ich glaube nicht, dass es auf Dauer funktioniert, dass du dich nicht weiterentwickelst, um dich nicht von ihm zu entfremden...das Leben besteht nunmal aus Entwicklung und auxh davon zu distanzieren, geht nicht auf lange Sicht gut.

Letztlich kann dir die Entscheidung natürlich niemand abnehmen. Versuch dir vielleicht mal die verschiedenen Alternativen vorzustellen (daheim bleiben und nicht reisen dafür Haus kaufen, Reisen und Schwierigkeiten und evtl Trennung) und versuche herauszufinden, wie du dich mit den jeweiligen Vorstellungen fühlst.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie du dich entscheidest und drücke dir die Daumen, dass du die für dich beste Entscheidung triffst!

Liebe Grüße, Jessy
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