Thema: Trockenheit in Kolumbien/Ecuador/Peru/Bolivien. Jemand vor Ort?  (Gelesen 415 mal)

Claudia-to-go

Liebe Reisende,

wir sind derzeit in Santa Marta, Kolumbien und ziemlich erschüttert, wie die Natur hier an der Karibik-Küste aussieht. Alles ist braun und vertrocknet, einzig die Kakteen sind noch grün.

Wir fragen uns, ob es an anderen Orten in Kolumbien sowie in Ecuador/Peru und Bolivien derzeit vergleichbar aussieht, also El Nino überall diese Auswirkungen zeigt. Ist jemand vor Ort und kann uns eine Info dazu geben?

Toll wäre auch zu wissen, wie es derzeit im Tayrona Nationalpark aussieht, denn von hier aus schwant uns nichts Gutes. War jemand in den letzten Wochen dort?

Danke im Voraus und viele Grüße,
Claudia
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farmerjohn1

Zu Sta. Marta/Tayrona kann ich nichts konkretes oder aktuelles sagen. Nur so viel: die kolumbianische Karibik-Kueste hat Wuestenklima - dass es dort trocken ist und v.a. Kakteen gruen sind, ist normal.

Im Deptos. Tolima und Huila war die Situation seit November 2015 bis Anfang Maerz 2016 teilweise sehr kritisch, aehnliches gilt fuer die 'Llanos', die Flachland-Praerie im Osten und die Deptos. Cauca, Valle del Cauca und Nariño - fast kein Niederschlag, Oberflaechengewaesser mit extrem niedrigen Wasserstaenden und sehr heisse Tageshoechstwerte fuehrten zu Rationierungen der Trinkwasserversorgung der Bevoelkerung in mehreren Doerfern und Staedten und zu Problemen in der Landwirtschaft. Mittlerweile regnet es in den kol. Anden wieder normal, d.h. es bestehen soweit ich weiss keine Rationierungen mehr, die Wasserpegel erholen sich langsam.

Fuer Reisetaetigkeiten durch die andine Region Kolumbiens geht aus meiner Sicht momentan von Trockenheit keine Einschraenkung aus.

Mich freut aber der Beitrag von Claudia-to-go.
Denn die Gesamtsituation ist schon behandlungsbeduerftig - die tatsaechlichen (bedrohten) und potenziellen Wasserreservoirs der Bergregionen Suedamerikas sind enorm. Man muss sich vor Augen halten dass alle Fluesse, die durch das Land fliessen und in Pazifik, Atlantik und Amazonas-System muenden, in einer der Kordilleren entspringen. Zudem wird ein Grossteil der Stromversorgung aus Wasserkraft gewonnen.
Hintergruende von solcherlei Wasser-Engpaessen (und auch andererseits von extreme Ueberschwemmungen) sind, ausser 'El Niño/La Niña'/globalem Klimawandel, folgende Faktoren:
*Abholzung der natuerlichen Waelder nicht nur im Amazonas-Tiefland sondern auch in den Bergregen- und Nebelwaeldern der Gebirge bei nicht oder nicht ausreichend erfolgender Wiederaufforstung.
*Brandrodung und ungewollte Waldbraende
*Unklarheiten ueber sinnvolle Trennungen bzw. Kombinationen vonAufforstung mit Plantagenholz versus Aufforstung mit rein oekologischen Zielen
*Bergbausektor, Energiesektor (z.B. illegale Minen mit unkontrollierter Schadstoffabgabe, z.B. Staudammprojekte und oft unzureichende Durchfuehrung von Umweltschutzmassnahmen).
*in einigen Gebieten, v.a. im Cauca-Tal um Cali herum, dauerhaft zu viel Grundwasserentnahme (Grundwasserreservoirs haben keine Zeit sich wieder aufzufuellen)
*Landflucht, Verstaedterung und das schnelle Wachsen urbaner Siedlungen
*Furcht vor Aufforstung zu grosser Waldflaechen (evtl. Verstecke fuer illegale Akteure)


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Brausefee

Hallo!

Ich bin auch gerade in Kolumbien. Ich war zuletzt 3 Wo oben im Norden--also Cartagena, Minca und die Ecke um den Tayrona Park.
Wir waren auch einen Tag  im Nationalpark. Da war es sehr heiß, aber trotzdem schön. Da wir beide keine Fans von Zelten sind, sind wir dort aber nicht geblieben.

Wir haben in der Nähe von Guachaca geschlafen (15 Nächte) und dort gibt es einen Wasserfall, der schon seit 2 Jahren kaum Wasser führt.

Ein anderer Gast meinte, dort würde demnächst die Regenzeit erst beginnen--ich weiß gerade aber nicht, ob das stimmt.

Nun sind wir in Medellin und auch hier ist es ziemlich trocken und auch heiß. Wir hatten erwartet das es hier kühler ist, aber es sind höchstens 5°C weniger.

Im April fängt hier die Starkregen-Periode an.
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Claudia-to-go

Danke schonmal für eure Antworten.

Ja, das Wasserproblem hat tatsächlich sehr viele und sehr unterschiedliche Ursachen. Ich persönlich hätte gar nicht daran gedacht, dass einer Aufforstung der Wälder sicherheitstechnische Aspekte im Weg stehen könnten, aber wenn ich darüber nachdenke ist es absolut schlüssig.

Wir waren heute am Tayrona (rein sind wir wegen Überfüllung leider nicht gekommen), und es sah schon deutlich grüner aus, das lässt hoffen.

Viele Grüße,
Claudia
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