Thema: Erfahrungen mit Uber  (Gelesen 1890 mal)

pad

« am: 08. Februar 2016, 20:34 »
Mich würde interessieren, wer schon Erfahrungen mit der App / dem Transportdienst Uber gemacht hat.

Ich habs kürzlich drei Mal in Brasilia ausprobiert und fand den Dienst sehr praktisch.

Voraussetzungen: Smartphone und Zugang zu Datennetz (lokale SIM-Karte), Uber App und Kreditkarte. Ist man erst mal registriert und eingerichtet, geht's nachher sehr fix.

Wie funktioniert's?
Man wählt Abfahrtsort und Zielort, verlangt eine Preisschätzung und bestellt das Taxi. Anschliessend sieht man auf der Karte, wie sich das Fahrzeug annähert und sieht einen Ankunfts-Countdown in Minuten. Der Fahrer sprach mich dann immer schon mit Namen an, fand ich toll. Man fährt ans Ziel, der Fahrer bestätigt die Ankunft per App, man sieht auf dem eigenen Phone den Preis (wird automatisch abgebucht von der vorher konfigurierten KK) und gibt eine Bewertung ab. That's it.

Meine Erfahrung:
Insgesamt sehr positiv. Fahrpreis günstiger als mit normalem Taxi bei besserem Service. Abholung innerhalb von 3-10 min. Sehr freundliche Fahrer und gute, saubere Autos. Zwei Mal hab ich sogar noch Bonbons und eine Flasche Wasser gekriegt (vielleicht nur in Brasilia so?)

Die Sicherheit scheint mir ebenfalls gut. Man kriegt den Namen und Bewertungen des Fahrers, das Fahrzeugkennzeichen und sieht immer live, wo das Auto gerade ist. Am Schluss kriegt man eine Mail mit der genauen Route, der Fahrer kann also nicht im Kreis fahren und so mehr Geld abstauben. Durch das Bewertungssystem geben sich die Fahrer meiner Erfahrung nach grosse Mühe.

Die Kosten waren immer im unteren Bereich der vorher angefragten Schätzung.

Für eine kurze Fahrt von 2.7 km hab ich 7.3 R$ / 1.9 USD bezahlt. Eine längere Fahrt von 12.8 km kostete 21R$ / 5.4 USD. Angaben für Brasilia, Brasilien.

Zu zweit kommt man da bei kürzeren Strecken in Brasilien auf ähnliche Preise wie beim Stadtbus. Die klimatisierten Executive-Busse sind sogar teurer.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sprachbarrieren kein Thema sind. Der Fahrer kennt das Ziel bereits vorher. In Brasilien jetzt kein riesen Ding, in China beispielsweise sicher sehr praktisch.

Durch die Bezahlung per KK braucht man auch kein Kleingeld - die teilweise nervige Wechselgeld-Problematik entfällt.

Mittlerweile gibts schon recht viel Städte, auch in Asien und Südamerika. Die Liste findet man auf der Uber-Webseite.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und wo?
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Stecki

« Antwort #1 am: 09. Februar 2016, 03:16 »
Erfahrungen habe ich selber noch keine, stehe dem aber mit gemischten Gefuehlen gegenueber. In Staedten wie Zuerich oder New York, wo die Taxiunternehmen die Leute nach Strich und Faden abzocken spricht nichts gegen diesen Service. In aermeren Laendern wuerde ich Uber jetzt nicht unbedingt nutzen. Klar, Taxifahrer sind fast ueberall auf der Welt zu einem grossen Teil Abzocker, aber das Business ist auch sehr hart. Jetzt kommt da noch ein multinationaler Konzern und macht einem die Kundschaft streitig. Ich weiss nicht so recht. Muss aber auch sage dass ich Taxis eher selten benutze.

Man muss auch sehen dass Uber-Fahrer nur einen Bruchteil der Kosten eines Taxifahrers haben, da muesste der Preis eigentlich viel tiefer sein. Aber Uber steckt halt auch ordentlich Kohle ein.
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pad

« Antwort #2 am: 09. Februar 2016, 11:31 »
Hey Stecki

Ich kann deinen Einwand nachvollziehen. Das Taxi-Business ist schwierig zu durchblicken. Ich denke jedoch, dass auch die meisten normalen Taxifahrer ohne Uber einen Teil ihres Umsatzes an irgend einen 'Boss', Firma oder dgl. abgeben müssen. Der Uber-Fahrer ist, soviel ich weiss, in den meisten Fällen selbstständig und arbeitet auf seine Rechnung.

Vielleicht kann man es etwas mir den Buchungsplattformen vergleichen. Sie streichen eine Provision von 15-20% für die Vermittlung ein und haben ihren Sitz ja meist auch im (westlichen) Ausland. Dafür kriegen plötzlich auch Anbieter eine Chance, die es vorher schwieriger hatten (bei den Hotels das Haus in der verwinkelten Seitengasse, wo sonst niemand vorbei kommt). Positiv finde ich weiter, dass durch Bewertungssysteme und viel Transparenz einen grossen Anreiz für den Anbieter besteht, einen wirklich guten Service zu bieten. Wenn das im Taxibusiness dazu führt, dass sich auch die normalen Taxifahrer mehr Mühe geben und ehrlicher sind, freut mich eine solche Entwicklung als Konsument. Man sieht das ja auch in Städten, wo die Taxi-Regeln ganz klar definiert sind (Tarife, obligatorische Aushänge für Tarifzeiten, teils sogar Kameras, sichtbare Lizenz des Fahrers ...). Plötzlich sind die Möglichkeiten, abzuzocken, viel eingeschränkter und die Fahrer werden 'entspannter'.

Ich benutze Taxis auch nicht besonders oft. Das liegt aber nicht nur an den Kosten, sondern an vielen 'weichen' Faktoren.

Ich denke mir z.B: Ein Taxi ist bestimmt sehr teuer, da brauchen wir gar nicht erst zu fragen.

Oder: Wenn ich jetzt ein Taxi anhalte, muss ich es fast auch benutzen. Will ja nicht dumm dastehen (obwohl ich bei einem Wucherpreis natürlich nicht zustimme).

Usw. Oft hemmt mich die nicht vorhandene Klarheit über den angemessenen Preis, die 'Angst', abgezockt zu werden oder die 'Faulheit', nachzufragen, zu verhandeln und ggf. abzulehnen mehr, als es der eigentliche Preis dann tun würde.

Wenn ich hingegen ganz simpel via App einen Preis vorab checken kann, hab ich eine entspannte Entscheidungsmöglichkeit. Mit einem Klick ist das Fahrzeug bestellt, ich warte gemütlich irgendwo im Schatten. Das führt insgesamt dazu, dass ich in gewissen Situationen eher zum Taxi greife oder vlt. einen Ort besuche, bei dem ich vorher mangels praktischer ÖV-Verbindung gar nicht erst hingegangen wäre.

Nicht zuletzt scheint mir diese Art der Vermittlung für beide Seiten recht effizient. Der Fahrer braucht nicht stundenlang irgendwo herumzulungern und Leute anzuquatschen, die Aufträge kommen praktisch 'von selbst' rein.

Ich bin klar noch im Anfangsstadium meiner Erfahrungssammlung, kenne es jetzt ja erst aus Brasilia. Werde es sicher in anderen Städten auch noch testen und dann wieder berichten.
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RETPIG

« Antwort #3 am: 09. Februar 2016, 14:36 »
Hi pad, folgendes möchte ich hier einwerfen:

Wie du schon geschrieben hast, sind Uber Fahrer selbständig während "normale" Taxler in der Regel Arbeitnehmer sind. Das macht womöglich in einem Land wie Brasilien nicht viel Unterschied sein, aber hier bei uns sehr wohl. Damit meine ich alle sozialen Absicherungen, welche Uber-Taxler dann fehlen wie gesetzlichen Urlaub, Kranken-, Pensions-, Arbeitslosenversicherung und so weiter. Stell dir vor, du bist Uber-Taxler in einer Großstadt wie Berlin und die meisten deiner Fahrten sind für Touristen. Jetzt passiert z.B. ein Terroranschlag in Berlin und die Touristen bleiben aus. Ohne Absicherungen ist es dann vorbei mit dir.

Außerdem ist Uber ja kein Fahrdienst, sondern es stellt "nur" den Markt dafür bereit. Wenn jetzt nach und nach die normalen Taxler aussterben während Uber immer größer wird, kommt es zu einer Monopolisierung des Marktes. Ab einem gewissen Punkt kann Uber (kurzfristig) die Gebühren erhöhen ohne irgendeine Konkurrenz zu haben.

Kurz gesagt, solche Dienste wie Uber oder AirBNB sind eigentlich sehr toll, da sie neue Konkurrenz in den etablierten Markt bringen, aber man sollte auch die langfristigen Folgen nicht übersehen.
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pad

« Antwort #4 am: 09. Februar 2016, 19:50 »
Da gebe ich dir absolut recht. In Ländern mit mehr oder weniger vorbildlichen Sozialsystemen trägt der Fahrer eine grosse Eigenverantwortung im Bezug auf allerlei Risiken. Wie du schon sagst, in Entwicklungsländern dürfte der Unterschied nicht so gross sein und hier haben die Leute meist auch ganz andere Sorgen (bzw. tragen generell deutlich mehr Risiken).

Ich kenne die rechtliche Situation jetzt nicht wirklich, vielleicht ist sie auch gar noch nicht so genau geklärt und mit Sicherheit in jedem Land etwas anders. Aber grundsätzlich ist es doch so, dass ich als Selbstständiger immer eine wesentlich grössere Verantwortung trage, mich selbst gegen allerlei Risiken versichern muss und mich um eine Altersvorsorge kümmern sollte. Man muss also mehr verdienen als ein Angestellter und dann eine ganz ehrliche Rechnung machen, um die nötigen Rücklagen zu bilden und Beiträge zu zahlen. Das werden wohl die wenigsten tun, absolut klar. Ein Geheimnis oder eine Überraschung ist es hingegen nicht, als Freelancer läuft das oft gleich.

Genauso tut jeder 'Unternehmer' gut daran, Klumpenrisiken zu vermeiden und versucht, möglichst breit abgestützt zu sein. Es braucht ja nicht mal den von dir erwähnten Terror-Anschlag. Es reicht wohl schon, wenn Uber an der 'falschen Stelle' eine kleine Software-Anpassung macht und daraus 30% weniger Kunden resultieren, weil sich vielleicht eine Sortierreihenfolge oder ein Auswahlalgorithmus geändert hat.

Ich sehe diese Punkte alle ein. Mir geht's jetzt auch gar nicht so drum, ob die Fahrer richtig angestellt sind oder frei arbeiten. Was mich mehr interessiert, ist die technische Möglichkeit, via App ein Taxi zu bestellen und bereits vorher die Kosten grob zu kennen und die Route vorzugeben. Das können auch andere Taxi-Apps, die mit offiziellen Unternehmen zusammen arbeiten. Ist z.B. in Kolumbien recht verbreitet.

Ich glaube aber nicht, dass Uber je die Macht hat, die ganze Taxi-Branche in Bedrängnis zu bringen. Mit eigenen Apps hat diese ja bereits teilweise eine Antwort gefunden und diverse Rechtsstreits werden Uber und viele Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen regelmässig dazu zwingen, Anpassungen vorzunehmen.

Als Konsument freut es mich, wenn der Markt belebt wird und mehr Transparenz in die Geschichte kommt. Genauso sehe ich das auch bei AirBnB. In manchen Ländern, ich finde auch in der Schweiz, tut es den Hoteliers ganz gut, wenn sie mal von ihrem hohen Ross runtersteigen müssen. Andernorts gibt es ein sehr breites, qualitatives Übernachtungsangebot zu guten Preisen, da hat es AirBnB dann auch ganz schön schwer.

Als Konsument und Reisender sehe ich Uber nicht als kompletten Ersatz zum Taxi, sondern als Ergänzenden Dienst und als zusätzliches Tool in meiner 'Werkzeugkiste'. Genauso geht's mir mir AirBnB oder Couchsurfing (und was es sonst noch gibt). Ich finde es toll, eine weitere Quelle zu den traditionellen Angeboten zu haben, wo ich mich nach
einer Unterkunft umsehen kann. Und ich krieg eine schöne Vielfalt und Einzigartigkeit bei den Angeboten, eine willkommene Ergänzung zum teilweise vorherrschenden Einheitsbrei.

Nicht zuletzt finde ich wegen meinem beruflichen Hintergrund und Interesse an Technik solche Modelle spannend und probiere sie gerne aus. Einfach, um neue Erfahrungen zu sammeln. Daher interessiert es mich auch, was andere zu Berichten haben oder wie die Situation in anderen Ländern aussieht.
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Stecki

« Antwort #5 am: 10. Februar 2016, 04:04 »
Pad: Solche Taxi-Apps sind auch in Thailand weit verbreitet.
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pad

« Antwort #6 am: 10. Februar 2016, 12:33 »
Hast du in Thailand eine ausprobiert?

In Bangkok ist es ja manchmal auch nicht ganz so einfach, dem Taxifahrer klar zu machen, wohin man will. Dazu kommt, dass dann einige sogar noch ablehnen, weil sie nicht in die Richtung wollen oder es ihnen da zu viel Stau hat.

Auch auf Phuket, wo es um einige Orte eine ausgeprägte Tuktuk-Mafia gibt, könnte ich mir vorstellen, dass man via App deutlich günstiger kommt. Wobei ich nach Phuket eigentlich eh nicht mehr will ...
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Stecki

« Antwort #7 am: 10. Februar 2016, 14:38 »
Nein, habe ich nicht. In Phuket wurde die Taximafia vor einigen Monaten zerschlagen und rund 100 Personen verhaftet. Ob es was gebracht hat weiss ich nicht. Unter 400 Baht startete dort keiner den Motor und wenn doch hatte es Konsequenzen.
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White Fox

« Antwort #8 am: 10. Februar 2016, 20:52 »
Meine Arbeitskolleginen haben Uber in Manila ausprobiert und waren echt begeistert. Es ist billiger als die normalen Taxis und scheint auch reibungslos zu funktionieren. Selber getraut hab ich mich noch nicht, schließe es aber für die Zukunft auch nicht aus ;)
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Worldonabudget

« Antwort #9 am: 10. Februar 2016, 22:27 »
Ich würde Uber auch gerne mal ausprobieren, bin allerdings aufgrund des Geschäftsmodells immer noch etwas im Zwiespalt. Auf der einen Seite bewerte ich faire Angebote für den Konsumenten immer positiv, aber auf der anderen Seite interessiert sich Uber so gar nicht für rechtliche Rahmenbedingungen oder die soziale Absicherung seiner Fahrer.

Positiv sehe ich eindeutig, dass ich die technische Möglichkeit habe, vorab Strecken und Preise zu recherchieren, da dies oft in "neuen" Ländern mit Lehrgeld verbunden ist. Auch die einfache Verfügbarkeit eines Taxis finde ich gut, und kann auf lange Sicht, auch für entferntere Strecken eine Revolution bringen. Insgesamt bleibt abzuwarten, ob Uber das vorhanden Potential nutzt oder lieber kurzfristig Gewinne maximiert.
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pad

« Antwort #10 am: 10. Februar 2016, 23:14 »
@White Fox
Danke für deinen Beitrag zu Manila. Die Stadt ist ja auch nicht besonders berühmt für faire Taxifahrer. Ich hatte zwei Fahrten vor Ort mit normalen Taxis (vom Flughafen zum Busbahnhof und vom Hotel zum Flughafen) und musste den Taxifahrer jeweils darauf hinweisen, doch bitte den direkten Weg zu nehmen (via GPS nachgeprüft). Der erste Fahrer wollte mich zu einem wesentlich weiter entfernten Busbahnhof bringen, obwohl ich mich damals recht deutlich ausdrückte.

@Worldonabudget
Ich verstehe deine Bedenken. Meine Recherchen haben ergeben, dass es zwischen den Ländern sehr grosse Unterschiede gibt im Bezug auf Lizenzierung der Fahrer, deren Versicherung und Art der Anstellung. Man müsste soziale Bedenken also pro Land oder sogar pro Stadt analysieren.

Hier noch zwei Artikeln:
Zur Schweiz: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/UberTaxi-im-Test--viermal-guenstig-durch-Zuerich/story/15152929

Zu Deutschland: http://www.finanztip.de/uber-taxi-vergleich/

Man findet recht viele deutschsprachige Artikel im Netz, mich interessieren aber auch die eher exotischen Länder.
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hawk86

« Antwort #11 am: 16. Februar 2016, 11:21 »
Habe damals mit der Registrierung einen 20 Euro Gutschein bekommen.

Dubai: vom Flughafen zum Hotel mit uber black. Sehr freundlicher Fahrer, kostenloses Wasser, neues und sauberes Auto.
Einziger Nachteil, dass ich ca. 10 Minuten warten musste. In ein Taxi hätte ich sofort einsteigen können

Manila: Funktionierte ebenfalls problemlos, war aber etwas teurer als ein Taxi.
In der Rushhour fahren die meisten Taxifahrer nur mit Festpreis oder wollen "Meter plus 50 pesos". Zu diesen Zeiten würde ich uber vorziehen, sonst ein reguläres Taxi.

Prag: wollte morgens vom Hotel zum Busbahnhof. Die App meldete, dass kein uber verfügbar ist.

Mumbai: habe über 25 Minuten gewartet, doch der Fahrer hat mich nicht gefunden. Ich konnte in der App verfolgen, wie er wirr umher fährt. Habe dann storniert und ein Taxi genommen. Uber hat eine Stornierungsgebühr berechnet, welche mir, nach Beschwerde per email, wieder gutgeschrieben wurde.

Wenn immer es die Möglichkeit gibt, ein Meter-Taxi zu bekommen, ziehe ich dies uber eindeutig vor.
Uber werde ich weiterhin nur in Ausnahmefällen nutzen.
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pad

« Antwort #12 am: 21. Februar 2016, 21:11 »
Danke hawk für deine Erfahrungsberichte. Gut, auch mal etwas Kritisches zu hören.

Wie versprochen von mir noch Erfahrungen aus Rio de Janeiro:
Wir hatten insgesamt 5 Fahrten mit Uber in der Stadt. Mein Gesamteindruck bleibt weiterhin sehr gut, ich habe aber auch ein paar negative Aspekte bemerkt.

Sehr Positiv: Alle Fahrzeuge waren wirklich sehr, sehr sauber und in top Zustand (praktisch neu). Die Fahrer waren immer äusserst nett und freundlich. Praktisch immer waren Bonbons und Wasser im Auto gratis verfügbar. Kein Fahrer hat versucht, absichtlich Umwege zu fahren, weil das auch sofort auffliegen würde. Ein himmelweiter Unterschied zu normalen Taxis.

Sehr Positiv: Der bezahlte Preis war stets sehr fair und 30-50% unterhalb eines Taxis mit Meter (haben wir vor Ort ebenfalls benutzt). Beispiel: Ipanema-GIG Airport, mehr als 30km für 48 Reales (12 USD). Ein Meter-Taxi kostet fast das Doppelte, Fixpreise teils sogar deutlich mehr. Wirklich günstiger kommt man auch in BKK nicht im Taxi zum Airport. Besonders günstig ist Uber in Rio durch den tiefen Zeittarif bei Stau und Wartezeiten.

Mittelmässig: In Rio war es nicht immer möglich, ein Uber Taxi zu finden. Manchmal kam die Meldung, dass zur Zeit keine Fahrzeuge verfügbar sind. Der Dienst scheint in Rio auch bei Locals sehr beliebt zu sein. Ich konnte einige Leute beobachten, welche die App verwendet haben. 2-3 Min. später kann es schon wieder viel besser funktionieren, man sollte also nicht direkt aufgeben, wenn man kein Stress hat oder für eine längere Strecke sucht. Im Zentrum, Copacabana, Ipanema und Co. findet man immer ein Fz, in den weniger beliebten / zentralen Quartieren wird es schwieriger.

Positiv: Unsere Unterkunfts-Adresse war nicht sehr einfach zu finden und diese einem Taxi-Driver zu erklären, hätte mit Sicherheit oft längere Rücksprachen erfordert. Via App geht das deutlich einfacher.

Nicht so toll, dann aber positiv: Ein Fahrer hatte trotz Navi Mühe, unsere Adresse zu finden und ist insgesamt 3-4x falsch abgebogen und im Kreis gefahren. Es war keine Absicht, aber er war sichtlich nicht besonders ortskundig und weniger talentiert im Umgang mit dem Navi. Auch beim Pickup war der Fahrer schon erst an uns vorbei gefahren. Weil diese zusätzlichen km den Preis schon merklich beeinflussten, wollte ich an dieser Stelle die Support-Funktion testen. In einer kurzen Nachricht hab ich auf den Umstand hingewiesen und einen Preisnachlass von 30% verlangt. Innert 6 Stunden hatte ich eine freundliche Antwort und der Preis wurde ohne weitere Nachfrage um ca. 45% reduziert. Bei einem normalen Taxi ginge sowas wohl nur mit sehr viel Verhandlungsgeschick oder einem wirklich einsichtigen Fahrer.

Mittelmässig bis mühsam: Uber kennt ein dynamisches Preismodell. Bei hoher Nachfrage steigt der Preis schnell, darauf wird man direkt in der App hingewiesen und kann dann akzeptieren oder ablehnen. Es kann echt steil werden, bis zu 3x teurer. Hier ist ein Taxi mit Meter klar billiger (lässt sich aber genau in diesem Moment eben auch nicht einfach finden). Die Tarife bleiben jeweils nur für ein paar Minuten so hoch, wer geduldig ist, kommt wieder günstiger weg. Wir hatten zwei Nachmittagsgewitter mit Platzregen, da wollten plötzlich alle ein Taxi und man konnte den Preis-Anstieg schön beobachten. Einmal hab ich aus Ungeduld den 1.3 fachen Tarif bezahlt, was immer noch günstig war.

Zu beachten: Die Driver fahren grösstenteils stur nach Navi. Das ist funktioniert meistens einwandfrei und berücksichtigt auch aktuelle Verkehrsinfos (Stau). Andererseits ist gerade in Quartieren mit vielen Einbahnstrassen die "Flexibilität" und "Spontanität" mancher Taxifahrer schon hilfreich, mal ein paar Meter den Rückwärtsgang einzulegen oder rasch halblegal eine Strasse zu queren, um einen längeren Umweg über mehrere Blocks einzusparen.

Smarte Nutzer überlegen sich gerade in solchen Quartieren / Orten besser vor dem Bestellen, auf welcher Strassenseite sie warten wollen, weil das schon einen bemerkbaren Preisunterschied hervorrufen kann.

Mein Fazit: Wo die Verfügbarkeit gut ist und der Preis nicht durch die dynamische Gestaltung höher als normal, ist uber für mich deutlich besser als ein Taxi (ehrlicher, sauberer, freundlicher, günstiger, besseres Gesamterlebnis). Wo die Taxi-Fahrer auch sonst freundlich und ehrlich sind und Meter-Preise ohne stetiges Nachfragen die Norm sind, kann man getrost ein Taxi nehmen, zahlt halt ein wenig mehr.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das dynamische Preismodell weiter entwickelt. Hier kann Uber natürlich extrem rumschrauben und das Maximum für sich herausholen. Aber auch der Kunde hat durch Aktionscodes, Weiterempfehlungen und Gutscheine Möglichkeiten, noch günstiger zu kommen.
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Dumeklemmer72

« Antwort #13 am: 27. Februar 2016, 22:43 »
Hallo zusammen,

spannendes Thema. Taxifahrer gehören nicht gerade zu meinen Lieblingsbegegnungen.

Mir scheint hier der Sicherheitsaspekt auch eine nicht unwichtige Rolle zu spielen. Immerhin ist die Fahrt, wie der Fahrer und letzlich auch der Fahrgast nachvollziehbar.

In einigen Gegenden sind Taxifahrer ja die reinste Katastrophe.
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Jef Costello

« Antwort #14 am: 28. August 2016, 16:18 »
Ich hab Uber in Südamerika überall benutzt, in den Großstädten täglich mehrmals. Die Preise sind so günstig dass es sich eigentlich gar nicht lohnt ein paar Blocks zu laufen. Normalerweise nehme ich immer UberX, bei UberBlack kommen jetzt keine besonderen Autos. In Brasilien gab es meist Wasser oder Bonbons gereicht. In Argentinien gab es meist eine SMS oder Anruf, man solle vorne einsteigen. Der Service war dort gerade erst angelaufen und es gab massiven Protest der Taxifahrer. Dort waren die Fahrer am nettesten, einer hat mir sogar seine Vereinskarte geliehen damit ich mir billiger Tickets kaufen konnte. In Peru waren die Preise im Vergleich zu den Taxis kaum billiger. In Kolumbien hingegen so billig dass ich mich frage, wie das profitabel sein kann. In Cali beispielsweise eine Fahrt von meinem Hostel ins Zentrum bei $4.000, was nicht mehr als 1€ und ein paar Cent ist. Fahrtdauer 7 Minuten. Meine 1,5 stündige Fahrt zu einem Aussichtspunkt hat mich 10€ gekostet. Da schämt man sich schon ein bisschen.

Ich hab kein Problem ein Taxi zu nehmen, aber in Südamerika waren die Taxifahrer immer sehr schnell unterwegs und manchmal hat man schon das Gefühl, abgezockt zu werden (Bogota Flughafen ins Zentrum wollten sie mir 50.000 berechnen). Außerdem ist die Fahrt mir Uber viel entspannter, weil ich nicht dauernd auf das Meter schauen muss. Bis auf Peru war es zudem deutlich günstiger als ein Taxi.
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