Thema: Roller mieten als Fahranfänger in SOA?  (Gelesen 658 mal)

Crung

« am: 28. November 2015, 05:49 »
Hallo zusammen,

wir sind aktuell in SOA unterwegs und haben uns überlegt uns einen Roller zu mieten um mal etwas raus zu kommen.
Soweit so gut und ja auch überall möglich.
Nun haben wir das Problem, dass wir noch nie auf einem Roller saßen, sprich wir haben absolut keine Fahrpraxis.
Daher nun folgende Fragen:

1.) Wenn man nun nicht gänzlich unbegabt ist, wie schwer kann es sein unfallfrei auf einem Roller sich fortzubwegen?
2.) Auf was muss bei einer Anmietung geachtet werden? Reifenprofil, Bremsen, was noch?
3.) Man hört ja immer die "Kratzer-Abzockgeschichten". Sprich der Vermieter macht sein Geld damit, dass man für Schäden zahlen soll, die man nicht verursacht hat. Wie

weit ist denn diese Masche verbreitet? Oder sind das eher vereinzelte schware Schafe?
4.) Welche weiteren Tipps könnt ihr uns geben?

Viele Grüße
Crung

P.S.: Ich meine hier mal einen ähnlichen Thread gesehen zu haben, aber finde über die Suchfunktion nichts mehr.
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serenity

« Antwort #1 am: 28. November 2015, 11:57 »
Als absoluter Fahranfänger würde ich dir ganz entschieden davon abraten, in SOA mit einem Motorroller zu fahren!
Erstens ist dort in vielen Ländern Linksverkehr - da muss man sich auch erst mal dran gewöhnen. Außerdem ist der Verkehr oft absolut irre und - vor allem in Thailand, Vietnam und Indonesien - gelten Verkehrsregeln und rote Ampeln im Grunde nur als unverbindliche Empfehlungen. Heißt im Klartext: Kaum jemand hält sich dran.

In Thailand kommen dir oft "Geisterfahrer" entgegen, es wird abgebogen, ohne zu blinken - und wenn du dann auf dem Streifen ganz außen fährst, wirst du gerne übersehen ...

Und noch was - habt ihr überhaupt einen Führerschein dabei? Auch einen internationalen??? Da fragt zwar beim Verleih kein Mensch danach, aber falls ihr in eine Kontrolle kommt oder einen Unfall hat, kann das sehr unangenehm für euch als Ausländer werden. Denn bei Unfällen hat der Farang erst mal grundsätzlich die Schuld .... bis er das Gegenteil beweisen kann, was nicht einfach ist.

Last but not least - in praktisch keinem Land in SOA gibt es einen Versicherungsschutz für Motorroller - auch wenn euch das vielleicht jemand weismachen will. Falls also wirklich was passiert, haftet ihr ganz persönlich - und das kann teuer werden.

Falls ihr es aber absolut nicht lassen könnt, solltet ihr wenigsten einen Roller mit Automatik nehmen - denn wenn ihr auch noch Schalten lernen müsst und euch evtl. mal an einem Hang verschaltet, ist der Sturz schon vorprogrammiert.
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arivei

« Antwort #2 am: 28. November 2015, 13:10 »
Der Verkehr ist (teilweise) irre. Dazu kommen schlechte Straßen/Wege - bei Regen ist das schnell gefährlich.
Mein Freund hat seit vielen Jahren einen Motorradführerschein und trotzdem war das fahren für ihn in Thailand und auf Bali z.T. echter Stress.

Ich muss gestehen, dass ich auch das erste mal in Asien Roller gefahren bin - allerdings auf Koh Yao Noi, einer Insel mit 2 Straßen und sehr wenig Verkehr, und erst nach einer Einführung durch meinen Freund und ein paar Tests auf einer Nebenstraße - natürlich mit einem Automatikroller. Meine Erfahrung: es war für mich selbst unter diesen einfachen Bedingungen schon stressig. Enge Kurven, plötzlicher Gegenverkehr auf der eigenen Spur, schlechter Fahrbahnbelag...
Ich bin ausschließlich allein gefahren. Mit 'Beifahrer' oder Gepäck stell ich es mir nochmal viel schwerer vor, da man auch noch die (besonders in Gefahrensituationen) unberechenbaren Bewegungen des Anderen ausgleichen muss.

Mein Fazit: Wenn schon, dann nur in einem Gebiet mit wenig Verkehr, nur auf asphaltierten Strecken, nach einer 'Fahrstunde', und ohne Beifahrer

Der Autoführerschein in D berechtigt auch nur zum fahren von gering motorisierten Rollern mit 45km/h Maximalgeschwindigkeit. Wenn du mit einem Gefährt für das du keinen Führerschein hast unterwegs bist und einen Unfall hast könnte ich mir sogar vorstellen, dass die Krankenversicherung zicken macht und wenn auch noch andere zu Schaden kommen auch rechtliche Konsequenzen zu erwarten sind. (wie die Verfügbarkeit von 'langsamen' Mietrollern so ist weiß ich nicht)

pad

« Antwort #3 am: 29. November 2015, 04:08 »
Ich bin in der Schweiz während etwa drei Jahren Roller gefahren und hab es darum auch in SOA oft gemacht. Ob ich es ohne diese Erfahrung auch gemacht hätte, lässt sich jetzt schwierig einschätzen. Wenn, dann sehr vorsichtig angehen.

Versicherung gibt es höchstens in Malaysia nach allem was ich gesehen habe.

Wie bereits erwähnt, erst mal etwas auf dem Land üben. Nicht den ersten Roller im Stadtzentrum anmieten. Nicht bei Nacht fahren, nicht von anfang an zu zweit oder mit viel Gepäck. Erste Versuche nicht bei Regen. Lange Hosen tragen, Helm mit Visier (ist aber oft total verkratzt) oder sonst Sonnenbrille und bei Staub ein Tuch dazu.

Geschwindigkeit tief halten. Viele Locals fahren auch gemütlich. Rasen tun leider vor allem die unerfahrenen Ausländer gerne. Touri-Hochburgen daher eher meiden mit dem Roller (z.B. Ko Samui).

Hohe Geschwindigkeiten sind auch auf dem Land heikel, da die Strasse plötzlich sehr viele Schlaglöcher haben kann.

Automatik ist in Vietnam, Thailand und Malaysia sehr verbreitet. In Laos, Indonesien und den Philippinen etwas weniger. Wenn immer möglich Automatik nehmen, auch viel praktischer wenn man einen kurzen Fotostopp etc. machen will. Manchmal kostet das einen kleinen Aufschlag.

Achten auf:
Bremsen / Bremsbelag, Lenkung, Anlasser / Zündung / Batterie, Schlüssel / Zylinder (manchmal total verwürgt), einen Helm der auch ein Band hat, das man schliessen kann, Benzinstand (Tank meist leer, aber wenigstens zur nächsten Tanke sollte es reichen). Reifen sind oft schlecht, aber ein wenig Profil sollte schon sein. Tacho, Anzeigen und auch Licht funktionieren oft nicht.

Lasst euch erklären, wie man den Tankdeckel / Sattel öffnet, da gibt es ein paar verschiedene Systeme.

Die Abzocke mit dem Kratzern ist eine fiese Masche, aber jetzt nicht sehr verbreitet. Ich miete lieber Roller an, die schon etwas gebraucht aussehen. Im Hotel fragen ist auch nicht schlecht, wenn man dem Personal dort vertraut. Vorsicht ist geboten, wenn die Roller brandneu oder uralt sind.

Bei der Übergabe die Maschine genau anschauen. Wenn ich skeptisch / unsicher bin, mache ich gleich in Gegenwart des Vermieters ein paar Fotos. Das zeigt dem Vermieter schonmal, dass man dich nicht so einfach verarschen kann.

Immer nach einer Visitenkarten / Tel. Nr. fragen, damit du bei Problemen anrufen kannst.

Denn Pass musst du in vielen Ländern als Depot abgeben. Ich versuchs immer erst mit einem anderen Ausweis, aber manche sind da sehr strikt. In Vietnam oder teils Kambodscha und China behält das Hotel schon den Pass, darum gehts hier auch ohne.

Städte wie Saigon, Hanoi oder Bangkok würde ich meiden mit dem Roller. Gleiches gilt für sandige Strassen, z.B. auf sehr kleinen Inseln wo es gar keine Autos gibt.

Ein Smartphone mit Offline-Maps hilft bei der Navigation.
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Brausefee

« Antwort #4 am: 29. November 2015, 15:18 »
Hallo,

ich möchte dazu schreiben, daß Ihr natürlich als Fahranfänger evt. schneller einen Unfall bauen könntet und dann müsst Ihr alles selber zahlen. Versichert ist hier nichts.
Bin auch gerade in SOA unterwegs und wie schon von anderen geschrieben: manche fahren wie die allerletzten Henker.

Wir machen übrigens immer von allen Seiten und vorhandenen Schäden Fotos mit dem Handy ;) Direkt vor deren Augen. ;)

LG aus Kambodscha (dem Land der schlechtesten Fahrer^^)
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gracy

« Antwort #5 am: 29. November 2015, 20:56 »
SOA ist groß, kommt sehr drauf an, wo ihr fahren wollt. Bin das erste Mal Roller gefahren im Norden von Laos, ländliche Gegend, das war sehr entspannt und überhaupt kein Problem.

In den großen Megacities würde ich auf gar keinen Fall selbst fahren, also jedenfalls nicht als Anfänger!
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White Fox

« Antwort #6 am: 30. November 2015, 09:01 »
Viele sitzen in SOA zum ersten Mal auf nem Roller, aber ich wuerde das selber nicht machen, ist mir zu riskant. Vor allem wenn man sieht wie die Einheimischen fahren. Lieber nicht.
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Trabbee

« Antwort #7 am: 30. November 2015, 09:08 »
Bin selbst in Thailand auf Koh Lanta zum ersten Mal mit einem Roller gefahren. Es ging (trotz einigem Verkehr). Die erste halbe Stunde war stressig, danach mehr und mehr entspannter. Würde dir also nicht gänzlich davon abraten (kommt auch drauf an was du dir zutraust), aber würde empfehlen auf wenig befahren Straßen zu fahren. Vllt nicht grade in bangkok anfangen :D.
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Crung

« Antwort #8 am: 15. Dezember 2015, 06:28 »
Wenn man einen Thread aufmacht, sollte man auch zeitnah auf Rückfragen und Meinungen antworten  ::)

Erstmal gehen die Meinungen grob gesagt von "Bloss nicht" bis zu "Versuchs halt" weit auseinander.

Um mal ein paar Fragen zu beantworten:
1.) Int. Führerschein haben wir beide dabei
2.) Mit dem Linksverkehr haben wir in diesem Jahr auf den Seychellen Erfahrung gemacht. Klar das Verkehrsaufkommen ist gegen SOA ein Witz, aber gedanklich hatten wir keine Probleme mit dem links fahren.
3.) Ohne Helm und ohne Automatik würden wir uns nie auf einen Roller setzen.
4.) Klar würden wir erstmal irgendwo in ländlichen Gebieten fahren bei gutem trockenen Wetter und nicht bei strömenden Regen in BKK  ;)

Aktuell würde uns das Bolaven Plataeu interessieren. Aber hier stehen auch noch seinge Recherchen an.
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Hawk

« Antwort #9 am: 15. Dezember 2015, 06:59 »
Ich bin Zuhause bereits ~12.000 km mit meinem Roller unterwegs gewesen. Die Erfahrung kommt mir hier natürlich sehr gelegen. Auch wenn vieles komplett anders tickt hier im Verkehr, weiß ich dadurch aber wie sich ein Roller/Moped in gewissen Situationen verhält oder worauf ich auf der Straße schauen muss und wann ich besonders aufpassen muss. Das hilft mir aktiv hier das Risiko zu senken.

Viele Leute sagen aber immer, die Einheimischen sind passiv das größere Risiko. Das sehe ich ein wenig anders. Habe einige Leute mit Unfällen getroffen und es waren zumeist Anfänger. Gemessen am Zustand der Straßen, der Fahrzeuge, der mangelhaften fahrtechnischen Ausbildung, der nicht vorhandenen Kontrollen durch Polizei, der Überladung der Fahrzeuge mit Leitern etc. finde ich, dass es halt doch "irgendwie" noch ganz ordentlich funktioniert hier mit den Einheimischen. Man muss sich eben anpassen an den Verkehr. Daher noch ein paar (noch nicht genannte?) praktische Hinweise:

1) Mach keine (zu) hektischen Bewegungen, wenns von links oder rechts durch andere Fahrzeuge "eng" wird. Versuch lieber gerade im Fluss zu bleiben und drossel langsam (!) die Geschwindigkeit und lass dich zurück fallen.

2) Achte auf Hup-Geräusche von hinten, du wirst überholt. Hupe auch selbst, wenn du nicht sicher bist, dass der Vordermann dich sieht. Oder vor scharfen Kurven. Teilweise stehen da auch schilder, wo dies ratsam wäre (z.B. Chiang Mai)

3) Bergab nicht nur mit Vorderbremse bremsen. Ich nehme immer beide. Gewicht nach hinten verlagern, wenn sehr steil (z.B. Koh Chang).

4) Feste Schuhe: Du musst teilweise auch ordentlich Beinarbeit verrichten um die Balance zu halten, FlipFlops sind mir dabei zu rutschig/wenig robust - insbesondere bei längeren Touren oder in Großstädten.

5) Konzentriere dich echt auf die Straße. Split, Schlaglöcher, Feuchtigkeit, Tiere werden mal da sein, mal nicht. Straßenverhältnisse können schnell wechseln. Ich finde, wenn man die Straße gut liest, geht man vielen Gefahren aus dem Weg.

6) Mach mal ne Pause bei längeren Touren. Bei 30-40 Grad, voller Sonne und dem von arivei angesprochenen Stress im Verkehr hier, hilft es mal durchzuatmen und trink ausreichend.

Allzeit sichere Fahrt!
 
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