Thema: Vom Angestellten zum Unterwegs-Freelancer in der gleichen Firma?  (Gelesen 886 mal)

reisende

Hallo,

ich habe eine geniale Idee. Ich kündige. Aber nicht nur, dass ich kündige. Ich verdiene weiterhin Geld. In der gleichen Firma. Ich reise und arbeite von unterwegs für die Firma, mache meine Aufgaben wie bisher (eventuell weniger Stunden, damit mehr Zeit bleibt da zu sein, wo ich gerade bin), und bin dann keine Angestellte mehr, sondern biete meine Arbeitszeit als Freelancer an, stelle die gearbeiteten Stunden der Firma danach in Rechnung.

Ich finde die Idee immer großartiger. Denn dann bräuchte ich mir gar keine Gedanken mehr um Geld zu machen. Alles, was ich verbrauche beim Reisen, würde gleich wieder reinkommen. Und somit bleibt mir sogar das Gesparte noch, um damit später was anderes zu machen.

Jetzt kommt der Haken. Ich habe keinen Plan von Selbstständigkeit. Ich kenne weder die Gesetze, noch, was ich als Stundenlohn abrechnen kann und darf.

Ich arbeite in der IT. Ich arbeite seit 7 Jahren für die gleiche Firma. Seit einigen Jahren in Teilzeit (32 Stunden). Sie kennen mich, ich kenne sie. Ich will aber den Winter nicht hier verbringen. Und ich will diesmal nicht nach dem Reisen zurückkehren (es ist Auswandern angesagt! oder zumindest für einige Zeit im Ausland arbeiten). Die ersten Monate werde ich nur reisen und nirgendwo im Ausland nach Arbeit suchen. Es wäre super, bei meiner alten Firma weiter machen zu können, wenigstens für ein paar Monate. Wäre auch eine Möglichkeit, mich beruflich fit zu halten sowie mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben. Außerdem gibt es derzeit spannende Projekte, an denen ich durchaus gerne weiter arbeiten würde.

Hat jemand Erfahrung damit, aus einem Angestellten-Verhältnis zu einem Freelancer-Verhältnis mit der gleichen Firma zu kommen? Wo könnte ich mich außerdem über die Gesetzeslage und Stundenlohnsätze informieren?

Danke und Grüße,
die in Gedanken schon reisende... ;)



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Litti

Kenne mich mit Selbständigkeit leider nicht aus, komme aber auch aus der IT.

Auf die Frage, die vermutlich den meisten bei so einem Vorhaben als erstes schießt, bist du gar nicht eingegangen: Glaubst du dass deine Firma ein Interesse an so einem Arbeitsverhältnis hat? Habt ihr vielleicht Leute die von zu Haus aus arbeiten oder vielleicht sogar aus dem Ausland? IT-Firmen sind natürlich oft etwas anders, und als Arbeitnehmer ist hier das schöne dass man dem Arbeitgeber sehr selbstbewusst gegenüber treten kann. Trotzdem vermute ich dass selbst in der IT sowas nur sehr selten Zustimmung finden würde.

Denke also dass das Ganze nur sekundär eine Geldfrage ist. Aber einen ersten Aufschluss über den Stundenlohn könnte dein Bruttolohn + die Lohnnehbenkosten deines Arbeitgebers sein (das kannst du auf diversen Webseiten ausrechnen lassen). Und da würde ein normaler Selbständiger vermutlich nochmal ordentlich draufschlagen, denn finanziell muss er sich ja plötzlich um vieles selbst kümmern. Auch Ausgleich für die Gefahr von Auftragsflaute wird üblicherweise einkalkuliert. Urlaubsgeld gibts auch keines mehr.

Ansonsten kann man sich in das Thema Selbständigkeit glaube ich leicht einarbeiten, habe schon genug Leute vor dir geschafft.

Eine andere Überlegung die mir so schießt: Es klingt schon etwas unfair deinen Arbeitgeber zu so einem Experiment bewegen zu wollen wenn du dich eigentlich eh schon bei einer anderen Firma im Ausland siehst. Da kannst du leicht verbrannte Erde hinterlassen.

Ganz andere Frage ist natürlich: Wie wirkt sich die Arbeit aufs Reisen aus? Im Grunde würdest du vermutlich gar nicht wirklich "selbständig" sein sondern das abliefern was dein Arbeitgeber dir sagt, wann er es sagt.
Ich kann mich nur an die 2 Wochen in Thailand dieses Jahr am Strand erinnern, an denen ich sehr intensiv an einer Bewerbung für ein Programm in den USA gearbeitet habe (Telefoninterviews, italki-Sessions mit Sprachlehrern, programmieren an Code-Katas, internationaler Lebenslauf...). An manchen Tagen habe ich es nicht mal zum Strand geschafft, obwohl unser Bungalow keine 20 Meter entfernt lag. In dem Moment hat es für mich wirklich keinen Unterschied gemacht dass ich eigentlich im Urlaubsparadies war, genießen war nicht drin.

Im Zweifelsfall, und wenn das Geld reicht, würde ich mich immer gegen Arbeit während der Reise entscheiden.
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reisende

Es gibt in meiner Firma viele externe, und einige davon arbeiten nicht bei uns - allerdings in der gleichen Stadt, und sie kommen auch 2 mal die Woche vorbei. Das würde in meinem Fall wegfallen. Meetings wären nur noch per Video-Konferenz möglich.
Meine Idee ist, dass ich 20 Stunden pro Woche Zuarbeit zu dem aktuellen Projekt mache. Damit bliebe mir noch genügend Zeit zum Dinge-Tun-Die-Man-In-Dem-Jeweiligen-Land-Tut. Ich stecke bereits in dem Projekt drin. Das Projekt endet Anfang nächsten Jahres. Daher glaube ich, dass ich eine reale Chance habe, das durchzusetzen. Für ein paar Monate zumindest. Ob wir danach so weitermachen, ist für mich erstmal fraglich. Aber 3-4 Monate würde ich es gerne tun.

Es gibt bei uns auch Mitarbeiter, die mal tageweise von zu Hause arbeiten aus verschiedenen Gründen - ohne verherige Absprache, und bisher hat sich darüber noch nie jemand beschwert.
Wir arbeiten auch mit einer externen Firma zusammen, mit der die Kommunikation fast ausschließlich über Video-Konferenzen passiert.
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Mooni

Ich würde erst das Gespräch suchen und die Möglichkeiten mit deinem Arbeitgeber besprechen bevor du kündigst. Ich denke das ist die bessere Reihenfolge.
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reisende

Ja, mein Plan ist, Anfang August mit meinem Vorgesetzten, der dann aus dem Urlaub zurück ist, über die Kündigung und mein Vorhaben zu reden. Dann hat er bis Ende August Zeit, mir ggf. Gegenvorschläge zu machen. Ende August ist die Kündigung eingeplant. Dann kann ich ab Dezember reisen. :)
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serenity

Also wenn deine Firma mitmacht, wird sie auch nicht auf irgendwelche Kündigungsfristen bestehen, sondern ggf. mit dir einen Aufhebungsvertrag abschließen. Auch für das neue Arbeitsverhältnis muss ein Vertrag geschlossen werden, ein Werkvertrag, in dem geregelt wird, was dir gezahlt wird, wozu du und die Firma verpflichtet sind usw.

Muster für Werkverträge/Freie Mitarbeit gibt es z.B. bei den IHKs - z.B. hier http://www.frankfurt-main.ihk.de/recht/mustervertrag/freie_mitarbeiter/index.html

Wichtig für die Selbständigkeit (ich gehe mal davon aus, dass wir über Deutschland reden!): Du musst u.U. Umsatzsteuer zahlen - hol dir also vorher beim Finanzamt eine Umsatzsteuer-Nummer oder beantrage die Befreiung, falls du voraussichtlich unter den Grenzwerten liegst. Denn Umsatzsteuer muss immer sofort, also monatlich, abgeführt werden - da kann man sehr schnell ungewollt zum Steuerhinterzieher werden! Hier ein Link zum Formular für die Anmeldung einer selbständigen Tätigkeit https://www.formulare-bfinv.de/printout/034250.pdf

Was den Stundensatz angeht - nimm deine derzeitige Bruttovergütung (inkl. aller Arbeitgeber-Anteile) und teile sie durch die Zahl deiner Monatsstunden. Schlag dann 15% drauf (für Urlaubsabgeltung) - das wäre dann so in etwa das, was du verlangen solltest. Oder frag in deiner Personalabteilung nach, welche Stundenvergütung ein Externer bekommt - kannst ja so tun, als würdest du dich für einen Freund erkundigen.
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