Thema: Sinnvolle und weniger sinnvolle Kompromisse beim Klamottenkauf  (Gelesen 1666 mal)

ThePianist27

Hallo zusammen,

Ich tu es mir auch bei der Wahl der Kleidung sehr schwer, mich zu entscheiden. Ich war bereits in diversen Outdoorgeschäften und bin oft unverrichteter Dinge wieder heimgekehrt. Karoshi hat ja geraten, aufzupassen, nicht in einen "Kaufrausch" zu verfallen, bei mir ist es jedoch eher umgekehrt - am liebsten würde ich die Reise ohne irgendwelches Specialzeugs angehen, ganz ohne ist aber wahrscheinlich wenig klug.

Nun meine Frage: Bei welchen Kleidungsteilen macht es Sinn, budgettechnische Kompromisse einzugehen und bei welchen Kleidungsstücken sollte man auf jeden Fall nicht sparen?

Ein Beispiel: Als ich das letzte mal im Laden war, meinte der Verkäufer, dass ich bei der Regenjacke auf gar keinen Fall sparen dürfe. Da sollte ich mir eine ordentliches Mittelklasse Modell für ca. 240 Euro schon zulegen und dafür an anderen Teilen (bspw. Unterwäsche) sparen. Ein anderer Verkäufer in einem anderen Laden meinte, dass es die Regenjacke für 100 Euro auch tut, dass ich eh nass werden würde, wenn es regnet und es das wichtigste wäre, dass ich dabei windgeschützt wäre.

So könnte man das für alles fortführen:
Tshirt: Müssen es besondere Funktionen sein, oder können es auch stinknormale sein? Ist Merino wirklich der neue Messias unter den Oberteil-Materialien? Braucht man das?
Hose: Sollte es eine Super-Regenhose sein, oder ist das egal? Muss ich 100 Euro für eine gute kurze Hose ausgeben?

Ganz zu schweigen von einem Fließ: Hier zu hause hab ich 1-2 Fließpullover aber ohne irgendwelchen Schnickschnack, einfach nur warm. Reicht das oder muss es irgendwas funktionales sein?

Ich bin natürlich nicht grundsätzlich gegen solche tollen Funktionsgeschichten. Aber im Hinblick auf meine einjährige Reise (Nordasien Herbst - SOA Trockenzeit - NZ Herbst - NA Westcoast Sommer) muss ich eben Prioritäten setzen. Die Frage ist nur, wo...

lg André
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pawl

In warmen Regionen und zum Wandern überhaupt, auf jeden Fall ein syntetik T-Shit und ggf. Hose. Die Marke ist hier ziemlich egal. Wichtig -> kein Baumstoff, weil der sich vollsaugt mit Wasser und nicht mehr abgibt. Eine teure Plastikregenjacke im Monsun bringt wohl auch wenig, weil du dampfgekocht wirst :-)

Wenn du einen drei Tagestrek (oder länger) im Herbst (von NZ oder EU?) auf der Südinsel von Neuseeland machen willst und es regnet, kannst du sicher sein, dass eine teurere Jacke z.B. mit getapen Nähten beseer ist. Die Hersteller geben immer Wassersäulen an. Überleg dir doch einfach was für dich realistisch ist.

Fließ ist total egal welcher, wenn du keine Ansprüche hast. Ich selbst fühlte mich in Neuseeland zu wenig ausgestattet und habe günstig nachgekauft...

Grüße
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Litti

Ganz klar: Gehe keine Kompromisse bei den Schuhen ein, hier unterwegs Erstaz zu finden kann abhängig vom Land sehr zeitaufwendig bis unmöglich sein. Ich habe Leute gesehen die den W-Trek in Argentinien am ersten Tag abbrechen mussten weil ihnen der Schuh unterm Gehen weggebrochen ist.

Gut, ich hatte eine etwas teurere Jacke dabei, aber prinzipiell würde ich schon sagen dass die Qualität ansonsten nicht so wichtig ist. Nur eins: Ich will sichergehen dass ich nirgends frieren muss, für mich gibt es nichts schlimmeres. Lange Unterwäsche kommt in jedem Urlaub mit, nur zur Sicherheit.

Stichwort Regenjacke: Wir haben letztes Jahr im Dezember den Milford-Trek machen dürfen, und am Tag der Passüberquerung hat es uns natürlich voll erwischt (einer von vier Tagen ist im Fjordland aber ein sehr guter Schnitt). Wir trugen unsere in Bolivien gekauften Ponchos + billige Regenjacken. Es sieht halt scheiße aus und niemand anders hat an dem Tag Ponchos getragen - aber niemand außer uns ist an diesem Tag auch trocken geblieben.

Merino-Shirts: Ich mag sie weil man die auch gut mal über längere Zeit tragen kann, sie haben einfach weniger Geruchsentwicklung. Man muss also seltener waschen. Und sie trocknen schnell, ob nun beim Wandern oder nach der Waschmaschine. Nachteil: Es ist eines dieser Kleidungsstücke die man niemandem zum Waschen anvertrauen will. Your choice!
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Carola

Bei den Schuhe schließe ich mit Litti völlig an.

Bei den anderen Sachen finde ich es wichtig, dass sie schnell trocknen.

Merino finde ich zu teuer. Denk dran, dass du deine Wäsche häufig mit der Hand wäschst oder weggibst, da passt keiner besonders auf und nimmt den Wollwaschgang.

Bei den Jacken hab ich früher auch viel Geld ausgegeben. So eine 240 Euro-Jacke ist bei den ersten paar Malen vlt. noch dicht, aber dann ist das auch vorbei. Vor allem mit einem Rucksack auf dem Rücken. Kauf die billige. Wie du schon sagtest: Winddicht ist wichtig.

Niemals 100 Euro für eine kurze Hose, Funktionsshirts gibt´s auch billig.

Ich kenn jetzt deine Reiseroute nicht, aber in Amerika kannst du bei TNF sehr günstig hochwertige Sachen einkaufen. In NZ gibt´s auch alles, wenn doch was fehlt. Und nach Asien kannst du mit dem leeren Rucksack fahren und dich für ein paar Euro komplett neu einkleiden. Bei heiß und feucht hab ich lieber Baumwolle an.

LG

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n_rtw

Wenn ichs richtig in Erinnerung hab, willst du viel Fahrrad fahren. Also bist du dem Wetter gnadenlos ausgesetzt. Da wuerde ich gut ueberlegen, was dir wichtig ist und auch mal in Fahradfahrforen schauen.
Ich kann nur uebers Wandern sprechen. Da ist mir wichtig, dass alles leicht ist und schnell trocknet. Mein Favorit sind hierbei wirklich die Billigblusen aus H&M und co. So schnell trocknet mein ganzes Funktionszeug nicht und der lange Arm schuetzt vor der Sonne. Wegen Regenzeugs hat mir mal ein Hardcorewanderer gesagt, dass man wenns kalt und nass ist einfach schneller laufen soll. Wichtig ist, dass man warm und trocken ist, wenn man dann angekommen ist und sich nicht mehr so viel bewegt. In gemaessigten Klimazonen funktioniert das fuer mich gut. Daher hab ich keine supertolle Regenjacke und -hose dabei.  Aber NZ kann schon sehr kalt und nass ueber Tage hinweg werden im Herbst..
Ich persoenlich mag die Synthetikshirts gar nicht, weil die nach kurzem Schwitzen schon sehr riechen. Ein duennes Merinoshirt ist mir da lieber, aber das dann auch  jeden Tag bei der Wanderung.
Bei den Schuhen solltest du auf jeden Fall was gutes besorgen, das waer wirklich dumm die nachkaufen zu muessen. Gerade NZ ist im Vergleich zu Europa sehr teuer und in SOA gibts das schwerer.
Ansonsten find ich auch dass man bei Outdoor Klamotten sehr uebertreiben kann. Es geht auch mit weniger. Hauptsache leicht und schnell trocknend. Ich wuerd z.B. aber nicht beim Schlafsack und Zelt sparen. Da ist die Qualitaet und das geringe Gewicht einfach zu wichtig.
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arivei

Noch ein Wort zum Thema Fleece:
Ich hatte ein Meru Fleece von Globetrotter dabei (hat im Sale so 15€ gekostet) und war damit vollstens zufrieden. Zu Hause (zum Radeln, Wandern...) habe ich eigentlich immer noch billigere Teile von Aldi und Decathlon oder so und die sind auch gut. Das Globi-Fleece hab ich wegen der schönen Farbe mitgenommen und weil es eine Weste war und eine Kapuze hatte :)
Viel Geld würde ich persönlich nie für ein Fleece ausgeben...

eucaloa

Ich bin ein Verfechter von billiger Kleidung und nicht zu viel vor einer Reise kaufen. Deine Einstellung ist doch voll ok und bei deiner Reiseroute nicht problematisch. Wanderschuhe solltest du aber wirklich gute haben. Ich habe damals gedacht, dass meine Alten noch ok sind, die hatten aber kein Profil mehr und ich musste in NZ Neue kaufen, viel teurer als zuhause.

Regenjacke für 240€? Ich hatte eine 30€ Regenjacke aus dem Outlet. Sollte es mal doller regnen hilft eh nur ein Plastikponcho, wie oben schon beschrieben. Den kriegst du für 3€ oder so. Den hätte ich beim Milford-Track auch gerne gehabt, ich war komplett durchnässt :) Die mit den teureren Sachen aber auch.

Generell kann man schöne Sachen relativ günstig bei Decathlon kaufen, Outdoorläden sind mir viel zu teuer. Aber du fährst ja im Sommer/Trockenzeit, da braucht man nicht viel. Ich würde einfach ein paar Synthetik-Shirts mitnehmen, die du ansonsten beim Sport trägst. Merino kannst du in NZ ziemlich günstig kaufen falls du es dann gerne haben möchtest. Ich habe mir dort ein Icebreaker-Shirt im Angebot und für ca. 12€ einen dünnen Merino-Pulli in einer Klamottenkette á la H&M gekauft. Den brauchte ich für kältere Ziele im Anschluss und den nehme ich heute noch gerne mit auf Reisen. Der Vorteil von Merino ist die angenehme Tragbarkeit und dass es bei Wärme und Hitze angenehm ist. Außerdem stinken Merino-Oberteile nicht so schnell nach Schweiß wie andere Materialien.
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White Fox

Also 240 € für eine Regenjacke sind nicht "Mittelklasse", dass ist schon im gehobenen Preissegment. Eine günstigere wird es auch tun.

Und ja, eine ganz normale Fleecejacke reicht völlig aus, ich hab nie was anderes gehabt. Die sind alle etwa gleich gut. Das gleiche gilt für T-Shirts und Hosen - nimm mit was du eh schon im Schrank hast.

Bei den Schuhen gebe ich den anderen aber recht: Hier kann und sollte man wirklich auf die Qualität achten. Auf Reisen läuft man extrem viel und wehe Füße und Blasen machen einfach keinen Spaß.
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ThePianist27

Vielen Dank für eure Antworten!

Das hat mir sehr geholfen und mich in meiner skeptischen Haltung gegenüber den Verkäufer in Outdoorläden bestätigt.

Dann würde ich für die warmen Regionen jetzt erstmal gar nichts großes mehr anschaffen, es sei denn ich finde etwas schönes, was auch nützlich sein kann. Grad heute ist mir wieder aufgefallen, dass ich bei 37 Grad eigentlich nur noch in Badehose und Tanktop rumrenne - auf dem Rad, im Alltag etc.. und mich damit pudelwohl fühle. Vermutlich würde ich es in SOA nicht anders machen. Dann nehm ich lieber ein paar Badehosen und Tanktops mit und gut ist. Der einzige Faktor, der dann wahrscheinlich sehr relevant wird, ist der UV Schutz. In diesem Outfit hab ich ja recht viel Angriffsfläche für die Sonnenstrahlen. Werd zwar immer recht schnell sehr braun, krieg aber auch leicht Sonnenbrand...das Thema würd ich vl. noch mal im Gesundheits-Unterforum anschneiden...

Für die kühlere Region würd ich dann vl. doch zur windschützenden Regenjacke greifen, zumal ich ja mim Rad unterwegs bin (Danke für den Tipp mit dem Radforum, werd ich mal machen). Einen Regenponcho hab ich witzigerweise auch. Aber wenn der so billig ist, dann kauf ich den lieber bei Bedarf vor Ort. Für den Kälteschutz vertrau ich dann auch einfach auf Fließ und die restlichen Klamotten. Gutes Zelt (hab ich bereits die Creme de la Creme :) )und gute Schuhe kommen auf jeden Fall mit. Schlafsack hab ich, wenn auch kein super guter (Globetrotter, 70 Euro, hat mich in Norwegen bei 7-8 Grad warm gehalten).

Decathlon kannte ich gar nicht und hab grad mal nachgeschaut. Die haben ja sehr sympathische Preise dort...Merino Shirts für 15 Euro...im Outdoorladen kosten die dann schnell mal das 4-fache. Dafür auch große qualitative Unterschiede?
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n_rtw

Die Ware von Decathlon ist auf jeden Fall von der Qualitaet her mit den teuren Marken vergleichbar. Mein Lieblingssport- und -outdoorladen ueberhaupt.
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eucaloa

« Antwort #10 am: 17. Juli 2015, 12:51 »
Decathlon ist voll super! Da war ich als armer Student schon immer als ich noch in Barcelona im Auslandssemester war. Hab mich total gefreut als hier in Hannover eine Filiale aufgemacht hat. Ich verfalle leider immer schnell in einen Kaufrausch wenn ich dort bin: Hier noch ein Wandershirt für 3€, noch eine Fleecejacke für 15€, da noch ein schönes buntes Reisehandtuch, etc. Aber dafür kann Decathlon ja nix ;)
Ist generell für Sportarten aller Art gut, da gibts auch günstige Skihelme, Schwimmsachen, Tauchanzüge... Und ich habe z.B. auch meinen heißgeliebten Rucksacktrolley und meine schöne pinkfarbene Lightdaunen-Jacke von Decathlon. Bei anderen Marken kostet letztere schnell +100€, ich habe 50€ gezahlt.

Die Decathlon-Eigenmarken helfen auch gut bei der Nationalitäten-Identifizierung wie bei uns deutschen Jack Wolfskin: An der Quechua-Aufschrift (Outdoormarke) erkennt man schnell Franzosen. Die kaufen vor lauter Nationalstolz nur noch bei Decathlon ;)
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Brausefee

« Antwort #11 am: 08. August 2015, 16:42 »
Hallo!  :)

Ich war letztes Jahr in Neuseeland.

Wir hatten relativ gute Trekking Schuhe mit (Salomon), eine Wind- und Wasserdichte Regenjacke (Meru), ich hatte verrückterweise 2 Fleecejacken mit, eine dünne Trekkinghose, die man zu einer kurzen verwandeln kann und anderen Kram.
Wir waren im Februar im Süden von Neuseeland--dort war also Sommer.
Ich hatte alle Schichten an!!  :D Z.T. auch Nachts in den Cabins^^ Wer hätte das gedacht.
Auf der Milford-Tour hatte ich dann auch alle Schichten an.
Ich war froh das mitzuhaben--denn Neuseeland ist echt ganz schön teuer.
Hab eine tolle Zeit,
liebe Grüße Jasmin

p.s.: auf meinem Blog kannst Du Dir ein paar Eindrücke holen, wenn Du Lust hast:
https://brausefee.wordpress.com/
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