Thema: Wie lange für Spanisch Grundkentnisse  (Gelesen 1400 mal)

Arne

« am: 05. Januar 2015, 21:31 »
Ich überlege grade auf meiner Reise Spanisch zu lernen.
Ich bin im Augus auf eine Hochzeit in Kolumbien eingeladen, auf die ich auf jeden Fall will. Es würde sich natürlich anbieten in der Gegend noch etwas rumzureisen. Das traue ich mir mit keinerlei Spanischkentnissen aber irgenwie nicht zu...

Wie lange würdet ihr denn in einer Sprachschule für Basiskentnisse einplanen um im Alttag halbwegs zurecht zu kommen? Also zB nach einer Busverbindung zu fragen und vorallem die Antwort zu verstehen?

Man sollte dazu sagen, dass ich extrem schlecht bin was Sprachen lernen angeht. Englisch ist echt gut, was aber sicher daran lag, dass ich das von der 5. - 13. Klasse hatte und fast alle Filme, Serien und Spiele auf englisch konsumiere, so wie im Studium viele Veranstaltungen auf englisch hatte. Frazösisch aus der Schulzeit ist komplett weg, wobei ich damals nach 3 jahren nicht in der Lage gewesen wäre mir im Restaurant was zu essen zu bestellen (wobei ich damals auch kein Bock auf das Lernen hatte).
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Vombatus

« Antwort #1 am: 06. Januar 2015, 01:35 »
Habe ja schon oft etwas zum Spanisch lernen geschrieben … bin selbst ein "Sprachkrüppel" in jeder Hinsicht.

Wichtig ist, dass du dich am Anfang nicht überforderst. Nicht, dass du anfangs nur die Grund-Grammatik lernst und sonst nichts. Sprechen und üben, anwenden und ausprobieren ist wichtig, das muss man dem Lehrer auch ganz klar sagen. Für die Basics braucht man ein paar Tage. Das 08/15-Spanisch stehet im Wortschatz hinten im Reiseführer. (Hallo, wieviel, wann, wo, bitte, danke, …). Das Schwierige ist die Überwindung zu reden… nach kurzer Zeit siehst du aber dass es funktioniert, notfalls auch mit Händen und Füssen. Recht schnell wirst du merken wie sich dein Wissen verbessert. Dann verstehst du was auf Schildern steht, Preise, Zahlen, Uhrzeit, einfache Bestellungen im Restaurant … alles geht einfacher. Du kannst noch keine Unterhaltung führen aber dein An- und Fortkommen organisieren. Nach dem Bus/Ort (von-nach), Fensterplatz, Plattforma, heißem Wasser, privat Bad-/Einzelzimmer (Dorm), teuer, billig, Ankunft und Abfahrt, Weg und Wohlbefinden fragen können und verstehen.

Wenn du länger in Lateinamerika unterwegs bist würde ich max. zwei Wochen Unterricht (mit viel praxisnaher Übung) am Anfang empfehlen. Z.B. zwei Stunden Einzelunterricht am Tag. Und dann ggf. unterwegs mehr, wenn du tiefer einsteigen möchtest. Dann wirst du sagen können, wer du bist, wo du herkommst, hin möchtest, wie lange du unterwegs bist, wie alt du bist, Name und Familie beschreiben und was du beruflich macht, wirst Vokabeln lernen und so setzt sich alles mit der Zeit zusammen. Bei Mitreisenden die Spanisch sprechen kann man sich einiges abhören und nachmachen …

Grundsätzlich reichen die Basics um durchzukommen, man muss sich halt bemühen. Die Basics lernst du notfalls auch unterwegs. Etwas Hilfe zum Einstieg ist aber sicher keine schlechte Idee und hilft. Nimm dir mal eine Woche mit 2 Std./Tag Zeit und schau wie dir der Unterricht taugt, ggf. verlängerst du und hängst was dran oder vertiefst später mit extra Unterricht.

An allen Touristen-Hotspots und in Hostels spricht man englisch!!! Bei der Touristeninformation auch, selbst bei großen Busterminals können die Ticketverkäufer ein bisschen englisch. (darauf würde ich mich aber nicht immer verlassen ;-)   )  Ansonsten heißt es sich einfach Durchschlagen und selbst das wird einfacher als befürchtet.

Selbst bin ich damals mit brasilianischen Portugiesisch (erste Backpacker-Reise) ins "kalte Wasser" gesprungen. Nach 3 Wochen war ich für den Alltag fit (ganz ohne Unterricht). Spanisch hatte ich – bei meiner großen Reise – mit 4 Wochen intensiv-Einzelunterricht versucht und nach 3 Tagen explodierte mir bereits der Kopf vor lauter Überforderung. Also nichts vorbuchen. Vorort schauen was geht und wie es läuft.

Im Zweifel ist weniger mehr. Nicht gleich am Anfang alles können wollen. Und ich finde irgendwie gehört das auch dazu, das Lernen, das Durchbeißen, neue Kommunikation, neuer Kontinent, neue Kultur, neues Klima … Und die Leute sind auch alle hilfsbereit.

Hoffe, ich konnte dir etwas Sorgen nehmen. Auch ja, wichtig ist, dass du den ATM bedienen kannst, einfach das englische (inglés) Sprachemenü auswählen. Damit war ich damals gleich am Anfang am meisten überfordert. Konnte weder gutes englisch noch sonstnochwas.
 
ähmm … mein Fazit: Eine Woche, à 2 Stunden Einzelunterricht am Tag – mit praxisnahen Übungen (wichtig) – reichen für die ersten, einfachsten Grundkenntnisse. Zwei Wochen Unterricht sind gut für mehr Vokabeln, einfachen Satzbau und Selbstsicherheit bei der Anwendung. Alles mehr macht es einfacher, ist aber nicht unbedingt nötig. Auch so lernt man viel dazu während man unterwegs ist.

Kolumbien ist toll. Viel Spaß.

... in der Gegend noch etwas rumzureisen. Das traue ich mir mit keinerlei Spanischkentnissen aber irgenwie nicht zu ...

Mal abgesehen davon, dass in der Touristenbranche in SOA mehr Leute englisch sprechen als in Lateinamerika, würdest du dir auch nicht so viele Gedanken machen und versuchen thai oder indonesisch zu lernen um dort zu reisen. Oder kannst du thailändisch, indonesisch, vietnamesisch, laotisch, malaiisch, kambodschanisch sprechen? Fährst aber trotzdem hin.

Darum ist Reisen so wertvoll, man erweitert seinen Horizont und merkt wie viel mehr man packt. Einige Erwartungen und Befürchtungen werden übertroffen, andere erweisen sich als überflüssig/überschätzt. Ich denke das geht allen so … vor allem beim "ersten Mal".
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travel-nic

« Antwort #2 am: 06. Januar 2015, 12:04 »
Ich an deiner Stelle würde mich während des Sprachkurses auf Grammatik-Grundlagen beschränken - die Vokabeln kommen beim Nachschlagen und Sprechen von ganz allein. Die wichtigsten Vokabeln findet man ja auch, wie Vombatus schon sagte, auch am Ende des Reiseführers, den du im Notfall in der Tasche hast. Die Frage ist, wie schnell du "auswendig lernen" kannst, sprich Grammatikregeln und Vokabeln. Von daher fände ich nur eine Woche schon knapp, aber zwei Wochen würden auch reichen. Du kannst ja zu Hause schonmal ein paar Vokabeln lernen, dann wiederholst du sie während des Kurses quasi nur noch.

Wichtig: Sprache funktioniert auch mit Fehlern, und du kannst Sympathiepunkte sammeln, wenn du es in der Muttersprache der Leute dort versuchst. Gerade die Lateinamerikaner sind super nett und es fällt dort leicht, über seinen Schatten zu springen und in einer fremden Sprache zu sprechen. Bedenke auch, dass viele Lateinamerikaner kein Englisch oder nur sehr wenig Englisch können. Was das Verstehen angeht: Ist am Anfang vielleicht schwer, aber niemand wird sich weigern, wenn man ihn bittet, seinen Satz zu wiederholen. Ich denke, man sollte sich die Mühe machen, wenigstens so einfache Dinge wie Zimmer buchen, Essen bestellen, etc. in der Landessprache zu erledigen. Der Aufwand dafür ist vielleicht sogar geringer, als man denkt. Man bekommt einfach mehr mit vom Land und den Leuten und selbst, wenn man nur Grundkenntnisse hat, ist das einfach sympathischer und aufgeschlossener.

Noch ein Tipp zur Grammatik: Lass dich nicht von unnötigen Themen wie subjuntivo oder den ach so schwierigen Vergangenheitszeiten ablenken - brauchst du nicht. Konzentriere dich höchstens auf das Verben konjugieren (das war jedenfalls mein Problem), da im Spanischen das Personalpronomen weggelassen wird und die Verbformen sich manchmal nur durch einen einzigen Buchstaben unterscheiden. Aber selbst das ergibt sich oft aus dem Kontext. Eigentlich brauchst du nicht viel, einfach drauf los sprechen ist am Anfang wichtig. Und keine Angst vor der Mit-Händen-und-Füßen-Methode, nur so lernst du Vokabeln und kommst mit den Leuten in Kontakt. Das ist viel wichtiger als lange Sprachkurs-Vorbereitung.
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knappe

« Antwort #3 am: 06. Januar 2015, 13:00 »
Wir haben 2 Wochen Privatunterricht gehabt, jeweils nur Schüler und Lehrer, 5 Tage/Woche und 4h/Tag. Dazu gab es dann Hausaufgaben.
Mein Freund und ich sind unterschiedlich weit gekommen, bei mir hat sich das Schulfranzösisch sehr bezahlt gemacht.
Selbst ohne diese Erleichterung denke ich, dass du in einer Woche Einzelunterricht auf jeden Fall so weit kommst, ohne Schwierigkeiten auch abseits der Touristenzentren zu reisen. Bei mir hat es nach 2 Wochen sogar zur Verständigung im Krankenhaus gereicht - das hatte ich nicht erwartet. Ich halte Spanisch für eine leicht zu lernende Sprache. Ein bisschen Grammatik und Zeiten lernen, mittags Vokabeln und keine Scheu beim Reden - dann geht was in einer Woche!
Aber, nimm dir für die Unterrichtszeit nicht mehr viel vor - das ist dann schon ein tagesfüllendes Programm.

Auch wenn man sicher auch mit Englisch irgendwie durchkommt - ich finde, es ist lohnenswert, ein bisschen Spanisch zu lernen und eine Woche zu investieren.

White Fox

« Antwort #4 am: 07. Januar 2015, 23:44 »
Ich empfehle den Urlaubskurs Spanisch vom Hueber Verlag - damit war ich in 5 Wochen fit fuer den Urlaub.
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farmerjohn1

« Antwort #5 am: 08. Januar 2015, 18:58 »
1.) Ich bin - auch wenn der mir bekannte Teil sprachwissenschaftlicher Literatur dies nicht aussagt - erfahrungsgemaess der Meinung, dass der zeitliche und qualitative Erfolg beim Fremdspracherwerb, insbesondere (Fremd-)Sprachproduktionserwerb, in einem Hoechstmass von der psycho-sozialen Situation und Einstellung der Lernenden abhaengt, und zwar ganz erheblich staerker als beim Erlernen anderer Kenntnisse und Fertigkeiten. Das Hoerverstehen halte ich fuer fast reine Gewoehnungssache.
2.) Wenn Du z.B. Vorkenntnisse bzw. schon andere Sprachen gelernt hast, am besten eine andere romanische Sprache, geht es mit Spanisch wesentlich schneller.

Deshalb scheint mir eine allgemeine und zutreffende Antwort auf Deine Frage nicht moeglich.

Objektiv gesehen ist bei Spanisch wegen seiner - vergleichsweise - einfachen vulgaerlateinischen Wort- und Satzbildung sowie schriftbildnaher Aussprachemoeglichkeiten  weniger Stoff zu bewaeltigen als bei vielen anderen Sprachen, z.B. asiatischen -  von den Vorrednern wurden ja schon die wesentlichen Schwerpunkte genannt. Vom Deutschen ausgehend erinnere ich mich aber daran, dass das Erreichen eines alltagstauglichen Niveaus in Spanisch erheblich laenger gedauert  hat und aufwaendiger war als bei Englisch; und mit der Einteilung in 'leichte vs. schwere' Sprachen bin ich auch nicht so ganz gluecklich, eben weil es nicht nur die methodisch loesbaren 'sprachtechnischen'   Probleme gibt, sondern auch die mitunter sehr weitgehenden und oft aus praktischen Gruenden ausgeklammerten kulturellen Unterschiede, deren sprachliche Mitteilungsmoeglochkeit ja oft wesentliche Motivation zum Reisen und Erlernen von Sprachen ist - sollte Spracherwerb doch eigentlich zum gegenseitigen Verstaendnis und zum Frieden in der Welt beitragen.
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