Thema: Entscheidung zur Auszeit mit allen Konsequenzen fällt schwer - HILFE !!!!  (Gelesen 2102 mal)

Olivera

 Hi,

also ich lese hier schon seit Wochen kreuz und quer und stehe eigentlich kurz davor mein Leben komplett umzukrempeln und für 5 Monate nach Südamerika zu gehen und mir ist seit Tagen nur noch schlecht vor Angst, weil ich merke ich habe langsam keine Ausreden mehr es nicht zu tun. Hier mal die Situation:
- reise schon seit 15 Jahren 4-5 Wochen im Jahr als Backpacker durch Asien, Indien, Nepal, usw. -> also grundlegende Erfahrung ist vorhanden, aber eben nicht für einen längeren Zeitraum.
- alleine war ich auch schon unterwegs -> habe ich auch wenig Sorge, da ich weiß dass das ganz gut klappt und ich auch schnell Leute kennenlerne
- bin 39, weiblich und mal wieder Single, die Pläne mit Familie und Kinder, Haus auf dem Land sollten also nicht sein -> bin aber weder frustriert noch ist das der Grund zum "abhauen"...auch wenn mir das Freunde unterstellen ;)...ich denke es war aber der Auslöser
- bin seit 14 Jahren in einem Job bei der gleichen Firma und habe schon lange innerlich gekündigt -> will aber eben nicht von einem Hamsterrad ins nächste, deswegen der Wunsch der Auszeit (Reisen)
- wohne noch momentan mit dem Ex zusammen und könnte also relativ problemlos meine Sachen bei Freunden unterstellen und hätte so keine Fixkosten während der Zeit
- habe mit der GKV bereits geklärt dass ich problems für den Zeitraum raus könnte
habe Anspruch auf ALG1 , also finaziell müsste es auch passen + Puffer wenn ich wieder da bin
- Route mit Zielen, Sprachkurs, Budgetaufstellung (alles als Ecxel-Liste die Stunden Arbeit gekostet hat :)
steht bereits

Um es nicht weiter in die Länge zu ziehen, es bleiben gerade die Ängste: Soll ich wirklich ALLES hinschmeissen für MEINE Auszeit? Also Job? Nach der Reise müsste ich auf Sofas von Freundinnen schlafen oder WG? Kriege ich das mit dem begrenzten Budget hin? Verdiene momentan ganz gut und muss nicht auf jeden Cent aufpassen während der Reise müsste ich schon ganz schön haushalten? Und bin ich bereit also locker 1 Jahr zu warten bis ich mir ne Wohnung überhaupt wieder leisten kann (wohne zusätzlich noch in München)?

Einerseits schreit alles in mir TUE ES, andererseits war mir nicht bewusst dass mir der Sicherheitsaspekt so zu schaffen macht.

Würde mich echt über Tips freuen, wie ich aus dieser Sackgasse rauskomme?????????????
Zu allem Überfluss habe ich morgen doch noch nen Wohnungsbesichtigungstermin und darf mich dann evtl. noch entscheiden zwischen Freiheit oder Sicherheit?

Liebe Grüße
Olivera
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Blume

Ich denke, wenn du es jetzt nicht tust, würdest du es später bereuen, es nicht getan zu haben, weil es bei dir momentan von den Rahmenbedingungen ganz gut passt, so eine Reise zu machen.
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Olivera

Das ist ja das Problem, ich weiß dass wenn ich es nicht mache, ich es später bereuen werde und jetzt die CHance ist. Wieso fällt es so schwer sich von den ganzen Sicherheits-Gedanken zu lösen? Das treibt mich grad etwas in den Wahnsinn....ich schiebe die Entscheidung nun von Woche zu Woche vor mir her und wenn ich in meine Gefühl bin ich TUE ES flutscht auch alles und dann finde ich wieder Ausreden  :'(
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chaotin

Hi Olivera,
ich würde sagen TUE ES !!!
Ich bin zwar etwas jünger (30), musste auch letztendlich nicht kündigen (auch wenn ich es getan habe) und musste meine Wohnung nicht aufgeben, da mein Freund daheim geblieben ist. Wobei es ja keine Garantie für unsere Beziehung gibt.
Aber ich hab circa ein dreiviertel Jahr mit der Entscheidung gerungen, mich dafür entschieden und obwohl ich schon recht viel scheiß durchhabe, bereue ich es nicht. Ich hätte nie gedacht, dass das Reisen so sehr meins ist. Ich bin so froh raus aus dem Hamsterrad zu sein, denn ich weiß, dass ich den Stress auf Arbeit vielleicht nicht mehr ewig ohne Probleme mitmachen könnte (Samstagsarbeit ist Standard mittlerweile). Ich kann mir aktuell kaum vorstellen zurück zu kommen bzw wirklich im Juli wieder arbeiten zu gehen. Vielleicht kündige ich noch und bleibe länger weg. Die Welt ist so groß :D
Ich habe 10 Jahre gearbeitet und somit auch nen ganz guten Lebensstandard. Null Backpackerfahrung, nie allein gereist. Ich habe keine Problem in Dorms zu übernachten und wenn es mal etwas mehr Basic ist habe ich auch kein Problem. Ich habe mir in Bangkok zum Anfang ein recht gutes Hostel gebucht um keinen all zu großen "Schock" zu bekommen. Und zum Leute kennenlernen, ich habe in Bagkok einmal gebraucht über meinen Schatten zu springen und wen anzusprechen...aber es ist ein Selbstläufer :D
Kannst auch gern in meinem Blog meine Erfahrungen nachlesen bzw wir eine PN schreiben

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Radlerin

Hallo Olivera,

was ist denn der Knackpunkt bei der Sache?
Das Geld, der Job, die Wohnung?
Würdest du kündigen? Oder hast du die Möglichkeit in den alten Job zurückzukehren? Das könnte Druck rausnehmen, auch wenn du den Job nicht mehr magst....du hättest wenigestens wieder ein Einkommen nach der Reise, wenn du es dann willst.

5 Monate sind doch überschaubar...
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Olivera

Eigentlich die Kombi von allem und dass ich in den letzten 39 Jahren nie mein Leben gelebt habe, sondern wie andere es erwarten. Es ist einfach ein riesen Schritt für mich und auch wahnsinnig wichtig für meine persönliche Entwicklung. Es steht so ein bisschen das alte Leben gegen das neue...aber eigentlich merke ich grad wo ich dies alles niederschreibe, dass ich durch diese Ängste durch muss :)
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peka65

Hallo Olivera,
ich stand letzten Sommer vor dem selben "Problem", habe es aber gemacht und es war die Beste Entscheidung, die ich in meinem bisherigen Leben getroffen habe.
Allerdings war ich schon 48 Jahre als ich meinen ungeliebten Job nach 11jähriger Betriebszugehörigkeit gekündigt habe. 5 Monate bin ich dann durch Asien gereist. Danach war ich 6 Monate arbeitslos und habe jetzt mit 49 Jahren noch angefangen zu studieren. Auch wenn ich jetzt finanziell kleinere Brötchen backen muss, bin ich wesentlich zufriedener als vorher.
Wenn du selber deinen Job kündigst bekommst du zwar eine 3 monatige Sperre beim Arbeitslosengeld 1, aber diese ist ja nach der 5 monatigen Reise bereits abgelaufen. Wenn du vorher gut Verdient hast und noch ein paar Reserven hast, wirst du damit sicher auch über die Runden kommen.
Ich hatte im Vorfeld sicher auch einige Zweifel habe mir dann aber gesagt: "Du hast nur das eine Leben und eigentlich auch nicht viel zu Verlieren, also mach es."
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Olivera

Danke peka65  :) und die anderen für den Zuspruch... aber letztendlich muss ich es selbst entscheiden und vor allem die Konsequenzen tragen. Hätte nur nicht gedacht dass es "innerlich" so schwer ist, die eingetretenen Pfade zu verlassen  :) und vom träumen ins handeln zu kommen und dann auch durchzuziehen
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Vombatus

Tu es!
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Stecki


Jens

Als Erstes: 
TU ES  vs. TU ES JETZT!!


Als Zweites:
Hätte nur nicht gedacht dass es "innerlich" so schwer ist, die eingetretenen Pfade zu verlassen  :) und vom träumen ins handeln zu kommen und dann auch durchzuziehen

Spätestens wenn du den Schritt getan hast und dich für die Reise entschiedenhast, dann wird der Ballst von deinen Schultern fallen und du dich schon befreiend fühlen.
Der Schritt zur Überwindung ist schwer, aber so wie ich das zwischen den Zeilen gelesen habe ist deine Entscheidung für die Reise schon innerlich gefallen!

Viel Spaß und genieße die Zeit....
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Olivera

Aber jetzt hab ich doch noch eine Frage mit dem "Heimkommen"....das ALG1 ist ja auch nicht so wahnsinnig viel ...also 60 % und trotz kleiner Rücklagen mache ich mir da schon Sorgen. Wohne auch in München und da zahlt man schon für ein WG Zimmer 600 € (wenn man denn überhaupt eins bekommt). Wie handhabt ihr denn das mit dem finaziellen Aspekt? Mache mir zwar nicht so Sorgen dass ich keinen Job bekomme, aber leisten kann ich mir nach der Reise höchstens ein WG Zimmer und Essen ...also nix mehr mit weggehen, shoppen oder sonstiges :) Da ist ja eigentlich die Frustration schon vorherbestimmt, oder?
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Surfy

Ich bin zwar etwas jünger (30), musste auch letztendlich nicht kündigen (auch wenn ich es getan habe) und musste meine Wohnung nicht aufgeben, da mein Freund daheim geblieben ist. Wobei es ja keine Garantie für unsere Beziehung gibt.
Aber ich hab circa ein dreiviertel Jahr mit der Entscheidung gerungen

Es ist manchmal schon interessant zu lesen, wie ähnlich es einem gehen kann  :)

Ich habe auch entschieden Ende Jahr auf Reisen zu gehen, auch wenn meine angebetete nicht mitreisen kann.

Das Fahrzeug nach Südamerika verschiffen - und ohne Ziel und Zeithorizont mal zu schauen wohin es mich treibt. Vielleicht die Panamerika, vielleicht weiter, vielleicht auch nur Südamerika - wer weiss das schon.

Ich freue mich schon riesig, aber habe natürlich auch bammel  :)

, es bleiben gerade die Ängste: Soll ich wirklich ALLES hinschmeissen für MEINE Auszeit? Also Job? Nach der Reise müsste ich auf Sofas von Freundinnen schlafen oder WG? Kriege ich das mit dem begrenzten Budget hin? Verdiene momentan ganz gut und muss nicht auf jeden Cent aufpassen während der Reise müsste ich schon ganz schön haushalten?

Meistens macht man sich einfach einen zu grossen Kopf. Wenn man unter 2 Jahren unterwegs ist, sollte man in seinem alten Job anknüpfen können, nicht der gleiche Arbeitgeber, vielleicht mit Lohneinbussen, aber mit einigen Qualifikationen sollte das ja schon gehen.

Wenn ein bisschen Budget vorhanden ist, keine aktive Beziehung die das ganze noch schwerer macht, kein Traumjob den man einfach nicht sein lassen kann - worauf warten? Das scheint mir doch ein optimaler Zeitpunkt zu sein.  ;)

Surfy

tready

Mein erster Beitrag hier im Forum und gleich ein Ratschlag: tue es!

Ich selber habe heute (vor 4 Stunden und 24 Minuten) gekündigt und fühle mich SUPER!!
Olé, nächsten März/April geht's los auf meine Reise, immer schön Richtung Osten  :D
(Ich schreibe demnächst mehr von mir und meinen Plänen in einem eigenen Thread)

Gruss
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Vombatus

… Wie handhabt ihr denn das mit dem finaziellen Aspekt? Mache mir zwar nicht so Sorgen dass ich keinen Job bekomme, aber leisten kann ich mir nach der Reise höchstens ein WG Zimmer und Essen ...also nix mehr mit weggehen, shoppen oder sonstiges :) Da ist ja eigentlich die Frustration schon vorherbestimmt, oder?

Was machst du denn beruflich, bzw. was möchtest du danach machen?

Hatte eine ähnliche Situation wie du. War 37 als ich zurück kam, zog für ein halbes Jahr in eine WG. Ich fing damals, im Gegensatz zu meinem Vorsatz, wieder in meinem Job an, den ich gekündigt hatte. (Es gibt eine Menge "Erwachsenen-WGs")

Und ja, mir standen die Tränen in den Augen als ich die Wohnungsübergabe hatte. Alles weg, Job, Wohnung, 95% von meinem Hab und Gut. Und auf dem Flug bekam ich Panik, die aber beim ersten Schritt am Zielort sofort verflogen war.

Natürlich hatte ich auch Rücklagen für den Neustart, 7000€ was nicht unbedingt viel ist wenn man Kaution, Miete und evtl. Provision zahlen muss + den ganzen anderen Ausgaben. ->  Wie gross ist euer finanzielles Polster fuer die Rueckkehr?: http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=7354.msg44619#msg44619

Trotzdem war nicht die Spur von Frust zu spüren. Weiß nicht wie es nach 5 Moneten Reise ist, aber nach einer längeren Zeit auf Reisen merkt man eigentlich mit wie wenig man auskommt und damit zufrieden ist.

Frust bekommst du nur, weil du eigentlich viel länger weiter Reisen wollen würdest, jetzt aber schon wieder in Deutschland hängst, wie gerade im Nachbar-Thread zu lesen ist. http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=11188

Zur WG und Wohnungssuche. Meine Erfahrungen waren, dass Frauen einen Vorteil dabei haben. Hört sich vielleicht sexistisch an … aber Frauen werden in WGs bevorzugt. Du solltest allerdings schauen, dass du nicht genau zum Semesterbeginn kommst und dann zur selben Zeit wie alle Studenten eine WG oder ein billiges, kleines 1-Zimmer-Wohnklo suchst.

Meine erste Wohnung in München fand ich nach dem ersten Versuch. Die Wohnung nach der Reise/nach der WG, nach etwas 60 Wohnungs-Bewerbungen und davon 20 Besichtigungen. Das war wirklich frustig und sauanstrengend. Trotzdem. Tu es (jetzt).
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