Thema: Nach-Hause-Fahr-Blues  (Gelesen 1367 mal)

LatAM13-14

« am: 18. September 2014, 14:50 »
Hallo zusammen,

ich bin jetzt seit knapp einem Jahr in Zentralamerika unterwegs und hatte mir die letzten 5 Wochen für Kolumbien eingeplant. Ich bin sehr langsam gereist und habe jeden Moment genossen. Jetzt bin ich seit etwa 2 Wochen hier in Kolumbien und es kommt einfach keine richtige Freude auf. Schon im Flieger von Panama City nach Bogotá wurde mir komisch und etwas traurig zumute. Ich glaube, mir wird klar, dass meine schöne Zeit hier ganz schnell vorbei ist - das Jahr geht um, der Flieger wartet. Dann kam noch hinzu, dass ich am ersten Tag im Hostel in Bogotá beklaut wurde: toller Anfang! Mein Daypack mit meiner Kamera,  meinem Laptop und ALLEN meinen Fotos ist nun weg. Okay, ich bin jetzt drüber hinweg, aber es hat auch nicht geholfen, meine Stimmung zu heben.

Dann bin ich nach Cali gefahren, da ich sehr gern Salsa tanze. Aber dazu konnte ich mich auch nicht aufraffen. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Natur fehlt. Also ging es weiter nach Salento, in die Kaffeeregion. Und hier bin ich jetzt. Es gefällt mir gut, in der Natur zu sein und irgendwie nichts zu tun bzw. ein bisschen zu wandern. Aber es gibt doch so viele andere schöne Flecken in Kolumbien, die darauf warten, von mir entdeckt zu werden. Ich kann mich nur einfach nicht motivieren.

Ging es euch am Ende eurer Langzeitreise auch so? Falls ja, was hat geholfen?
Vielleicht helfen mir auch schon ein paar warme Worte...

Liebe Grüße,
Susanne
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Radlerin

« Antwort #1 am: 18. September 2014, 16:53 »
Hallo Susanne,

ich war zwar noch nie ein ganzes Jahr unterwegs, aber ich kenne es auch, traurig zu sein, wenn sich die Reise dem Emde nähert.
Das war nach acht Wochen Neuseeland so, da haben wir dann ganz lange einfach da gesessen und aufs Meer geschaut und waren wehmütig.
Dieses Jahr nach fast vier Monaten Südostasien das gleiche Spiel....erst so drei Wochen vor Abreise waren wir eher etwas reisemüde und hätten auch heimfahren können, dann haben wir uns wieder eingetravelt und doch wieder Spass an was Neuem gefunden. Ja und dann die letzte Woche konnten wir nicht mehr geniessen, wir hatten dann auch schlechte Laune, bis wir merkten, dass es daran lag, dass wir gerne noch weitergereist wären.

Tja was da hilft weiss ich auch nicht. Vielleicht, sich nochmal vor Augen zu halten, was man tolles erlebt hat. Und es ist ja auch normal, über das Ende einer tollen Reise traurig zu sein. Es ist ja auch was Besonderes und das geht zu Ende. Vielleicht muss man auch ein bißchen Abschied nehmen von dem schönen ungebundenen Leben (zumindest für eine Zeit  ;) )
Oder denk dir, du hast jetzt einfach noch 5 Wochen Urlaub. Und den geniesst du!

Ich wünsch dir noch eine gute Zeit.

Viele Grüsse
Claudia
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n_rtw

« Antwort #2 am: 19. September 2014, 22:38 »
Oh ja, kenn ich auch das Gefuehl. Bei mir sinds jetzt noch 4 Wochen und dann gehts ab Bogota Richtung Heimat, nach fast 20 Monaten in Lateinamerika. Bei mir ists etwas anders gelagert, denn ich war schon mal in Ecuador und Kolumbien, nichtsdestotrotz gibts noch Orte, die ich noch nicht gesehen habe und mich bis vor kurzem voll reizten. Nun bin ich eher letargisch und hab so richtig keine Lust. Vielleicht auch, weil ein Weiterreisen mich nur dem Abflugort naeher bringt? Weil ich weiss, dass ich eh nicht alles sehen/machen kann? Was mir ueber das schlimmste Tief geholfen hat, war noch mal ne Woche Sprachkurs - es gibt immer was zu verbessern...- und so trotz herumhaengen an einem Ort noch mal was tun. Ausserdem kann ich so noch mal Locals besser kennenlernen, was mir immer am wichtigsten war waehrend der Reise. Zusaetzlich mach ich einfach keine Plaene, so wie fast die gesamte Reise ueber. Geniess jeden Tag wie er kommt und schau was passiert.
Und zum Schluss versuche ich, den Abflug nicht als Schluss zu sehen. Habe sooo
 viele Ideen fuer Kurzreisen auf diesem Kontinent (also klassische 3Wochen Reisen...). Und nur fuer den Fall, habe ich in der Sprachschule mir erklaeren lassen, wie man einen Lebenslauf und Anschreiben auf Spanisch schreibt. Auch wenn ich gerade nicht vorhab, hier Arbeit zu suchen, es macht alles nicht so endgueltig...
Hoffe, du kannst noch geniessen. Wann fliegst du denn? Bin zwar noch in Ecuador, aber in ca. 1 Woche in Kolumbien und flieg am 16. von Bogota.
Gruesse, Nadine
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Vombatus

« Antwort #3 am: 19. September 2014, 22:50 »
Ist es nicht so, dass man weiß, dass die Reisezeit zu Ende geht und dann eben etwas "Neues" kommt. Ist ja nicht etwas Plötzliches. Man weiß, dann ist der Flug und fertig. Schwer zu beschreiben, aber gewöhnt man sich nicht an den Gedanken? Gleichzeitig denke ich jetzt, nachdem ich schon über zwei Jahre zurück bin, … das kann doch nicht ewig so weiter gehen, da muss doch irgendwann Schluss sein mit dem Arbeiten, mit dem ewigen "9 to 5 Leben". (wobei es ein 9 to 6 ist)
– Was wäre, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte … ?

Aber ja. Sicher hat man ein weinendes Auge. Trotz der vielen Monate ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen und man könnte noch viel länger unterwegs sein.

Hingegen kennt man aber auch andere Geschichten, dass Reisende früher nach Hause fuhren weil das Heimweh … oder dergleichen Gefühle zu groß wurden.

Bei mir war es (soweit ich mich erinnern kann) so, dass mir klar war. Ab Tag X geht es wider nach Europa. Ich hatte kein Job und keine Wohnung mehr, wusste aber … irgendwie geht es immer weiter. Die Letzte Zeit war dennoch "flaumig" im Bauch. Motivations-Sorgen hatte ich keine im letzten Land, habe versucht die Sonne zu genießen, eben nicht herum zu reisen, sondern herunter zu schalten, weil ich wusste, so schnell kommt man nicht mehr "weg".
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LatAM13-14

« Antwort #4 am: 20. September 2014, 18:44 »
Hallo ihr Lieben,

da bin ich ja froh, dass ich nicht die einzige bin, der das so geht! Danke für eure Antworten!

Ich hab mich jetzt entschieden auf typische Touri-Plätze (die man in Kolumbien gesehen haben muss) zu verzichten und die letzten 2,5 Wochen, die jetzt noch übrig sind, an einem netten, warmen Ort zu verbringen. Ich hab auf meiner Reise tauchen gelernt und liebe es. Das werde ich jetzt am Ende dann noch geniessen. Dieser Gedanke motiviert mich.
Ich versuche auch täglich, die Gedanken an das Heimfahren wegzuschieben. Komme ja eh nicht drum herum, wozu sich also Gedanken machen? Manchmal klappt das sogar :-D
@Vombatus: klar ist einem das klar, aber es wird halt plötzlich realer und greifbarer. Wo vorher die Frage war "fahre ich heute oder doch erst morgen weiter" kommt jetzt eher ein "ich hab nur noch 2 Wochen, was krieg ich da unter?". Weiss nicht, ist schwer zu beschrieben und hätte ich so jetzt auch nicht erwartet.
Hab übrigens auch keinen Job und werde als erstes meine Wohnung auflösen wenn ich nach hause komme. Was danach kommt steht in den Sternen.
@Nadine: ich fliege am 8.10. Vielleicht sehen wir uns ja tatsächlich noch irgendwo hier!
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