Thema: Ebola - Epidemie oder Sommerloch-Füller  (Gelesen 1547 mal)

Naitsab

« am: 30. August 2014, 14:34 »
Ich reise zwar in nächster Zeit nicht in eine Gegend, in der gerade Ebola grassiert, aber ein bisschen bedenklich ist es schon, dass die Krankheit gerade Europa erreicht. Oder? Ich meine, die größten Nachrichten verbreiten ja die Freunde von der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben und der TV-Sender, der mit R anfängt. Aber das muss ja nichts heißen. Was haltet ihr von der "Gefahr"?
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Mangolassi

« Antwort #1 am: 30. August 2014, 18:06 »
Als Sommerloch-Füller würde ich es aus Respekt für die 1500 Toten nicht bezeichnen.

Fidelino

« Antwort #2 am: 30. August 2014, 18:59 »
Sorry, aber die Frage finde ich ziemlich krass. Mehr als tausend tote, sehr hohe Mortalität, offensichtlich überforderte Staaten, die ihre Grenzen schließen und Du fragst ob da eine Gefahr besteht?

Naja für Dich mal kurz die Fakten von der WHO (Quelle: http://www.who.int/csr/don/2014_08_28_ebola/en/)
  • 3069 Infizierte
  • 1552 Tote
  • durschnittliche Sterberate: 52%

Neeeeeeiiinn ist nicht gefährlich. Die dummen Medien!

Klar, du wirst kaum einen Infizierten pflegen, was eine Übertragung kaum wahrscheinlich macht. Aber aufm Markt n bisssl verunreinigtes Obst? Oft gibts halt noch Bush Meat, das da rum liegt und wer hat in dem Bett in der Absteige vorher geschlafen?

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Rasluka

« Antwort #3 am: 30. August 2014, 19:52 »
In diesem Fall darf man den Medien ruhig Glauben schenken! Mit Sicherheit ist die Ebola noch schlimmer, als wir es uns überhaupt vorstellen können. Durch meine Arbeit habe ich von einem Jugendlichen aus Guinea miterlebt, welche Ängste dieser um seine Landsleute durchstehen muss - seine große Sorge fing bereits im Februar an, nun haben wir August und die Ebola hat sich immer weiter ausgebreitet. Gerade aufgrund der mangelnden Hygiene und der schwierigen Aufklärungsarbeit ist es auch nur sehr schwer, die Ebola einzudämmen. Anhang Prognosen scheint die Ebola frühstens in 6 - 9 Monaten eingedämmt zu werden, wobei Prognosen ja auch nur Voraussagen sind und keine Sicherheit geben. Bis dahin werden noch viele Menschen sterben. Von daher finde ich es Hohn, diese schlimme Erkrankung als Sommerloch abtun zu wollen.
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Raupfaungkira

« Antwort #4 am: 30. August 2014, 20:29 »
Meine persönliche Meinung ist das Ebola in den betroffenen Ländern eine ernste Bedrohung ist und natürlich schnellstmöglich im Keim erstickt werden muss bzw., dass Seuchen generell für Entwicklungsländer mehr als nur ein gesundheitliches Problem darstellen (auch Gesellschaft und Wirtschaft sind stark betroffen). Nichtsdestotrotz sterben in den betroffenen Ländern täglich weit mehr Menschen an Malaria / AIDS / Brechdurchfall.
In Industrieländern würde Ebola eine deutlich geringere Gefahr darstellen, aber das ist wohl allen hier klar.
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Fidelino

« Antwort #5 am: 30. August 2014, 21:08 »
Ich finde, diese Krankheiten zu vergleichen etwas komisch, alles furrchtbare Seuchen, natürlich, aber so unterschiedlich, sowohl was Übertragung, Symptome, Mortalität als auch Infektionszahlen angeht.
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Vombatus

« Antwort #6 am: 31. August 2014, 11:45 »
Habe da eine grundlegende andere Ansicht.

Denke, dass Ebola für uns in Europa noch lange keine Gefahr darstellt und tatsächlich von einigen (nicht allen) Medien aufgebauscht wird.

Sicherlich und ohne Zweifel ist das eine total gefährliche Krankheit. Aber eine tatsächliche Gefahr sehe ich hierbei nicht, solange man sich nicht in den betroffenen Gebieten aufhält.

Warum sollte man keine anderen Krankheiten oder Sterberaten zum Vergleich heranziehen?

Das ist doch gerade ein Paradebeispiel wie viele Massenmedien mit den tatsächlichen Sachlagen umgehen. Jeder schaut auf die "Ebola-Gefahr", gleichzeitig verrecken täglich hunderttausende an heilbaren, vermeidbaren Krankheiten, Hunger, Durst oder politisch- und religiösen Kriegen. In ein paar Monaten spricht eventuell keiner mehr von Ebola, weil wieder irgendwo ein Eisbärbaby geboren wurde. Boom – Erdbeben in China mit 100 000 Toten. Zwei Tage später ist das nicht mehr eine Erwähnung wert.

Die Gefahr in L.A. oder Tokio an einen Erdbeben zu sterben ist auch sehr real.
Ab wann ist eine Gefahr eine Gefahr? Wann ist ein Risiko ein Risiko?

Der Begriff "Sommerloch" ist provozierend aber so funktioniert die Medienlandschaft, vor allem die privaten Massenmedien. Verlage wollen/müssen Geld verdienen, dazu müssen sie Werbeanzeigen verkaufen, um einen guten Preis zu kriegen brauchen sie hohe Auflagen. Je emotionaler ein Titel, desto besser für die Auflage. Um eine objektive Berichterstattung oder gar den Opfern geht es den Medien mit Sicherheit nicht.

Das war mein Senf dazu. (In Kurzfassung)
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Fidelino

« Antwort #7 am: 31. August 2014, 16:56 »
Na dann will ich mal antworten:

Klar, für uns in Europa ist Ebola keine Gefahr, absolut nicht. Weil wir eben in der westlichen Welt mit einer jahrhunderte alten Tradition der Schulmedizin leben. Ist jemand ernsthaft krank, geht er zum Arzt, wird dort etwas hochgradig ansteckendes diagnostiziert, ist Quarantäne angesagt und es wird sofort zurückverfolgt mit wem Du in Kontakt warst. Dazu sind unsere Krankhäuser vorbereitet, selbst auf Ebola.

In Afrika sieht das aber ganz anders aus. Kranke werden zu Hause gepflegt, die medizinische Versorgen ist nicht lückenhaft, sondern auf professioneller Ebene nicht existent. Dazu herrscht ein großes Misstrauen gegenüber Ärzten mit westlicher Ausbildung. Wie würdest Du denn reagieren, wenn in Dein Dorf, in das sich eigentlich kein Schwein verirrt, plötzlch Jeeps mit Leuten in Schutzanzügen fahren, deine krankenfamilienmitglieder mitnehmen und die meisten davon siehst Du nie wieder?

Dazu hast Du dann noch ein ausgeprägtes Clan-System, wo rituelle Heilungsmethoden immer noch praktiziert werden.

Die Behörden reagieren nun so darauf, dass Eimer mit Chlorwasser vor den Gebäuden aufgestellt werden. Die Leute geben sich nicht mehr die Hand, es herrscht unheimliches Misstrauen und Panik. Aufklärung ist da Mangelware und selbst dagegen wird teilweise von bestimmten Gruppen vorgegangen.

Und jetzt zum Vergleich mit anderen Kraankheiten:

Malaria: Mückenschutz, Chemoprophylaxe und Akutmedikamente sind vorhanden. Ein Traveller, der sorgsam umgeht, ist gut geschützt.
HIV: Vernunft ist da der beste Schutz: Nicht wild mit Risikogruppen rumficken und diese kleinen Plastiktütchen über das Genital steifen. Hilft ziemlich gut!
Gelbsucht: Sprich Hepathits: Impfungen und auch da hilft Vernunft: Nicht die Rasierklinge oder Nagelshere mit anderen teilen, nicht ungeschützt mit Risikogruppen ficken und auch nicht küssen.
Gelbfieber: Mückenschutz + Impfung

Als Traveller hast Du also bei den anderen Seuchen wenig Probleme.
Schläfst Du aber in nem Hostellbett, in dem vorher ein schwitzender, vielleicht blutender oder sich ergebender Ebolainfizierter (und ja, die reisen in der Region auch), geschlafen hat. Da wäre ich mir nicht so sicher, ob Laken und Matraze desinfiziert wurden.

Wir hier im heimeligen Europa sind sicher nicht in Gefahr, aber dort jtzt rumzureisen... muss nicht sein.
Hat schon seine Gründe, warum ausläandische Unternehmen ihre Mitarbeeiter, die eigentlich nix mit Krankenversorgung oder Enticklungsshilfe zu tun haben, abziehen.
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Vombatus

« Antwort #8 am: 31. August 2014, 17:13 »
Fidelino, bin grundsätzlich ganz deiner Meinung.

Einerseits bezog ich mich auf die Gefahr in Europa:
… aber ein bisschen bedenklich ist es schon, dass die Krankheit gerade Europa erreicht. Oder? … Was haltet ihr von der "Gefahr"?

Andererseits bezog ich mich auf das Verhalten von Medien. Beispiel: Sommerloch mit Schlagzeilen:
… Ich meine, die größten Nachrichten verbreiten ja die Freunde von der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben und der TV-Sender, der mit R anfängt. Aber das muss ja nichts heißen. …

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Sehr interessant finde ich das hier, im Umgang mit Krankheiten in einigen afrikanischen Ländern:
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/28/psychotherapie-nigeria
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Fidelino

« Antwort #9 am: 31. August 2014, 20:36 »
RTL und Bild gibt's hier in Bolivien zum Glück nicht, kann ich nicht beurteilen, aber da wir hier in einem Reisetermin, bezog ich das auf Reisen.

Der Zeit Artikel verallgemeinert mir zu sehr "der afrikaner"....

Außerdem geht's da ja eher um Psychotherapie.

Aber im Grunde genommen denke ich, du willst auf folgendes hinaus: da sind Gesellschaften, die oftmals an traditionellen, rituellen Heilmethoden hängen, dazu eine große Scham bei einer ernsten Krankheit gaben können und dazu fehlt die nötige Aufklärung und Bildung, wie man sich in einem solchen Seuchenfall zu verhalten hat.
Da stimme ich auch zu.

Ein weiteres Problem, das ich sehe ist die "Schwäche" des Staates. Zu wenig medizinische Infrastruktur, kaum Möglichkeiten die Menschen zu sensibilisieren usw.
Hinzu kommt, dass sich ja auch immer mehr medizinisches Personal infiziert.
Hast du nun Glück und deine Hautfarbe passt, sprich ist hell, bist du ganz schnell im Flieger in ein industrieland, wo du hervorragend intensivmedizinisch betreut wirst und vielleicht kriegst du sogar ein experimentelles Medikament.
Passt deine Hautfarbe allerdings nicht ins Raster, verreckst du vermutlich in irgendeiner buschklinik, kommst vielleicht in die Statistik und deiner Familie wird mitgeteilt, dass du tot bist, aber deine Leiche schon längst verbrannt wurde.
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