Thema: Abschiedsbrief  (Gelesen 2306 mal)

Lins

« am: 26. Juli 2014, 21:15 »
Ich bin mir nicht ganz sicher ob der Beitrag hier ganz richtig ist aber ich denke schon.
Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht was passieren würde, würde ich nicht mehr nach Hause kommen weil ich einen Unfall oder Ähnliches hatte. In dem Moment wäre es vermutlich lange her das meine Familie mich das letzte mal sah. Jetzt frage ich mich ob ich nicht vielleicht einen Brief schreiben soll den ich einem Vertrauten gebe und den er im schlimmsten fall meiner Familie übermitteln soll. In dem ich mich in irgendeiner vorm Verabschiede und vielleicht sogar versuche zu trösten im Sinne wie ,,Es ist passiert während ich meinen Traum lebte". Ich kann nur sehr schwer einschätzen ob und wie fern so etwas ein Trost wäre und nach Erfahrungen zu fragen ist ja auch eher Sinnlos aber wie schätzt ihr das ein?

LG Lins   
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Nowhere85

« Antwort #1 am: 26. Juli 2014, 22:26 »
Wenn ich mir darum Gedanken machen würde und ohnehin schon meine Zeit da rein investiert hätte, würde ich so einen Brief verfassen.

Pass nur auf dass Du dich da nicht dermaßen reinsteigerst dass Du die Reise erst gar nicht antrittst, um die Wahrscheinlichkeit des "Unfalls" zu senken :D

Wie wärs mit ein paar Briefen, die nett sind und regelmäßig deiner Familie zukommen? Damit kannst Du ihnen sagen was du sonst im Alltag nicht sagst - und sie haben das Gefühl, dich während deiner Reisezeit ein wenig mehr bei sich zu haben  :)
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Vombatus

« Antwort #2 am: 27. Juli 2014, 00:12 »
NEIN, NEIN, NEIN, NEIN! Würde niemals so einen Brief schreiben! Noch nicht mal daran denken!

Eigentlich könntest du jetzt gleich so einen Brief schreiben, die meisten Leute sterben zuhause (gab es da nicht irgendwann mal eine Statistik? Die meisten Unfälle passieren zuhause)

Und wenn man noch nie länger von "zuhause" weg war oder eine längere Reise ins Ausland gemacht hat, stellt mal sich das viel schwerer vor als es ist. Würdest du einen Abschiedsbrief schreiben, wenn du länger nach Dänemark oder Frankreich fahren würdest? Oder zuhause, wenn du auf dem Weg zur Arbeit wärst? Ernsthafte Frage? Es ist viel einfacher, problemloser und vor allem ungefährlicher als man sich das vorstellt!

Mach einen Blog oder schreibe regelmäßig Nachrichten, dann sehen sie, dass es dir gut geht, du etwas erlebst, alles halb so schlimm ist und es Spaß macht. Falls doch etwas passiert, (was es zu 99,9999999999...% nicht tut) weiß deine Familie, dass es dir gut ging, du mit deinem Gedanken bei ihnen warst und das gemacht hast, was dir gut tut. Ich wette, deine Angehörigen und Freunde wünschen sich nichts anderes, als dass du glücklich bist. Den Schmerz kannst du ihnen auch nicht durch einen "Abschiedsbrief" nehmen. Eher im Gegenteil, dann sieht es so aus, also ob du damit gerechnet hat.  Stichwort: http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterfüllende_Prophezeiung

Der Link rockt nicht, ganz einkopieren.
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bunt-reisen

« Antwort #3 am: 27. Juli 2014, 04:58 »
Ja, habe ich auch gemacht.
Gerade deswegen, weil ich ein Jahr früher einen schweren Roller-Unfall in Laos hatte und heim geflogen werden musste. Aber generell stimmt es, dass weit mehr unverhofft zuhause passiert. Allerdings sind die Umstände eines z.B. Todesfall im Ausland ganz andere, als daheim. Wenn etwas im Ausland passiert, kann es durchaus sein, dass die Familie nie die genaueren Umstände erfährt und dann bleibt eine quälende Ungewissheit zurück.
Eine Paranoia ist unangebracht, dennoch @Vombatus finde ich, man sollte das Thema nicht so verharmlosen, gerade weil ich auf meinen Reisen schon sehr viel gesehen und erlebt habe.
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Stecki

« Antwort #4 am: 27. Juli 2014, 07:52 »
Wenn etwas im Ausland passiert, kann es durchaus sein, dass die Familie nie die genaueren Umstände erfährt und dann bleibt eine quälende Ungewissheit zurück.

Dieses Problem ist aber auch durch einen Brief nicht gelöst. Oder weisst Du vorher wann und wo Dir was passiert?

Ich habe bisher auch nie einen Brief geschrieben und würde es auch nicht tun. Ich habe aber meine Eltern darüber informiert was im Falle meines Todes geschehen sollte. Den einzigen "Abschiedsbrief" den ich immer bei mir trage ist mein Organspendeausweis.
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Ruebli

« Antwort #5 am: 27. Juli 2014, 08:38 »
Ich hab mal so sicherheistweise vor der Reise mein Testament geschrieben... habs dann aber nicht zerissen oder so bei meiner (erwartungsgemässen gesunden) Heimkehr, denn schaden tut das ja nie...

Vombatus

« Antwort #6 am: 27. Juli 2014, 10:25 »
Eine Paranoia ist unangebracht, dennoch @Vombatus finde ich, man sollte das Thema nicht so verharmlosen, gerade weil ich auf

Wollte nichts verharmlosen. Du hast vollkommen recht. Viele unternehmen während einer Reise (egal ob in 3 Wochen oder 12 Monaten) oft viel mehr Aktivitäten in jeder Form und das Risiko, dass dabei etwas "passiert" ist bestimmt höher als im Heimatland. Dazu kommt evtl. schlechte Ausrüstung, mangelnde Infrastruktur und ungenügende ärztliche Versorgung. Ausserdem ist man mehr unterwegs, nützt das übliche Transportsystem des Landes, welches einem oft genug die Haare zu Berge stehen lässt und man (ich) oft froh war, das heil überstanden zu haben.

Wenn dann noch Leichtsinn, fehlende Erfahrung, Unvorsichtigkeit, Geiz, Drogen oder einfach Pech hinzu kommen … Ja, ein Risiko eines Unfalls/Unglücks steigt dann deutlich.

Zitat von http://www.bunt-reisen.at/index.php/uebermich-reisen/einzelerfahrungen
(…) So tauchten wir in voller Vorfreude in diese so abgelegene Welt ein und saugten das Lebensgefühl dort sofort auf. So kam es auch, dass ein gewisser Leichtsinn nicht fern war. Sofort fanden sich dort einheimische Freunde, wo ich mich natürlich gerne auf eine kleine Spritztour am Motorroller einladen lies. Es war gegen 24 Uhr, als ich mit jemand aus Laos, in einer Einbahnstraße spontan umdrehen wollte. (…)


Ich bin während meiner Reise einfach ausgerutscht, auf nassem Gehweg, weil ich zu schnell (für europäische Verhältnisse aber normal) ging. Bin also wirklich einfach so auf die Fresse geflogen, inkl. Abschürfungen und 2 Wochen schmerzen. Wäre ich mal langsamer gegangen, so wie die Einheimischen.

Aber selbst wenn man aufpasst kannst du von einem Hai gebissen werden, dein Flugzeug abstürzen oder eben diese Kokosnuss auf dem Kopf kriegen.
 
An ein Testament hatte ich selbst auch nicht gedacht, ist aber ein guter Hinweis und empfehlenswert. Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden Angst gemacht. Meisten passiert nichts, und wenn doch, dann kommt man oft mit einem "blauen Auge" davon.

Gute Reise an Alle.
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Fender

« Antwort #7 am: 27. Juli 2014, 10:55 »
Einen Abschiedsbrief zu schreiben halte ich für weniger geeignet. Zum einen ist es zu emotional, sodass die Gefahr besteht, dass Du Dich reinsteigerst. Ob Du dann noch die Reise genießen könntest oder vll doch nur noch an den Brief denken könntest, ist eine mögliche Konsequenz. Zum anderen klärt der Brief auch nicht die Umstände des schlimmsten Falls auf. Und Deine trauernde Familie wird sicherlich auch so darauf kommen, dass Du in diesem Moment Deinen Traum lebtest.

Was ich aber ernsthaft in Erwägung ziehe, ist, ein Testament aufzusetzen. Es ist weniger (!) emotional als ein Abschiedsbrief. Außerdem sollte man immer seinen Nachlass regeln, denn der schlimmste Fall wird höchstwahrscheinlich zu Hause eintreten.

Und das Wichtigste zum Schluss: Ich weiß, es klingt beängstigend, doch die Chancen stehen im Grunde nicht schlecht, dass Du gesund wieder zurückkehrst. Das wird schon!
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Lins

« Antwort #8 am: 27. Juli 2014, 13:15 »
Naja ich habe eigentlich keine Angst es ist mir nur der Gedanke gekommen als ich bei meiner Auslandskrankenversicherung den Punkt ,,Rücktransport im Todesfall" gelesen habe und habe mir dann halt gedacht es sei nicht verkehrt Zumindest ein Testament zu haben.
Klar ich könnte auch heute an einem Chip oder so Ersticken und ich habe auch nicht vor völlig Blauäugig durch die Welt zu laufen aber ich denke so ein Brief hätte eher was beruhigendes im Sinne von es steht nichts Unausgesprochenes im Raum oder so.

Ich denke ich werde auf jeden Fall ein Testament verfassen weil wie ja schon geschrieben wurde kann man sowas auch Zuhause ,,gebrauchen"
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bunt-reisen

« Antwort #9 am: 27. Juli 2014, 14:00 »
Vielleicht hängt es auch davon ab, was man persönlich unter einem Abschiedsbrief definiert.
Ich habe einen Brief verfasst, in dem ich all die Dinge anspreche, die nicht leicht sind persönlich zu sagen - gerade VOR der Reise. Und diese Dinge weiß man sehr wohl vor der Reise. Ich kann mich noch an eine Formulierung erinnern "Ich weiß nicht was passiert ist, oder wo ich mich gerade befinde...aber ich wünsche mir....ich musste diese Reise machen....keiner trägt Schuld...usw." So ein persönlicher geschriebener Brief an die Familie ist etwas ganz anderes, als der letzte Blogeintrag. Ein Testament habe ich nicht, da ich momentan sowieso nix besitze, als mein Rucksack und ein paar Unterhosen :P

PS: Dabei fällt mir etwas von Reinhold Meßner ein: "Das Bergsteigen[Reisen] ist total NUTZLOS für meine Familie, oder die Menschheit, aber für MICH das SINNVOLLSTE was ich machen kann!"
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Nocktem

« Antwort #10 am: 27. Juli 2014, 17:45 »
"Das Bergsteigen[Reisen] ist total NUTZLOS für meine Familie, oder die Menschheit, aber für MICH das SINNVOLLSTE was ich machen kann!"

der sprch ist top!!!
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icybite

« Antwort #11 am: 27. Juli 2014, 19:46 »
Ohje... Das Thema finde ich auch sehr schwierig.... Ich würde im nachhinein vielleicht sogar ein Brief schreiben, aber ich habe alles überstanden... Es kommt sicher auch auf die Kommunikation mit deiner Familie an. Ich habe immer betont, dass es mein Traum ist. Das es mein Leben ist und das, was mich wirklich glücklich macht... Klar, dass irgendwann sowas kommt wie: "Und wenn dir was passiert?"...

Ich habe dann Scherzhaft, aber mit ein bisschen ernst immer gesagt: "Ob dich nun ein Auto in Deutschland oder Vietnam überfährt macht für mich kein Unterschied".
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Michael7176

« Antwort #12 am: 27. Juli 2014, 23:39 »
Oh je.....solche Gedanken habe ich um mich selbst vor einer Reise noch nie gemacht. Und dabei war ich schon mal ziemlich krank geworden. Und einmal bin ich schwer gestürzt und habe mir mehrere Knochen gebrochen. Ich mache mir mehr Sorgen um meine Eltern. Die sind schon älter. Was ist, wenn denen was passiert, während ich reise. Das belastet mich manchmal schon. Naja....wenn dich der Brief beruhigt, schreib ihn. Schöne Reise.
Michael  :)
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MissMojo

« Antwort #13 am: 28. Juli 2014, 04:35 »
Ich hatte einmal so ein komisches Gefühl und habe sowas hinterlassen, eigentlich habe ich nur reingeschrieben wie glücklich ich in dem Moment bin. Naja, ok ich habe zumindest versucht es positiv klingen zu lassen. Ich hatte plötzlich ein Bild vor Augen wie meine Eltern meine Wohnung ausräumen müssen und den Brief finden.

Habe ihn über die Reise vergessen und ihn gleich entsorgt als ich wieder zuhause war. Es ist im übrigen nichts passiert. Ich habe auch immer mehr Angst davor, dass jemandem zuhause etwas zustösst und ich es erst viel später erfahre weil ich mal wieder tagelang abgeschnitten bin oder so.
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