Thema: Was ist wichtig bei der Genehmigung eines Sabbatjahres?  (Gelesen 2195 mal)

koelnerzeilen

Hallo an das Forum,
(@Admins: habe keinen beitrag gefunden der so richtig passte, deswegenein neuer. Sollte das an meinem schlechten Suchen liegen, bitte verschieben! danke!)

Seit heute bin ich in meinem Sabbatjahr und bin froh dass es von meinem AG genehmigt wurde. Währender verabschiedung wurde habe ich recht deutlich gesehen was wichtig war um es genehmigt zu bekommen, das habe ich mal zusammengeschrieben, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen. Manches ist recht offensichtlich, anderes vielleicht nicht. Mir ist klar dass jeder Fall anderes gelagert ist, aber eine Sammlung der Erfahrungen ist sicher nicht schädlich:

Meine Randbedingungen: Bin (oder besser war) bei einer grossen Firma in leitender Position. Eine Regelung zum Thema Sabbatical gibt es zwar, die schafft aber nur die Möglichkeit und keinen Anspruch und ist obendrein für leitende Angestellte nicht gültig. Also wird im Einzelfall entschieden.

Zeitpunkt: Ich habe mich füreinen Antrag sechs Monate vor geplantem Beginn entschieden, ausreichend Zeit um eine Nachfolgeregelung zu treffen und nicht zu weit weg um es als Hirngespinst einzustufen. Das war eine gute Wahl.Obendrein habe ich versucht einen Punkt zu teffen, an dem möglichst viele grosse Themen nicht gerade in einer ganz heissen Phase sind und zu dem ohnehin ein Wechsel der Rolle in der Firma anstehen könnte. An demTag dannTerminemit Chefs und Personalabteilung,am nächsten Tag einen schriftlichen Antrag eingereicht.

Ein Plan:Wichtig war es meinen Chefs dass ich wusste was ich machen wollte und weshalb. In meinem Fall Berge in abgelegenen gebieten der Welt, wenn ich warte bis 65 dann komme ich da nicht mehr hoch.Das kann nicht jeder verstehen, aber die Logik ist nachvollziehbar. Obendrein schliesst es aus, dass ich ein Sabbatical nur beantrage um mich für einen Job anderswo vorzubereiten.

Rückkehrwillen: Meine klare Aussage "Ich will danach wiederkommen" war sehr hilfreich, der einzige Grund für eine Firma zu genehmigen ist das Potential für die Zukunft. Das gleiche ist aber auch ein gutes Argument, denn wer wiederkommt wird besser sein als er jetzt ist.

Bestimmtheit: Das ist kein Thema für vorsichtige Versuchsballons, wer einen Antrag stellt muss wissen was er will und dabei bleiben. Randbedingungen wie der exakte zeitpunkt (+/- Wochen) sind verhandelbar, aber die Grundrichtung muss stabil bleiben.

Durchdenken: Evtl. Nachfolgeregelung, Organisation etc. Wenn möglich einen Vorschlag machen wie es ohne dich gehen könnte/sollte. damit könnt Ihr eine Hürde aus dem Weg räumen, muss ja am Ende nicht so laufen, aber ihr habt gezeigt dass es geht und seid gleich in einem Dialog über das Wie, das Ob ist schon übersprungen.

Das waren die zentralen Punkte in meinem Fall, am langen Ende das "Was, Warum und Wie", wie gesagt jeder Fall ist anders. Ich würde mich für Eure Erfahrungen interessieren?

Viel Erfolg,....

BineUnterwegs

« Antwort #1 am: 12. Juni 2014, 01:42 »
Wenn man ein Sabbatical nehmen möchte, muss man dieses vorbereiten!

Dazu gehört meiner Meinung unbedingte Offenheit ("Ich will ja wiederkommen, brauche nur ein wenig Auszeit für mich") als auch einen Plan für die Vertretung der Stelle.

Ich habe mit meinem Chef offen darüber geredet und für meine "Nachfolge" gesorgt. Das war (bzw. ist) immer nicht leicht, aber im Grunde genommen, kann man mit einer strukturierten Arbeitsübergabe dafür sorgen, dass der Laden weiter läuft.

Und - vielleicht noch besser -, dass Kollegen sehen, dass auch sie eine Auszeit nehmen können. Egal wofür ... Mag ja auch sein, dass jemand nur 1 Jahr lang jegliche Goa-Partys abklappern will  ;D.

Und ... auch nicht zu vergessen ... man ist nicht unersetzlich! Das muss man sich zuerst einmal klar machen und dann klappt es auch mit dem Chef und den Kollegen  :)

Wichtig sind meiner Meinung folgende Punkte:

(längere) Vorlaufzeit
Offenheit - Komm ich wieder? Warum komm ich wieder?
Begeisterung für das Vorhaben - Warum will ich das machen?
Einarbeitung für andere Kollegen, die das auch geil finden - .... und vielleicht selber mal machen wollen? Halbe Miete ;)
Begeisterung für die Firma, in der man gerade arbeitet (ansonsten kann man auch gleich kündigen!)

Gute Reise!
Bine
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ozzierules

« Antwort #2 am: 15. Juni 2014, 16:30 »
cool - danke für die Hinweise!
habe mal in einem Buch (die 4 Stunden Woche) ein bisschen was darüber gelesne, wie man allgemein seinen lebenstil umstellen kann. das fand ich aber schon ziemlich krass. will schon gerne die sicherheit im job behalten.
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Forgotten83

« Antwort #3 am: 08. Juli 2014, 12:29 »
Hallo Zusammen,

ich plane aus finanziellen Gründen nur ein "Mini-Sabbatical" von 3 Monaten.


Habe bereits mit meiner Vorgesetzten geredet, die meinte, dass das schon machbar sei. Jetzt kommt das Gespräch mit dem Chef. Ich würde wie folgt vorgehen:

- genau sagen wie lange und warum
- Ersatz für mich bekannt geben
- Argumente dafür (bin schon seit 2 Jahren in der Firma und hab viele geleistet - das hab ich mir verdient und / oder: ich komme mit neuen Kräften zurück)


Hoffe es klappt!
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Jens

« Antwort #4 am: 08. Juli 2014, 13:36 »
Hallo,

ich habe mitlerweile mein zweites Sabbatjahr am Laufen, bin allerdings Beamter und daher läuft das etwas anders. Aber grundsätzlich ist das mit der genehmigung schon ziemlich gleich!

- Argumente dafür (bin schon seit 2 Jahren in der Firma und hab viele geleistet - das hab ich mir verdient und / ...)

Sorry, aber das würde ich nicht sagen, das hört sich sehr arrogant an, auch wenn es nicht so gemeint ist! Für einen Chef ist es normal, das ein Mitarbeiter 110% bringen sollte, daher wird eine geleistete Arbeit anders wahrgenommen, als es der Mitarbeiter macht! (Ich kenne dich nicht und weiß nicht was du geleistet hast - Daher nicht auf dich bezogen!)

- Argumente dafür (.....oder: ich komme mit neuen Kräften zurück)

Das ist schon viel besser, vorallem ist es wichtig klar zustellen, dass man gerne dort arbeitet und mit einem vollen Akku wieder zurück kommt!
Vermeide Fragen zu stellen, die du nicht beantworten kannst, bevor das SBjahr genehmigt ist und wichtig wenn du antwortest, dann sollten diese nicht so sein, dass diese Anwort ein Argument ringen könnte, das gegen dein SBjahr spricht! Beides ist sehr schwer, zugegeben, aber ich sag mal die Bälle flach halten und dabei bestimmt dein Anliegen vortragen!

Viel Glück  ;)
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Radlerin

« Antwort #5 am: 08. Juli 2014, 15:40 »
Ich hatte mich informiert und wusste, dass ich keinen Anspruch auf ein Sabbatical habe. Daher bin ich eher bescheiden aufgetreten und habe gesagt, dass ich das gern machen möchte, dass ich mir damit einen Traum erfüllen möchte und dass ich auch mal gern etwas Abwechslung hätte, weil ich schon x Zeit im selben Job bin, aber ich nicht den Job wechseln möchte, weil ich es ja im Grunde gut finde dort.
Der Hinweis, dass heutzutage ja auch fast jede/r mal zwei Monate Elternzeit nimmt, relativiert die Auszeit auch ein bißchen, wenn sie "nur" ein paar Monate ist.

Dann noch einen Timing Plan in der Hinterhand, wie ich mir das vorstelle und wo mein Projekt in der Zeit steht. Ich musste da noch Feintuning machen und auch vom Zeitpunkt ein paar Wochen flexibel sein, aber dann hatte ich das OK :D

Noch ein praktischer Tipp, wenn es "nur" drei Monate sind.
Wenn die Firma kein Sabbatical anbietet und man unbezahlten Urlaub nehmen muss:
Wenn man nur vier Wochen am Stück nimmt und dann ein paar Tage normalen Urlaub, kann man anschliessend nochmal vier Wochen unbezahlt nehmen (ich rede von Deutschland). Vorteil ist, dass für die vier Wochen die (gesetzliche) Krankenversicherung weiterläuft und der Arbeitgeber einen nicht abmeldet. Das war sogar ein Tipp von der Krankenkasse.
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die ira

« Antwort #6 am: 05. Mai 2015, 21:58 »
Hallo,
Kann mir jemand sagen was der Unterschied zwischen Sabbatical und unbezahltem Urlaub ist?
Was hat welche vor und Nachteile?
Muss ich während des unbezahlten Urlaubs Beiträge an zb Krankenkasse zahlen?

Welche Kosten kommen auf mich beim Sabbatical und unbezahltem Urlaub zu?

Freu mich sehr über Ratschläge :)

LG
Ira
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karoshi

« Antwort #7 am: 06. Mai 2015, 07:37 »
Kann mir jemand sagen was der Unterschied zwischen Sabbatical und unbezahltem Urlaub ist?

"Sabbatical" ist der viel allgemeinere Begriff und bezeichnet neudeutsch einfach die "Berufliche Auszeit". Unbezahlter Urlaub ist eine Möglichkeit, ein Sabbatical zu machen.

Daneben gibt es halt auch noch Modelle mit Gehaltsfortzahlung, in der Regel durch vorherige Bildung eines Arbeitszeitguthabens und/oder vorüber gehenden teilweisen Gehaltsverzicht. Und last not least die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
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OutAndAbout

« Antwort #8 am: 06. Mai 2015, 09:58 »
Da gibt es wirklich viele verschiedene Möglichkeiten. In einem Großunternehmen ist das häufig sogar über Betriebsvereinbarungen geregelt, welche Rahmenbedingungen es gibt.
Während ich meinen Job kündigen muss, kann meine Partnerin ein "richtiges Sabbatical" machen - und das, ohne vorher ein Arbeitszeitguthaben angesammelt zu haben. Es wurde eine Vereinbarung geschlossen, mit dem Inhalt: Sabbatical beginnt mit der Auszeit (bis dahin arbeitet sie full time und erhält ihr normales Gehalt), während der 12 monatigen Auszeit erhält sie 70% ihres Gehalts, nach Rückkehr wird wieder full time gearbeitet aber eben weiterhin mit nur 70% des Gehalts, für ca. 3 Jahre .. bis sich das quasi ausgeglichen hat. Sollte sie vorher das Unternehmen verlassen, muss sie natürlich die Differenz zurückzahlen. Daran sollte man bei so einer Konstellation denken.. und deshalb haben wir nicht vor, das Geld welches Sie während der Reise bekommt, überhaupt anzutasten. So ist sie nach der Reise flexibel und könnte auch direkt die Firma verlassen. Neben dem sicheren Arbeitsplatz bei Rückkehr ist halt auch von Vorteil, dass man auf diese Weise sozialversichert bleibt.
VG
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wstrubbi

« Antwort #9 am: 16. Juni 2015, 01:33 »
Hallo,

auch ich musste meinen Job kündigen, da meine Firma (ein großer amerikanischer Softwarehersteller) kein Sabbatical anbietet und auch keinen Präzedenzfall schaffen wollte. Allerdings war mir von vornherein klar und das habe ich auch so kommuniziert, dass ich kündigen werde, wenn meine Anfrage abgelehnt wird.

Auch ich bin gut vorbereitet in das Gespräch gegangen und habe ebenfalls 6 Monate vorher meinen direkten Vorgesetzten informiert. Meine Nachfolge zu regeln oder Vorschläge dazu zu machen lag nicht in meiner Hand.

Meine Frau hat eine kleine Massagepraxis für Ayurveda und Lomi Lomi Nui und schließt diese für ein Jahr. Die Kunden sind informiert und finden das, was wir machen Klasse. Wieviele davon nach dem Jahr wieder zum massieren kommen wird sich zeigen, wenn´s soweit ist.

Otti & Wolfgang
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Tags: sabbatical