Tauchen

Schon blöd: da reist man monatelang in den traumhaftesten tropischen Ländern herum, und die größten Naturschönheiten kriegt man gar nicht zu sehen, weil sie unter Wasser liegen! Kann man aber ändern. Oft reicht es aus, sich Flossen, Taucherbrille und Schnorchel auszuleihen und einfach von der Oberfläche ins Natur-Aquarium zu schauen. Aber viele der interessantesten Plätze sind nur mit Pressluft erreichbar, außerdem ist das Gefühl, zu "fliegen" und unter Wasser zu atmen, kaum zu toppen.

Die meisten Weltreisenden probieren es deshalb früher oder später mal aus. Gelegenheiten zum Tauchen bieten sich unterwegs immer wieder wie auf dem Präsentierteller an. Schließlich gehören Gegenden wie Südostasien, Australien, der Südpazifik oder die Karibik zu den besten Tauchrevieren weltweit. Aber Vorsicht: 95% aller Leute sind nach dem ersten Schnuppertauchgang süchtig. Und es ist kein ganz billiges Vergnügen. Daher solltest Du im Zweifelsfall vorher schon ein Budget dafür einplanen.

Voraussetzungen

Fast jeder kann tauchen lernen. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass keine medizinischen Gründe dagegen sprechen wie z.B. punktierte Trommelfelle oder Probleme mit der Atmung. Es ist dringend zu empfehlen, sich vor der Reise von einem Arzt auf Tauchtauglichkeit untersuchen zu lassen.

Tauchen ist ein sehr entspannter Sport, der keine großen Anforderungen an die körperliche Fitness stellt. Du solltest allerdings schwimmen können und in der Lage sein, auch mal ein paar Meter mit Flossen gegen eine Strömung anzuschwimmen.

Auch Kontaktlinsenträger können tauchen, allerdings besser nicht mit teuren Sonderanfertigungen, sondern mit Tageslinsen. Hin und wieder geht nämlich mal eine verloren (meistens an der Oberfläche, wenn Du die Taucherbrille abgenommen hast und unerwartet eine kleine Welle kommt). Brillenträger brauchen eine speziell angefertigte Taucherbrille. Für die meisten Leute sind Tageslinsen die bessere Wahl.

Tauchkurse

Es gibt verschiedene Tauchsportverbände, die weltweit standardisierte Kurse anbieten. Der verbreitetste ist PADI, aber oft sind Tauchschulen auch NAUI angeschlossen (manchmal beiden).

Ein Anfänger-Tauchkurs (Open Water Diver) dauert in einer PADI-zertifizierten Tauchschule ca. 3-5 Tage und kostet ab etwa US$250 aufwärts. Die Ausrüstung wird dabei gestellt, ein Lehrbuch kann (bzw. muss) in den Schulen erworben werden.

Natürlich ist es möglich, schon zu Hause den Schein zu machen. Weil dabei die Tauchgänge meistens im Schwimmbad bzw. in Binnengewässern durchgeführt werden, ist das aber nur halb so schön wie ein Kurs in einer entspannten tropischen Atmosphäre, wo man schon während der praktischen Ausbildung von bunten Fischen umkreist wird und die (überschaubare) Theorie in der Strandbar büffeln kann statt am Schreibtisch oder im Klassenraum. Die Qualität der Ausbildung ist unterwegs nicht wirklich schlechter, weil auch die Lehrerausbildung standardisiert ist und in praktisch jeder Tauchschule Lehrer aus den Ländern arbeiten, aus denen auch die meisten Touristen kommen. Es ist fast immer möglich, die Ausbildung in Deiner Muttersprache zu bekommen. Aber auch jede andere Sprache, die Du an Land gut verstehst, ist ok. Und unter Wasser ist es sowieso egal. Die Lehrmaterialien (Videos und Bücher) sind ebenfalls fast immer in verschiedenen Sprachen verfügbar.

Nach dem Tauchkurs ist vor dem Tauchkurs

Die Tauchausbildung ist modular aufgebaut, und nach dem Anfängerkurs kannst Du eine Reihe von weiter führenden Kursen machen. Beispiele dafür sind:

  • Fortgeschrittenenkurse ("Advanced Open Water Diver" bei PADI, "Advanced Diver" bei NAUI).
  • "Specialty Dives": Nachttauchen, Wracktauchen, Höhlentauchen, Unterwasser-Fotografie...
  • Rettungstaucher.
  • Berufsausbildungen (Divemaster, Instructor).

Besonders PADI hat dieses Konzept auf die Spitze getrieben, weshalb böse Zungen sagen, die Abkürzung stehe für "Put Another Dollar In". Der Advanced Open Water Diver ist aber eine sehr sinnvolle Ergänzung, denn er fasst einige Specialty Dives zusammen und ist nicht theorielastig.

Wie läuft das mit den Fun Dives?

Nach erfolgreichem Abschluss Deines Kurses bekommst Du einen (vorläufigen) Tauchausweis, mit dem Du in jeder Tauchbasis auf der Welt, die diesen Ausweis anerkennt (normalerweise bei PADI und NAUI gar kein Problem), an Tauchgängen unter Leitung eines Divemasters teilnehmen kannst. Die heißen dann "Fun Dives".

Sobald ein zertifizierter Taucher an einen neuen Ort kommt, zieht es ihn zuerst magisch zu den ortsansässigen Tauchbasen, die (auch wenn es keine offizielle Regel ist) immer mit der internationalen Seeflagge für "Taucher im Wasser" gekennzeichnet sind, das ist eine rote Flagge mit einem diagonalen weißen Balken. Dort wird erst mal das Terrain sondiert, d.h. Preise, regelmäßig besuchte Tauchplätze, Zustand der Leihausrüstung, Qualifikation und Freundlichkeit der Divemaster und Lehrer.

Tagsüber ist in den Tauchbasen normalerweise Betieb, d.h. entweder sind alle draußen auf dem (bzw. unter) Wasser, oder es ist große Hektik, weil gerade eine Gruppe ihre Ausrüstung bereit macht. Beides ist keine gute Ausgangslage, um seine Fragen beantwortet zu kriegen. Am späten Nachmittag sieht das anders aus: dann sind die Tauchgänge in der Regel vorbei und die Divemaster hängen entspannt in der Basis rum. Jetzt kann man sich beschnuppern, und wenn es passt, meldest Du Dich für den nächsten Tag zu einem Dive an. Dein Name kommt dann üblicherweise auf eine Tafel, und am nächsten Morgen kommst Du einfach zur vereinbarten Zeit vorbei, bekommst Deine Ausrüstung, und es geht los.

Die Kosten für einen Fun Dive liegen bei ca. US$25-40 (inklusive Ausrüstung), aber wenn Du in einer Tauchbasis mehrere Dives machst oder die Ausrüstung teilweise selbst mitbringst, gibt es oft Ermäßigungen bis zu 50%.

Risiken

Tauchen gilt bei Außenstehenden immer noch als gefährlicher Sport, aber durch die verbesserte Ausrüstung passieren erstaunlich wenige Unfälle. In einer australischen Tauchschule stand mal der Spruch: "Remember the times when Sex was safe and Diving was dangerous?" Da ist was wahres dran. Besonders die Gefahren, die den meisten zuerst einfallen (Haie, giftige Fische, Versagen von Ausrüstung) spielen in der Praxis fast keine Rolle. Ganz ohne Risiken ist Tauchen allerdings auch nicht. Die wichtigsten sind:

  • Schlechte Ausbildung. Die meisten Risiken können durch richtiges Verhalten ausgeschlossen werden. Im Prinzip ist das wie in anderen Situationen auch: im Straßenverkehr z.B. lauern große Gefahren. Allerdings haben wir gelernt, als gute Verkehrsteilnehmer vor dem Überqueren einer Straße nach links und rechts zu schauen und nicht mit 180 km/h in eine Autobahnausfahrt zu brettern. Genauso ist es beim Tauchen. Schlechte Taucher fassen Steine an, die dann plötzlich zubeißen; sie schwimmen ihrem Buddy davon, um hinter dem nächsten Felsen eine Schildkröte zu verfolgen; sie kollidieren beim Auftauchen mit Booten, die sie nicht gesehen haben... alles vermeidbar.
  • Selbstüberschätzung. Nur weil Du einen Tauchschein hast, heißt das noch nicht, dass auf alles perfekt vorbereitet bist. Es gibt viele Situationen, für die braucht man eine Spezialausbildung, z.B. besonders tiefe Dives, Strömungen, Höhlen und Wracks. Trotzdem versuchen immer wieder Anfänger, so etwas zu machen, und leider werden sie auch nicht immer von den Divemastern daran gehindert.
  • Strömungen. Die können manchmal tückisch sein, sogar für sehr erfahrene Taucher. Die meisten Reviere mit stärkeren Strömungen sind für Anfänger nicht geeignet. Es ist einfacher, im Schutz eines Barriereriffs oder Atolls zu tauchen, aber auch auf dem Scheitelpunkt von Ebbe und Flut sind die Verhältnisse besser. Eine gute Tauchbasis wird die Dives entsprechend planen.
  • Dekompressionskrankheit. Jeder Tauchgang wird vorher bezüglich Tiefe und Dauer geplant. Wer sich daran hält, bekommt keine Dekompressionskrankheit (außer bei bestimmten körperlichen Voraussetzungen wie starker Dehydrierung oder exzessivem Alkoholkonsum, aber in diesem Fall sollte man gar nicht tauchen). Die PADI-Regeln beinhalten außerdem eine große Sicherheitsmarge. Problematisch wird es, wenn der kleine Fisch 5 Meter weiter unten so unwiderstehlich interessant ist oder nach der geplanten Zeit doch noch sooo viel Luft in der Flasche ist.

Ausrüstung

In jedem Dive Center kannst Du die benötigte Ausrüstung leihen, meistens ist das schon im Preis für den Tauchgang enthalten. Es ist also nicht nötig, eine Menge Equipment durch die Welt zu schleppen. Eine Ausnahme ist unter bestimmten Voraussetzungen die Taucherbrille. Eine eigene Brille macht Sinn, wenn Du...

  • eine Brille trägst und Deine Sehschwäche nicht mit (Einweg-)Kontaktlinsen korrigieren kannst.
  • öfter mal auf eigene Faust schnorcheln willst, ohne dafür immer eine Maske leihen zu müssen. (Dann ist aber auch ein Schnorchel Pflicht.)
  • eine ganz spezielle Gesichtsform hast, auf die normale Masken nicht passen.
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