In Verbindung bleiben
Kaum ein Aspekt einer Langzeitreise hat in den letzten Jahren eine so dramatische Entwicklung genommen wie die Kommunikation. Die Einführung des Telefons war ein müdes Geplänkel verglichen mit den Möglichkeiten, die durch das Internet inzwischen (fast) in jedem Winkel der Welt gegeben sind. Natürlich ist dadurch einiges vom Mythos einer Langzeitreise verloren gegangen. Aber sind wir doch mal ehrlich: wer schon einmal ein Telegramm an eine Postlagernd-Adresse bekommen hat, wird den alten Zeiten kaum eine Träne nachweinen.
Internet
Über die Vorteile von E-Mail muss man ja wohl keine Worte mehr verlieren. Aber auf Reisen kommt noch eine ganz neue Qualität hinzu, die man mit kaum einem anderen Kommunikationsmedium erreichen kann, mit Ausnahme von Mobiltelefonen vielleicht: Man kann mit Dir Kontakt aufnehmen, ohne zu wissen, wo Du Dich gerade rumtreibst. Eltern lieben so was. Wenn Deine Eltern noch keinen E-Mail-Zugang haben, richte ihnen einen ein! Sonst wollen sie am Ende, dass Du jede Woche anrufst.
Hilfreich ist E-Mail auch, um Kontakt zu Reisebekanntschaften zu halten, die man zu einem späteren Zeitpunkt der Reise noch einmal treffen will.
Es ist übrigens gar nicht so lange her, da erkannte man einen Reisenden, der erst ein paar Wochen unterwegs war, daran, dass er noch keine E-Mail-Adresse hatte. Die wurde dann schleunigst eingerichtet, nachdem die Leute erst mal gesehen hatten, dass die Internet-Cafes überall wie Pilze aus dem Boden schossen. Damit man keine Software installieren muss, ist natürlich ein Webmailer die bequemste Lösung. Der Vorreiter auf diesem Gebiet war Hotmail, aber inzwischen gibt es eine Menge Nachahmer, die größtenteils mehr Leistung bieten (gut und kostenlos z.B. Arcor (PIA Basic) und Web.de). Die meisten Provider bieten inzwischen ein Web-Interface für ihre Accounts an, so dass Du wahrscheinlich nicht mal eine neue E-Mail-Adresse brauchst. Nur die Kontakte aus dem Adressbuch Deines Mail-Clients (z.B. Outlook, Mozilla Thunderbird etc.) musst Du über das Web-Interface noch einmal erfassen, denn der Server kennt diese Daten ja nicht.
Skype
Für Gespräche in die Heimat ist das Internet inzwischen ebenfalls erste Wahl, denn es ist konkurrenzlos günstig. Ich empfehle Dir, dass Du Dir einen Skype-Account einrichtest, falls Du noch keinen hast. Skype ist in vielen Internetcafes installiert und bietet Dir die Möglichkeit, weltweit für 2 Cent pro Minute in europäische Festnetze zu telefonieren.
Und was noch besser ist: Gespräche zwischen zwei Skype-Benutzern sind komplett kostenlos.
Tipp: Skype ist natürlich auch für Freunde und Familie interessant, denn auch der Anruf bei Dir (wenn Du Zugriff auf ein Festnetz-Telefon hast) ist äußerst billig. Wenn Deine Eltern Dich in z.B. Australien anrufen wollen, kostet die Minute ebenfalls nur 2 Cents.
Blogs
Das ist ein Fluch und Segen zugleich. Fangen wir mal mit den Vorteilen an, da sind im Wesentlichen zwei: Erstens ist ein Blog für die Freunde und Verwandten sehr viel leichter zu ertragen als ein 5-stündiger Dia-Abend (bzw. eine randvolle DVD mit unsortierten Digitalfotos). Die meisten Leute interessieren sich sowieso eher während der Reise für Deine Abenteuer, hinterher ist es eher lästig (zumal man die meisten Bilder inzwischen schon aus diversen Reisejournals im Fernsehen kennt). Häppchenweise werden Deine Berichte sogar sehr gerne gelesen. Der zweite Vorteil ist, dass Du während Deiner Reise nicht in Vergessenheit gerätst. Beim Wiedersehen nach vielen Monaten hat man also nicht so viel aufzuholen, die Basis für Gespräche ist breiter und der Wiedereinstieg ist ingesamt leichter.
Und was ist mit den Nachteilen? Nun, Du musst das alles machen, während Du noch unterwegs bist. Kannst Du Dir nicht etwas besseres vorstellen, als Deine Reisezeit in Internet-Cafes zu verbringen? Die Gefahr ist sehr groß, damit einfach zu viel Zeit zu verschwenden oder sich geistig zu viel damit zu beschäftigen. Andererseits habe ich aber auch schon gehört, dass es für manche Menschen eine willkommene Gelegenheit ist, das Erlebte zu reflektieren und zu verarbeiten.
Instant Messaging
Instant Messenger sind bei Reisenden eigentlich eher Exoten, weil man dafür einen Client braucht und Zugangsdaten konfigurieren muss. Der Microsoft Messenger ist zwar auf den meisten Rechnern in Internet-Cafes installiert, aber nachdem ich gesehen habe, wie viele eingerichtete Messenger noch friedlich vor sich hin flimmern, obwohl die Besitzer der IDs längst hunderte Kilometer weiter waren, würde ich persönlich die Finger davon lassen.
Fotoseiten
Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Menge von Websites, auf denen man Online-Fotoalben verwalten kann. Sie eignen sich hervorragend, um die armen Daheimgebliebenen schon von unterwegs mit Urlaubsbildern zu quälen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das Hochladen von 500 Bildern aus einer 14-Megapixel-Kamera in einem Internetcafe in Südamerika möglicherweise etwas ganz anderes ist als die 20 Bilder von der letzten Fete über den heimischen DSL-Zugang. Sprich: diese Sites eignen sich nicht zum Archivieren von hochauflösenden Digitalfotos, dafür gibt es andere Lösungen. Wer so eine Site nutzen möchte, sollte sich Bildbearbeitungs-Software zum Verkleinern der Bilder mitnehmen, um die Ladezeiten im Rahmen zu halten. (Achtung: Nicht die Originale verkleinern, sondern Kopien!)
Telefon und Fax
Telefonkarten und Calling Cards
Die günstigste Art, von unterwegs anzurufen (abgesehen von Internet-Telefonie), ist von öffentlichen Fernsprechern aus. Wer länger in einem Land unterwegs ist, besorgt sich am besten für umgerechnet ein paar Euro eine Telefonkarte (meistens an Kiosken erhältlich). Damit kann man oft erstaunlich günstig nach Hause telefonieren. Wichtig ist eine Telefonkarte auch, wenn man zur Hauptreisezeit unterwegs ist und öfter mal ein empfohlenes Hostel im nächsten Ort reservieren möchte.
Eine Alternative stellen so gegannte Calling Cards dar, die von einer beliebigen Telefongesellschaft sein können. Das funktioniert so, dass man von einem öffentlichen Fernsprecher eine gebührenfreie Nummer anruft, dort seinen Code und die eigentliche Zielnummer eingibt und dann mit dem angerufenen Teilnehmer verbunden wird. Die Kosten werden vom Kartenkonto abgebucht und variieren von Anbieter zu Anbieter bzw. Land zu Land. Persönlich habe ich so eine Karte noch nicht benutzt. Die Preise sind generell höher als mit lokalen Telefonkarten. Eine Prepaid Calling Card stellt allerdings ein hervorragendes Abschiedsgeschenk für einen Weltreisenden dar.
GSM-Mobiltelefone
Wer sein Handy mit auf Reisen nimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es ein weiteres Gerät ist, auf das man aufpassen muss. Der Nutzen ist in der Regel nicht allzu hoch, denn internationales Roaming wollen wohl die wenigsten Reisenden für längere Zeit bezahlen. Eine praktikable Lösung ist es, vor Ort Prepaid-Karten zu kaufen, dann ändert sich allerdings in jedem Land die Telefonnummer.
Damit das Ganze funktioniert, muss ein passendes Ladegerät mitgenommen werden, außerdem empfiehlt sich mindestens ein Dreibandgerät (GSM 900/1800/1900), besser noch QuadBand. Die Netzabdeckung für alle Länder der Welt kann man bei GSM World erfahren.
Satellitentelefone
Satellitentelefone sieht man bei Backpackern äußerst selten. Der Grund: sie sind relativ groß, schwer und teuer. Eine der wichtigsten Regeln für unbeschwertes Reisen ist: Nimm möglichst nichts mit, das groß, schwer oder teuer ist. Der einzige sinnvolle Verwendungszweck, den ich mir vorstellen kann, ist bei Leuten gegeben, die Expeditionen in die Wildnis machen, wo es überhaupt keine anderen Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Für solche Fälle ist ein Satellitentelefon wertvoll, muss aber eher als Sicherheitsausrüstung gesehen werden denn als reguäres Kommunikationsmittel.
Unterwegs Faxe empfangen
Manchmal kann es erforderlich sein, dass Dir die Heimatbasis Informationen per Fax zukommen lässt, z.B. wenn Du irgendetwas unterschreiben musst. Da Du kein Faxgerät mitnehmen wirst (da bin ich mir ganz sicher), kannst Du Dir das Fax in vielen Fällen an ein Gerät schicken lassen, das in der Nähe ist, z.B. an die Rezeption eines Hotels. Die Probleme dabei: der Besitzer des Faxes muss das erlauben, Du musst die Faxnummer in der Regel erst mal durchgeben, Du musst dabeibleiben und das Fax muss dann auch wirklich in Deine Hände gelangen. Für mich sind das ein paar Probleme zu viel.
Besser ist es, wenn Du ein Fax-to-Email Gateway benutzt. Es empfängt Dein Fax, wandelt es in eine Email um und sendet sie Dir an Deine normale Email-Adresse. Ein solches Gateway ist z.B. in dem kostenlosen Email-Service von Arcor (PIA Basic) enthalten. Du bekommst dort eine Nummer in Deutschland, unter der Dein virtuelles Faxgerät immer erreichbar ist. Die empfangenen Faxe (Email-Dateianhänge als TIFF-Grafiken) kannst Du dann in jedem Internetcafe selbst ausdrucken.
Post
Briefe und Postkarten
Hach, Nostalgie! Die gute alte Schneckenpost ist besser als ihr Ruf. Von manchen Ländern sind Postkarten und Briefe nach Europa nur wenige Tage unterwegs. Im Gegensatz zu Deutschland bekommt man anderswo oft die Briefmarken schon beim Kauf der Postkarten dazu, anderenfalls muss man sich zum Postamt bemühen. Muss man aber oft sowieso, weil es die einzige zuverlässige Methode ist, die Dinger auch abzuschicken. Nur im Postamt kann man selbst zusehen, dass die Briefmarken tatsächlich abgestempelt werden. In vielen Ländern ist es kein Problem, Post einfach in den Briefkasten einzuwerfen, aber manchmal werden die ungestempelten Marken einfach wieder abgelöst und die Post wandert in die große Rundablage.
Wofür braucht man in Zeiten des Internet überhaupt noch Briefe? Um CDs oder DVDs mit Bildern nach Hause zu schicken. Das ist nämlich die Methode der Wahl, um seine Urlaubserinnerungen vor Verlust zu schützen.
Wer unterwegs Post empfangen möchte, braucht eine Adresse. Das kann ein Hotel sein, wo man länger bleibt. Oft ist es aber eine Postlagernd-Anschrift. Das Ganze ist umständlich und zeitraubend, und man büßt auch eine Menge Freiheit ein, wenn man schon frühzeitig anderen Leuten mitteilen muss, wann man wo sein wird. Für die, die es trotzdem tun wollen, ein paar Tipps aus der Praxis:
- Die Postlagernd-Adresse sieht so aus:
- NACHNAME, Vorname
- "Poste Restante" (international) / "General Delivery" (englisch) / "Lista de Correos" (Spanisch)
- genaue Bezeichnung des Postamts, falls es in der Stadt mehrere gibt
- (Postleitzahl) Stadt
- Land
- Unbedingt in Blockschrift schreiben, äußerst deutlich und ohne jedes Sonderzeichen!
- Brieflaufzeiten ab Deutschland streuen zwischen 5 Tagen und etwa 4 Wochen.
- Briefe, die nicht innerhalb einer bestimmten Zeit abgeholt werden (meistens 4 Wochen), werden an den Absender zurück geschickt.
- Bei der Abholung im Postamt wird einem eine Liste der gelagerten Briefe vorgelegt, auf der man seinen Namen finden muss. Auch auf alternative Schreibweisen achten, oft werden beim Übertragen der Namen Fehler gemacht. Kreativität ist hier gefragt! Im Zweifelsfall den Brief zeigen lassen.
Kurier- und Paketdienste
Wer sich etwas schicken lassen will, benutzt besser Kurier- oder Paketdienste wie DHL, UPS oder FederalExpress. Das ist teurer, geht aber viel schneller.
